b_350_1200_16777215_00_images_202122_Haxn_sta8.jpgSissi-Liga. Hört man nicht gerade selten, wenn es um die heimische Bundesliga geht. Ein ganz schön harter Begriff, wenn man den englischen Originalbegriff (sissy: Memme, Waschlappen) meint. Gott sei Dank hat der Österreicher die Tendenz, alles nicht ganz so eng zu sehen, bei Gesetzen wie im Leben. Sisi (die einzig richtige Schreibweise), die Kaiserin von Österreich, also eine monarchistische Operettenliga, aus der Zeit gefallen. Damit kann man dann schon besser leben. Und wie Elisabeth hat auch der heimische Fußball so manche Überraschung zu bieten...

 

Die junge Kaiserin

Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen. Klingt wie eine Bahnlinie durch die deutsche Dorfstruktur, ist aber ein Adelsgeschlecht. Eines, das man nicht unbedingt kennen müsste – würde nicht die Kaiserin von Österreich daraus stammen. Aus den Dörfern in die Upperclass, vom Land auf das europäische Parkett. Funktionierte nicht nur bei den Blaublütern, haut auch jetzt noch hin. Im Fußball. Im österreichischen Fußball. In der zweiten Liga. Wer in den vergangenen Tagen Champions League geschaut hat, ist vielleicht das ein oder andere Mal ungut zusammengezuckt. Diese Namen, die in der kontinentalen Eliteliga genannt wurden, klangen von den Dorfplätzen so vertraut. So überaus vertraut aus Liga Zwa. Johannes Kristoferitsch hat auf Twitter ein Roster erstellt, das wie einst bei der jungen Kaiserin den Aufstieg in die höheren Sphären nachzeichnete. Dass mir keiner mehr über die zweite Liga lacht, in der einst Nico Mantl, Andreas Ulmer, Dayot Upamecano, David Alaba, Valentino Lazaro, Luka Sucic, Nicolas Seiwald, Marcel Sabitzer, Chukuwubuike Adamu, Benjamin Sesko und Karim Adeyemi ihre Schuhe schnürten. Ein 4-3-3-System mit 294 Zweitliga-Spielen. Eigentlich müssten da bei Wacker Begeisterungsstürme losbrechen: unsere Liga, unsere Spielklasse, der Nachwuchspool für Europa, kommt‘s doch und schaut‘s! Wäre da nicht ein kleines, unangenehmes Detail. Nämlich die Herkunft der Champions-Kicker. Die genannte Startelf schnürte die Schuhe einst bei der Admira (ein Spieler), den Jungveilchen (zwei Spieler) – und bei Liefering. Dem nächsten Gegner der Innsbrucker. Dort allerdings gleich acht Spieler. Die Nachwuchsschmiede, in die so viel Geld investiert worden ist, funktioniert mittlerweile recht passabel. Saison für Saison spielen sich Kicker nach oben, erhalten bei den großen Bullen einen Vertrag, dürfen dort internationale Luft schnuppern. Und manchmal auch weiterwandern. Nach München etwa. Oder nach Lissabon. Mit etwas anderen Stadiongrößen als im Hofmann Personal Stadion, dem Ertl Glas Stadion oder in der Sparkasse Horn Arena. Nicht mehr Ludwigstraße und Possenhofen, Hofburg und Schönbrunn.

Schicksalsjahre

Die Bilanz gegen die Europa-Fighter ist aus schwarz-grüner Sicht ganz schön durchwachsen. Fünf Spieler liefen gegen Wacker am Rasen auf, alle für Liefering, nur ein einziger musste eine Niederlage gegen die Innsbrucker einstecken. Und noch mehr. Upamecano sah in seinem einzigen Zweitliga-Spiel gegen die Tiroler Gelb-Rot, am Tivoli wurde ein 4:1-Heimsieg gefeiert. Nur ein einziger noch aktiver Ballesterer von der Sill war damals dabei, Alexander Joppich kann das Glücksgefühl des Sieges allerdings nicht abrufen, kickte er doch damals für den Limonadenfabrikanten. Sechs Jahre ist das nun her, es folgten noch ein paar Erfolge in Schwarz-Grün, seit mehr als drei Jahren ist man allerdings ohne vollen Erfolg gegen die Salzburger. Zwei Unentschieden, drei Niederlagen stehen am Papier, kein Wunder, dass die restlichen „Internationalen“ Jungbullen stets mit einem kleinen Erfolgserlebnis vom Platz gingen. Seiwald mit zwei Siegen und einem Remis (gegen FCW II) sowie einem Assist. Adamu mit den gleichen Ergebnissen, aber zusätzlich noch zwei Torerfolgen. Auch Sesko mit sieben Punkten aus drei Spielen sowie einem Tor, dem entscheidenden im letzten Aufeinandertreffen im März. Und Adyemi mit Sieg und Remis, aber gleich drei Toren gegen Innsbruck. Ergebnisse wie habsburgische Kriegserfolge.

Ein neues Glück?

Wenn es jetzt gegen Dorgeles und Simic, Owusu und Reischl geht, dann stehen vielleicht zukünftige Champions-League-Kicker am Feld. Aber so wie Franzl mit seiner Katharina Schratt (und so manchen weiteren Damen) ein neues Glück fand und die Romantik der Filme ad absurdum führte, kann auch Innsbruck gegen die spielstarken, wieselflinken, kontergefährlichen, robusten und doch in der Verteidigung manchmal unsicheren Kicker den Weg zurück zum Erfolg gegen Liefering finden. Schön wär’s, freuen tät’s uns auch.

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Stefan Weis Stefan Weis

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