b_350_1200_16777215_00_images_202021_Haxn_sta16.jpgSonntag, 10:30. Ich werde es nie verstehen. Aber bevor ich lamentiere, eine Servicemeldung für alle schwarz-grünen Katholiken in Innsbruck (abseits davon kennt man die Öffnungszeiten des lokalen Lebensmittelmarktes, die Telefonnummer des Wirtens und die Messzeiten ja auswendig): Vorabendmesse besuchen, etwa in der Jesuitenkirche um 18 Uhr auf Englisch. Oder, nach Heiligen aufsteigend, am Sonntag um 8:30 in der Dreiheiligenkirche, als Livestream um 10 Uhr aus Allerheiligen, mit leichten Überschneidungen halt zum Match. Und meiden Sie stets als gläubiges Event getarnte Umzüge durch die Innenstadt. Damit helfen Sie Ihrer Gesundheit, tun etwas für’s Seelenheil – und der Live-Stream zum wackeren Spiel gegen Kapfenberg geht sich auch noch aus!

 

Ich will euch erquicken

Zehnuhrdreißig. Das ist keine Uhrzeit für Fußball. Selbst die katholische Kirche in Innsbruck weiß, Frühmessen wie am Dorf, das ist völlig für die Fische. Vor 8:30 Uhr gibt es in der Stadt maximal Semmerl und Croissant vom Bäcker, aber sonst nix. Selbst die nächtlichen Roraten der Vorweihnachtszeit werden in der Unipfarre genehm auf 7 Uhr gelegt, man kümmert sich ja um die Schäfchen und will sie erquicken. Nicht so im Verein Bundesliga, da hat das Schaf dem Hirten nachzutrotten, egal zu welcher Uhrzeit. Gut, dass es wohl nur den Zuschauern etwas schwer fällt, zum Frühschoppen ins Tivolirund zu kommen (oder aktuell den Laptop aufzudrehen), die Spieler selbst aber putzmunter sind. Dreimal durfte man in der vergangenen Saison um diese unchristliche Uhrzeit ausrücken, dreimal ging man als Sieger vom Platz: gegen Dornbirn daheim ein 1:0, gegen Lustenau auswärts ein 3:2. Und weil es doch so schön war, nochmals auf der Birkenwiese gegen die Rothosen, diesmal aber gleich 4:0. Nicht ganz so erfolgreich gebärden sich die Kapfenberger des Sonntags. Kein Wunder, möchte man meinen, Bergknappen waren schon immer Spalter, und an den wahren katholischen Glauben kommen Protestanten halt nicht an. Erstens: Blödsinn (und wer am Sonntag einen evangelischen Gottesdienst sucht, die Christuskirche ab 9:30 Uhr wäre ein heißer Tipp). Und zweitens sind’s so katholisch wie der Rest Österreich, die Steirer. Nur halt nicht so gut im Kicken. Zwar konnte man um die gefragte Uhrzeit heuer schon mit Zähnen und Klauen einen Punkt gegen die Klagenfurter Austria verteidigen und gewann im vergangenen Jahr die erste Sonntags-Partie, das kleine rote Derby gegen angeschlagene GAKler, sogar mit 2:0, vor unglaublichen 4270 Zuschauern. Es wurden aber auch klar die Grenzen aufgezeigt, von den violetten Kärntnern mit einem 2:3 und der SV Ried mit einem 0:5. Ist halt auch keine feine Uhrzeit.

Mein Joch ist sanft

Mühselig und beladen waren sie, die Kapfenberger der letzten Saison. Von Runde sieben bis Runde 30 waren sie am letzten Tabellenplatz, nur ein hart erkämpftes 1:1 gegen Blau-Weiß in der ersten Runde und damit ein einziger Zähler in den ersten sieben Partien hat verhindert, dass man schon ab dem allerersten Spieltag die rote Laterne trug. Corona sei Dank konnte man in der Obersteiermark die Klasse halten. Da werden des Sonntags wohl so manche Kerzerln entzündet worden sein. Man hat die Zeit dann gut genützt, mit Abdulah Ibrakovic einen neuen Trainer gefunden, der in den 209 Tagen und 19 Pflichtspielen einen respektablen Punkteschnitt von 1,42 vorweisen kann. Den besten aller sieben Trainer der letzten fünf Jahre, den viertbesten der letzten 20 Spielleiter seit 1986. In den letzten fünf Partien musste man nur einmal als Verlierer vom Platz, in der vergangenen Runde wurde der GAK mit 3:1 eingebremst. Auch die Torausbeute ist dabei nicht zu verachten, mit 23 erzielten Treffern rangiert man in der Offensivgefährlickeit auf Rang fünf der gesamten Liga, noch vor Innsbruck. Eine bessere Platzierung wird nur durch die brüderliche Liebe und Freigiebigkeit der Abwehr verhindert. Man liebt in Kapfenberg den Nächsten und lässt ihn gewähren, nur die Amateure von Rapid Wien sind in der Liga noch mehr vom Gedanken des Teilens beseelt. Spannend wird diese offensive und defensive Torgefahr durch den Umstand, dass Kapfenberg in sechs von fünfzehn Spielen kein Tor schoss, dem Gegner aber auch in fünf von 15 Spielen keinen Treffer gewährte. Wenn Tore fallen, dann also auch gleich eine ganze Menge, den Zuschauer freut’s.

Ihr werdet Ruhe finden für eure Seele

So einen Probegalopp wie in der ersten Runde der Saison, als innerhalb von 12 Minuten der ersten Halbzeit durch Tore von Zaizen, Kofler und Ronivaldo das Spiel entschieden war, so etwas wird es diesmal wohl nicht mehr geben. Aber Demut ist eine Zierde des Christen, ein ungefährdetes 1:0 würde auch schon reichen. Und dann hätte die wackere Seele wieder etwas Ruhe gefunden...

Bild von Andreas Lischka auf Pixabay

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Stefan Weis Stefan Weis

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