b_350_1200_16777215_00_images_202021_Haxn_sta11.jpgWoooom. Eines Tages fiel etwas vom Himmel. Glänzend, wunderschön, so hart wie nichts anderes, das sie bisher gesehen hatten. Ein Ding, so wunderbar und vielfältig, so nützlich, dass es jeder haben wollte. Von den Göttern gesandt, ein wahrlich göttliches Kleinod. Für Xi war es eine Cola-Flasche, achtlos von einem Piloten entsorgt und in die Kalahari geworfen. Für Rapid ist dieses glänzende, göttliche, universal nützliche Ding Steffen Hofmann.

 

Die Entstehung von Göttern

Xi war zunächst begeistert. Was man nicht alles machen konnte mit dem harten Wasser, dem glatten, festen Ding. Stampfen und walzen, Musik machen und Schlangenhaut bearbeiten. Ein kleines Wunder. Für Rapid ergab sich so ein Wunder, als ein Unterfranke, ein Kirchheimer aus dem Nachwuchs der FC Bayern Amateure, wie eine leere Flasche von den Münchner Überfliegern entsorgt wurde, die nichts mehr mit ihm anfangen konnten. Und in der fußballerischen Kalahari der Wiener Vorstadt landete. 2002 war das. Rapid hatte gerade das schlimmste Jahr seiner Geschichte hinter sich. Ein Deutscher, ein Weltmeister, hatte den Verein auf Rang 8 geführt, die schlechteste Platzierung seit der Einführung der österreichischen Meisterschaft. Was sollte da schon ein weiterer Deutscher ausrichten können. Viel, kann man jetzt sagen. Die Grün-Weißen wurden Meister, erreichten die Champions-League, immerhin. Und verkaufte seine Spielmacher, Ivanschitz und eben jenen Steffen Hofmann, der nach seiner Rückkehr und Genesung gleich wieder einen Meistertitel feiern konnte. Er, ausgerechnet der Deutsche, wurde beim ur-österreichischen Club, der sich so gerne damit schmückt, als Österreicher Deutscher Meister geworden zu sein, zum Inbegriff des Rapid-Geistes. Des Erfolgs durch Kampf, durch Einsatz, durch Wille. Hofmann wurde Kapitän, Torschützenkönig, Fußballer des Jahres, schaffte es in das Team der Gruppenphase der Europa League. Dort, wo ein Stadion zum heiligen Tempel getauft wird und Fußball Glaubensfrage ist, wurde er zu Steffen Hofmann, Fußballgott. So oft lief er für die Grün-Weißen aufs Feld, dass jede Fußballseite im Netz andere Zahlen liefert. 539? 554? 540? Egal, viele jedenfalls. Und wer so gut kickt, so wichtig für das Mannschaftsgefüge war, der muss auch gut für den Verein sein, wenn er die Schuhe schon lange an den Nagel gehängt hat. Glaubte man zumindest.

Götterdämmerung

Hofmann wurde Talentemanager, sorgte sich um die zukünftigen Stars bei Rapid. Scouting, Überzeugungsarbeit, Trainingsbesuche, beraten. Und viel Zeit für die Familie, nach 15 Jahren Profi bei den Hütteldorfern auch notwendig. Und Zeljko Radovic, zuvor acht Jahre lang Akademietrainer, sorgte dafür, dass die Talente bei Rapid II in der Regionalliga gut spielen und an das Profi-Geschäft herangeführt werden. Das war der Plan. Der hielt, immerhin, fast zwei Jahre. Bis es Mattersburg zerbröselte, bis eine Mannschaft, ganz dringend, in der zweiten Liga benötigt wurde. Und die kleinen grünen Männchen den leeren Platz einnehmen durften. Eineinhalb Wochen vor dem Ligaauftakt war dann alles anders. Radovic legte nach 10 Jahren die Arbeit im Nachwuchs nieder, Hofmann sollte übernehmen. Interimistisch, denn er besitzt derzeit erst die B-Lizenz und darf deshalb offiziell nur ein halbes Jahr in der 2. Liga arbeiten. Jetzt war der Fußballgott Trainer. Mit einem Team, das mehr überraschend als gezielt eine Liga höher spielt. Und noch nicht ganz dort angekommen ist. Seine Bilanz: 10 Spiele, 7 Niederlagen, 2 Remis. Und ein Sieg, den man gegen die Zweite von Altach, wenn man so will, den Kooperationspartner der Rheindörfler, also Dornbirn, feiern konnte. Nicht gerade prickelnd. Aber ganz ehrlich, bei einem potentiellen Kader von 41 Spielern, davon 32 bereits mit Einsatzzeit in diesem Jahr, bei fünf 16jährigen, sieben 17jährigen, sieben 18jährigen und acht 19jährigen wenig verwunderlich. Die älteste Startelf 20,5 Jahre, die jüngste – und letzte, 1:2 gegen den GAK – 19 Jahre jung. Fußball außerhalb der Regionalliga ist für die meisten völliges Neuland, nur vier Spieler können auf Erfahrung in der zweiten Liga setzen. Darunter Elias Felber, der Sohn des Sportmoderators Andreas. Jener ORFler, der dem violetten Toni Pfeffer in Valencia ein „Hoch wer mas nimma gwinnen.“ entlockte.

Menschwerdung

Die Jung-Grünen haben bislang auch nicht viel gewonnen, aber so verloren haben sie auch nicht. Im Gegenteil. 2,2 Gegentore im Schnitt ist zwar nicht gut, man steht nicht umsonst am letzten Tabellenplatz. Aber nichts, das nicht verbesserungswürdig erscheint. Vor allem, wenn man sieht, dass Rapid II nicht weniger Tore erzielt hat als etwa der Tabellensechste, Wacker Innsbruck. In den letzten neun Partien wurde mindestens ein Treffer bejubelt, nur ein einziges Mal dabei mit mehr als einem Tor Unterschied verloren. Die jungen Wiener werden an ihrer Aufgabe wachsen. Ob es ihr Fußballgott auch wird, ist fraglich. Denn es gibt sicher bessere Wege, den Status aufrecht zu erhalten, als Trainer des SK Rapid II zu sein.

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Stefan Weis Stefan Weis

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