b_350_1200_16777215_00_images_202122_Haxn_Cup1.jpgDer Cup hat seine eigenen Gesetze. So, jetzt haben wir’s gesagt, wir können’s abhaken und vergessen. Auch wenn es stimmt, in so vielerlei Hinsicht. Man kann etwa jährlich teilnehmen und doch nie ein Heimspiel haben. Dafür Österreich kennen lernen, fast wie bei einem pädagogisch wertvollen Brettspiel. 2016 zum Beispiel hat so eine Tour begonnen: Mannsdorf, Steyr, Amstetten, Klagenfurt, Wien, Neusiedl am See, Hartberg, Kitzbühel, Graz. 7300 Kilometer und etwas mehr als drei Jahre später gab es endlich wieder eine Partie vor eigenem Publikum. Gerade noch rechtzeitig, bevor das Publikum daheim bleiben musste. Man kann im Cup aber auch ein Auswärtsspiel zugelost bekommen, und die halbe Mannschaft ist schneller am gegnerischen Platz als am Trainingsgelände beim Tivoli. 3 Kilometer bis in die Klappholzstraße zur SVG Reichenau – und noch immer nicht die kürzeste Auswärtsfahrt.

 

Auswärts daheim

In einer Zeit, in der die Reichenau nicht nur Testspiel-, Amateurmannschafts- und Pokal-Gegner war, sondern ernsthafter Liga-Konkurrent, witzelten violett gekleidete Besucher aus Salzburg noch selbstbewusst „Auswärts ist jetzt überall, auch in Kundl, Rum und Hall“. Um dann kurz darauf selbst vor den Trümmern ihrer Existenz zu stehen. Aber 2002/03 hatte man noch gut lachen über die Schwarz-Grünen, die ihre Auswärtsspiele teilweise mit den stadteigenen Verkehrsbetrieben erledigen konnten. Mit dem 4er auf die Haller Lend zum Beispiel, um trötende Verschubloks zu beobachten. Und manchmal war selbst die IVB mit ihrem dichten Netz nicht brauchbar. Gegen die SPG Rum/IAC war der Weg ins Stadion kürzer als der zur nächsten Haltestelle. Über die Straße, vom Tivoli neu ins Tivoli alt, vom Betonbau zu Stahlrohrkonstruktion, ein letztes Mal wurde wehmütig Abschied genommen von der alten Wirkungsstätte. Eine Saison absurder Auswärtsspiele, denn gegen die SPG Reichenau/Aldrans spielte man auch auswärts daheim am Tivoli, zumindest in der Liga beim 4:0-Away-Triumph auf heimischem Grund. Nur wenige Tage später traf man sich erneut, in der Vorrunde des ÖFB-Pokal. Und weil jeder Bewerb seine eigenen Regeln hat, wurde dieses Spiel für niemanden zum Heimspiel, das Wattener Alpenstadion war verregneter Gastgeber eines 3:1-Erfolges der neuen Wackerianer. Auch bei der zweiten Auflage dieses Cup-Duells, im September 2009, wich man in die Fremde aus. Damals setzten sich die Wackerianer mit 4:1 gegen die Reichenau durch - diesmal in Schwaz.

Daheim auswärts

Dem Problem, den Heimvorteil ausschlagen zu müssen, wollte sich die Reichenau in diesem Jahr nicht stellen. Lieber weniger Zuschauer als weniger eigene Anhänger im Stadionviereck. Denn immerhin gibt es ja einen Heimplatz, der in den letzten Jahren immer weiter ausgebaut wurde. Der Verein, 1976 gegründet musste ja zunächst seine Heimspiele auf der Haller Lend austragen, war ja die Wohngegend Reichenau selbst erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus dem Boden gestampft worden. 1979 konnten die ersten Spiele auf der Sportanlage Reichenau ausgetragen werden. Nicht jedoch am grünen Rasen, man blieb noch sechs lange Jahre ein von Gegnern gefürchteter Sandplatz. Und nicht nur fußballerisch umstritten, sondern von Anfang an eine von Anrainerprotesten, Einsprüchen und Flutlicht-Protesten begleitete Sportanlage. Vom Sand ist nichts mehr übrig, vom Naturrasen allerdings auch nichts, 198 Spieler in 15 Mannschaften bespielen ein künstliches Grün, und das nicht unerfolgreich. In den letzten 25 Jahren wurden vier Tiroler Meistertitel gefeiert, zwei Landespokaltitel abgeräumt, 17 Saisonen Regionalliga gespielt. Oder eben das was noch von ihr übrig geblieben ist. Und vor allem: man spielte Cup gegen den Champions-League-Teilnehmer Sturm Graz, warf den Bundesligisten Kapfenberg aus dem Bewerb und bot der Wiener Austria einen vehementen Pokal-Fight.

Auswärtsfahrt nach Innsbruck

Nach Monaten der leeren Stadien gibt es nun wieder Auswärtsfahrten. 125 Schwarz-Grüne (und wohl noch ein paar mehr) werden den Weg antreten am Landessportzentrum vorbei, unterm Kreisverkehr durch, hinterm Hausberger in die Resselstraße, schnell ein Coffee-to-go und ab in die Pradler Straße, zum 100. Todestag des Osttiroler Malers einen Gedenkmarsch durch die Defreggerstraße, rüber zur Amthorstraße, den Fußweg in die Egerdachstraße. Oder einfach mit dem Radl von daheim aus in die Reichenau, damit es wirklich eine Auswärtsfahrt ist, und kein Spaziergang. Denn im Cup gibt es selten einen Spaziergang, der Bewerb hat seine eigenen...

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Stefan Weis Stefan Weis

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