b_350_1200_16777215_00_images_202021_Haxn_sta_cup3.jpgHeute nicht.

Heute gibt es keine Kalauer über den kommenden Gegner, keine augenzwinkernden Artikel wie „Hit The Road Jack“ über die Datenkrake IDJack, eine App, die der SK Sturm den eigenen Fans beim Stadionbesuch aufzwingt, bei der Foto, Ausweis und vieles mehr gesammelt und bei Dritten abgespeichert werden.

 

Nicht heute.

Nicht an einem Tag, an dem internationaler Terrorismus nach Österreich zurückgekehrt ist. Nicht, wenn in der Seitenstetten, am Ort der ältesten jüdischen Ansiedlung Wiens, 29 Jahre nach dem blutigen Anschlag auf den Stadttempel, wieder geschossen wird. Nicht, wenn verängstigte Menschen, die einen lauen Herbstabend in den Schanigärten verbringen wollten, die Kulturveranstaltungen besuchten, die am Heimweg waren, vor Irren mit gezückten Langwaffen um ihr Leben laufen müssen.

Es darf nicht geschwiegen werden vor den Wahnsinnigen. Aber vor deren Opfern. Zumindest eine Zeile lang gemeinsam.

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Das Leben wird weitergehen. Muss weitergehen. Und die Kugel rollen. Wenn man im Stadion Abstand halten muss, um Mitmenschen zu schützen, hält man Abstand. Wenn man zu Hause bleiben muss, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, muss man zu Hause bleiben. Aber man muss nicht schweigen, kann sein Mitgefühl für die Hinterbliebenen, für die Opfer, auch woanders, etwas anders zum Ausdruck bringen. Und seine lautstarke Ablehnung, eine andere Lebensweise, andere Werte mit roher Gewalt ändern zu wollen.

Morgen spielt Schwarz-Weiß gegen Schwarz-Grün. Auch, wenn Schwarz zu dominieren scheint, es steht nicht allein. Weiß, die Farbe der Unschuld, des Friedens, der Unsterblichkeit gibt die Hoffnung. Hoffnung, die durch das wackere Grün symbolisiert wird, eine Farbe, die auch für die Auferstehung steht. Hoffnung, dass es ein Gemeinsam geben wird.

Selbst wenn es heute keinen seltsamen Vorbericht zu Wacker, keinen zu Sturm geben wird, ein paar nackte Fakten liefern wir dennoch zum Spiel: SK Sturm Graz gegen FC Wacker Innsbruck, der Fünfte der höchsten gegen den Siebten der zweithöchsten Liga. 24,1 Jahre gegen 23,1 Jahre im Schnitt, 26,6 gegen 26,2 Jahre als älteste Startelf im heurigen Ligabetrieb. Vier Nationalspieler gegen null, neun gegen acht Legionäre. Sechs ungeschlagene Spiele im direkten Duell gegen Wacker aus der Sicht von Sturm, ein einziger Erfolg in den vergangenen 12 Aufeinandertreffen, der letzte Innsbrucker Sieg war im Mai 2013.

Im letzten Cup-Duell jedoch, am 30. Oktober 2012, Achtelfinale, setzte sich Schwarz-Grün mit 2:1 durch, auswärts in Graz. Der kleine fußballerische Hoffnungsschimmer am Horizont. Mehr geht heute nicht.

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Stefan Weis Stefan Weis

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