b_350_1200_16777215_00_images_202122_Haxn_sta6.jpgHeiß-kalt gibt es derzeit für die Mannen des SKU Amstetten. Die vergangene Saison beendete man mit Hängen und Würgen auf Platz 12, einen einzigen Punkt vom letzten Tabellenrang entfernt. Die viertschwächste Offensive nach Toren, die zweitschwächste Defensive mit 31 Gegentreffern, 50 Prozent aller Spiele verloren. Andernorts wird man schmähstad, hüllt sichin  eisiges Schweigen über den Verein. Nicht so an der Ybbs.

 

Heiß

Dabei sind die schlechten Nachrichten noch gar nicht vorüber. Denn die bereits angeschlagene Offensive musste eine weitere Schwächung erwarten. Von den nur 38 Toren hatte nämlich ein einziger Spieler gleich 45 Prozent erzielt. Und damit um vier mehr als Innsbrucks erfolgreichster Netzer Ronivaldo, um 12 mehr als der zweitbeste Teamkollege, Alin Roman. So ein Spieler ist heißbegehrt. Drei Tore in drei Pflichtspielen konnte er in dieser Saison noch beisteuern, dann kam der erwartete Wechsel: David Peham, beidfüßiger Mittelstürmer, übersiedelte in die Steiermark, die Grazer Athletiker jubeln schon vorab. Kein Wunder. 53 Tore in den letzten drei Spielzeiten sind eine Ansage. Und das, obwohl es in den ersten Jahren bei Amstetten nicht nach einer großen Freundschaft ausgesehen hatte. In der Regionalliga teilweise nicht einmal am Start-Roster, wurde ihm ein Wechsel freigestellt – den er ablehnte. Erst als Jochen Fallmann das Traineramt übernahm, blühte der Mostviertler auf, und darf nun erstmals als Vollprofi die Schuhe knüpfen. Gut für ihn, beim SKU dürfte aber so manchem Funktionär die Hitze aufgestiegen sein, ob denn die ins Auge gefassten Alternativen auch so einschlagen würden.

Heißer

Sie schlugen ein. Wie bereits 2019/2020 rangiert Amstetten im ersten Drittel und einen Punkt vor Wacker Innsbruck. Was vor zwei Jahren der Blick auf die Abschlusstabelle war, ist derzeit zwar nur eine Momentaufnahme – aber eine mit gar nicht so geringer Aussagekraft. Allen voran hat der zurückgeholte Trainer Jochen Fallmann, der Joachim Standfest ablöste, das schlummernde Potenzial der Spieler wiedererweckt. Im ersten Spiel, der Pflicht im Cup gegen Deutschkreutz, standen gleich acht Spieler von Beginn an am Feld, die das unsägliche Frühjahr miterlebt hatten. Für Peham wurde mit Thomas Mayer ein gebürtiger Oberösterreicher geholt, der nicht nur in Liga Zwa schon auf eine dreistellige Anzahl an Spielen zurückblicken kann, sondern auch auf Auslandserfahrung. Mit Hull City war er in der englischen League One erfolgreich und konnte die Relegation in die Championship feiern, im ersten Spiel für seinen neuen Arbeitgeber assistierte der nur 1,71 große Rechtsaußen beim Ausgleich gegen Lafnitz. Vier Scorerpunkte, davon drei Assists, kann auch der groß aufspielende Nigerianer Wale Musa Alli bereits vorweisen, die Neuzugänge Tschernegg (mit einem Assist), Schnellegger (1 Tor) und Mustecic (1 Assist, 1 Tor) überragt aber ein Neo-Amstettner.

Sehr heiß

John Johannesen Frederiksen. 202 Zentimeter groß, 25 Jahre alt, zwei Tore im Cup, drei Tore in der Liga stark. Frederiksen ist der Brecher, der gegnerische Abwehrreihen zur Verzweiflung bringen kann, der die Lufthoheit behaupten will, der sich mit seinem massiven Körperbau Platz verschaffen kann. Und dabei eben auch torgefährlich ist, mit dem Fuß, mit dem Kopf. Alles Eigenschaften, die man sich nur wünschen kann im gegnerischen Strafraum. Und dennoch, wie konnte Amstetten nur? Gerade ihn verpflichten? Mit seiner Vorgeschichte? Wie konnten sie das ihrer Legende, ihrem Pepi nur antun? John Frederiksen ist in Dänemark geboren, kickte in Finnland. Und wurde gerade in das Nationalteam seines Heimatlandes einberufen – Färöer. Die Schafsinseln. Genau DIE Schafsinseln. Der einzige Nationalspieler der zweiten Liga kickt in Hickersbergers Heimat. Da blöken die Widderchen und biegen sich die wenigen Bäume vor Lachen im rauen Wind des Nordatlantik. Und noch gibt es kein Anzeichen, dass jemand die Lämmer zum Schweigen bringt.

Bild von Knud Erik Vinding auf Pixabay

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Stefan Weis Stefan Weis

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