b_350_1200_16777215_00_images_202021_Haxn_sta30.jpgWer etwas Besonderes erreichen will, muss eigene Wege gehen. Irrfahrten überstehen, Rückschläge einstecken und niemals aufgeben. Darum einmal noch den Fedora auf, die Peitsche an den Gürtel und ab ins Getümmel, wie Dr. Henry Walton Jones. Das letzte Abenteuer der regulären Saison wartet – das Farmteam der Linzer Athletiker.

Don’t call me Junior!

Ein Gegner wartet also noch im Ligaformat. Eine von vier Amateurmannschaften der Bundesligisten, welche in der zweithöchsten Spielstufe kicken dürfen. Die schlechtestplatzierte, zumindest in der Jahrestabelle 2021. In der Wertung der Spiele des heurigen Jahres, in der Linz nur knappe zwei Punkte vor Innsbruck liegt, nehmen die jungen Bullen aus aller Welt den dritten Rang ein. Den Nachwuchs von Rapid, auf Rang fünf liegend, trennen zwar 11 Punkte, aber nur ein Rang vom kommenden Gegner Klagenfurt. Die jungen Violetten haben sich im Mittelfeld positioniert und acht Kampfmannschaften arrivierter Vereine hinter sich gelassen. Das vermeintliche Ziel der zweiten Liga, jungen Spielern auf einem höheren Niveau eine Spielmöglichkeit zu bieten und sie an die höchste Klasse heranzuführen, scheint erfüllt. Ein bisschen aus dem Rahmen fallen dabei die Juniors aus Oberösterreich, das einzige Farmteam in der zweiten Tabellenhälfte. Wobei, eigentlich müsste man es mit Dr. Jones halten: „Nenn mich nicht Junior!“ – Indy, wie sein Hund aus Jugendtagen, ja, aber nicht Junior. Auch die Jungathletiker waren in dieser Saison nicht gerade die jüngsten Spieler der Liga. Von den 50 jüngsten Startelfs der Liga entfallen nach 29 Runden 29 auf Liefering, 17 auf Rapid und 4 auf Austria Wien. Während die Salzburger beim 6:2 im März gegen Horn knapp an einer U-18 scheiterten (18,2 Jahre im Schnitt), die jüngste Elf der Grün-Weißen im November am Tivoli mit 2:1 unterlag (18,4 Jahre im Schnitt) und die jüngsten Jungveilchen im September den GAK unterlagen (19,7 Jahre dank dreier Ü-20-Ballesterer), schaffte es keine Startelf der Oberösterreicher, die 20-Jahre-Marke nach unten zu knacken.

I like the Austrian way better...

Die vorletzte Startelf etwa, die dem Tabellenführer Blau-Weiß-Linz die erste Niederlage nach 11 Spielen zufügte, war im Schnitt 21,1 Jahre alt. Auch mit dem Austrian Way, den Indiana Jones deutlich bevorzugt, war es nicht gerade weit her bei den Oberösterreichern. Sechs ihrer elf Stammkräfte Legionäre, zur zwei Österreicher unter 20 Jahren am Platz. Da bräuchte sich Innsbruck mit seinen jungen Defensiven Hubmann (20), Knopp (20), Grujcic (21) und Tormann Eckmayr (21), allesamt in der letzten Startaufstellung, gar nicht verstecken. Aber vielleicht lieben deshalb alle den österreichischen Weg – das Projekt trägt zwar einen Namen, aber ganz genau so muss es ja dann nicht sein. Amateurmannschaften dürfen nur bedingt am Wettbewerb teilnehmen, um hier den finanzkräftigen Bundesligisten nicht einen noch größeren Vorteil gegenüber den kleinen Vereinen zu bieten. Wenn sich allerdings Pasching oder Anif entsprechend umbenennen und de facto, aber nicht de jure Ameteurteams sind, dann ist das schon in Ordnung. Und dann nimmt man auch schon mal am Cup teil, obwohl es keinen Archäologen braucht, um unter der dünnen Oberfläche die Zweitmannschaft des Linzer ASK zu entdecken. The Austrian Way bietet aber auch andere Möglichkeiten – etwa, am Meistertitel zu scheitern, den Vizemeistertitel zu verpassen, um dennoch als Tabellendritter in eine Relegation gegen den Letzten der Bundesliga antreten zu dürfen. Aber in einem Land, in dem Dritte Bundeskanzler werden können, sollen Drittplatzierte höherklassigen Fußball spielen dürfen.

You have chosen - wisley!

Es geht jetzt also in den letzten Kreuzzug der regulären Saison. Als Jäger des in den vergangenen Jahren doch so einige Male verloren geglaubten Schatzes konnte man die Lizenz im ersten Anlauf wiederentdecken, im Tempel des Todes bezwang man den direkten Konkurrenten Klagenfurt und sicherte sich die bessere Position im Kampf um den Aufstieg. Jetzt heißt es noch einmal: klug wählen, bescheiden bleiben und sich nicht vom funkelnden Lohn verleiten lassen, vorschnell und überheblich zu agieren. Dann kann man am Sonntagabend den heiligen Gral der Saison, den dritten Tabellenplatz, in Händen halten. Ein Schritt näher zum Ziel wäre man gekommen, mehr allerdings noch nicht.

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Stefan Weis Stefan Weis

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