b_350_1200_16777215_00_images_202021_Haxn_sta14.jpg„Kinder, ich erzähle euch jetzt eine unglaubliche Geschichte. Sie handelt davon....“ Wenn Eltern mit diesem Satz beginnen, nehmt euch Zeit. Sucht euch was zu knabbern, holt euch einen Kaffee, so schnell kommt ihr nicht mehr weg. Ich weiß, manchmal hat man dieses Gefühl auch, wenn man hier die Vorberichte zu den Wacker-Spielen liest. Aber ich versprech‘s, ich mach es kurz und knapp, auf den Punkt und ohne Ausschweifungen. Also...

 

Legen... wait for it ....dary!

Vor 32 Jahren, als ich noch kein Vater war, begann alles mit einem Pokalspiel im Dolomitenstadion. Es goss wie aus Kübeln, klitschnass stand ich am Hügel, ich hatte keinen Schirm mit. Sicher, wenn man den Blick über die Tribüne hätte schweifen lassen mit einem dieser unvergleichlichen Kameraschwenks, man hätte vielleicht einen gelben – aber das ist eine andere Geschichte, die erzähle ich euch dann mal. Also, der Spielertrainer am Feld, ein Turn- und Englischlehrer, hatte seine Truppe und den Gegner gut im Griff, der dumpfe Klang von Aluminiumrohren war schon zweimal über das Feld gerauscht, Tor war dennoch noch keines gefallen. Darum rutschte er selbst irgendwann in Halbzeit zwei in einen Stanglpass... Was das alles mit dem nächsten Gegner zu tun hat? Alles! Also, wo war ich... Ah ja. Der Lehrer. Robert Idl war sein Name, spielte noch ein Jahr zuvor in Innsbruck. Und Innsbruck war auch sein nächster Gegner im Cup. Übermächtig. Mit der vollen Phalanx war Ernst Happel, der von Gernot Langes an das Tivoli gelotste Welttrainer, angereist. Blöße wollte man sich keine geben. Und gab sie sich auch nicht, ein klares 4:0 fegte Lienz vom Platz. Und wisst ihr, was aus den Torschützen von damals geworden ist? Der eine, Alfred, ist jetzt Sport-Vorstand zu Hause bei Wacker. Der andere, Peter, will in Klagenfurt die Violetten zum Aufstieg führen. Und Pipo macht seine Heimat unsicher. Ach ja, und der Gegner, der damals im Regen gesenkten Hauptes vom Platz schlich, war Vorwärts Steyr, damals Bundesligist, ausgeschieden gegen einen Landesligisten. Legen... warte kurz...där! Und diese Vorwärts ist morgen der nächste Gegner der Schwarz-Grünen. Sicher, hätte man auch kürzer erzählen können. Aber was wäre das dann für eine Geschichte...?

Have you met...?

Kinder, merkt euch, es gibt nur eine Regel. Gut, die eine Regel ändert sich je nach Situation. Aber es gibt nur eine Regel: Neu ist immer besser. Schau etwa auf die Logos. Das neue von Juventus Turin, schlicht, einfach, stark, mächtig, designed wie ein Wolkenkratzer der Goliath National Bank. Da kann jedes alte, traditionelle Wappen nur ablosen. Ist nicht anderes bei den Spielern. Immer dieselben Gesichter sehen? Bis der Mitspieler sogar deinen Laufweg kennt? Wo bleibt da die Spannung, das Überraschungsmoment? Gut, dass sich hier bei den beiden Teams von Freitag etwas getan hat, sogar im Winter. Die Roten aus Steyr holten sich etwa Felix Seiwald aus der Bundesliga. Ganz unverbraucht, neu ist einfach immer besser. Nur 11 Minuten musste er heuer auf den Platz, beim 0:3 gegen den LASK musste sich der 20jährige auch nicht mehr allzu sehr anstrengen, kommt also ausgeruht zur Vorwärts. Ganz so einfach hat es Marcel Monsberger nicht. Er bleibt in der Liga, er bleibt im Bundesland, und übersiedelt nur ein bisschen von den jungen Zebras nach Südosten an den Zusammenfluss von Steyr und Enns. Und er musste schon zehnmal ran – aber in dieser Saison noch nicht gegen Innsbruck. Also doch etwas Neues. Und dann gibt es noch Dragoslav Burkic. Der ist so neu, da kann man gar nichts sagen außer, dass er aus dem Nachwuchs der Vienna bzw. von Rapid kommt. Also alles richtig gemacht in Steyr. Ganz so gut hat es Innsbruck nicht gemacht. Gut, man hat gleich fünf Neuzugänge im Winter vermeldet, aber statt einem Durchschnittsalter von 19,67 Jahren kommt bei Innsbruck gleich ein Paket von 25,2 Jahren. Und zwei Über... ich bringe es gar nicht über die Lippen... Drei... Drei...warte kurz... über-Dreißig-Jährige. Und dann haben die auch noch Erfahrung. 237 Bundesliga-Partien und 19 Europa-League-Qualis der eine, 44 Zweitligaspiele und sogar deutsche Bundesliga und Europa League der andere, der nächste hat heuer schon gegen Wacker gespielt und in der Liga sechs Tore erzielt, wieder ein anderer ist mit 15240 Minuten ein Dritt-Liga-Urgestein in Deutschland. Einziger Lichtblick: Tizian-Valentino Scharmer. 16 Jahre, aus dem eigenen Nachwuchs und der Akademie über Hoffenheim zurück an die Sill, nigelnagelneu. Neu ist immer besser, die einzige Regel.

Challenge accepted

Es geht also an neue Herausforderungen. Die einen wollen nicht aufsteigen, die anderen dürfen nicht aufsteigen. Und mittendrin sind Klagenfurt und Innsbruck, die beide nicht konnten, sportlich. Die Einkaufspolitik in beiden Landeshauptstädten macht es deutlich: wollen würden sie ja. Wenn da nicht immer so lästige Gegner wären, die man zunächst unterschätzt, die sich aber als Wunderwuzzi erweisen. Also: Playbook heraus, Plan schmieden, umsetzen. Challenge accepted!

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Stefan Weis Stefan Weis

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