b_350_1200_16777215_00_images_202122_Haxn_sta9.jpg...ridingdingdingdingding. Kindheitserinnerungen an unbeschwerte Tage zu Hause. Die beiden Schlagersänger Cindy & Bert – nicht zu verwechseln mit der Sesamstraße, in welcher Bert in Duett mit Ernie bildete – sangen sich schwingend und tänzelnd in die Herzen der Menschen. Ach, Sonntag, so schön. Ja, unbeschwerte Kindheitserinnerungen. Eine Zeit, als sonntags alle Geschäfte geschlossen hatten, die Firmen die Bänder ruhen ließen, der Schwerverkehr keine Straßen besetzte, die 40-Stunden-Woche nicht in Diskussion stand – und Fußball verdammt noch einmal am Samstag Nachmittag gespielt wurde. Was damals Alltag war, klingt mittlerweile wie der linksromantische Traum der Grazer Stadtkommunisten unter Elke Kahr, die sich am Sonntag wieder zur Wahl stellen. Aber bevor es für sie um Prozente und Sitze geht, sind die anderen Roten am Zug, die unter Gernot Plassnegger. Gut, für beide geht es gegen Schwarz. In der Politik gegen Schwarz-Blau, am Feld gegen Schwarz-Grün. Die Roten werden da wie dort überraschend stark sein.

 

...kommt die Erinnerung

Dabei sind die Athletiker gerade in einer Un-Phase gefangen. Ihr Kader, nominell recht stark, wurde nicht nur mit David Peham, dem zweiterfolgreichsten Torjäger der abgelaufenen Saison, und der wandelnden Offensivgefahr Mamadou Sangare aus der Liga, sondern auch mit Innenverteidiger Michael Huber (Hartberg), Mittelfeldspieler Markus Rusek (Klagenfurt) von mittlerweile höherklassigen Vereinen verstärkt. Das würde sich ja ganz gut anhören, gäbe es da nicht ein Lazarett, das Anfang der Woche mit Stammtorhüter Christoph Nicht, den zu Beginn der Saison in der Startelf stehenden Josef Weberbauer, Gerald Nutz und Philipp Seidl, und den seit Saisonbeginn ausgefallenen Dragan Smoljan, Filip Smoljan und Martin Harrer eine ganze Kleinfeld-Turnier-Mannschaft umfasste. Kein Wunder, dass sich diese Fluktuation auch in den Spielergebnissen wiederspiegelt. Ein holpriger Cup-Auftakt gegen die steirische Fußballmetropole St.Anna/Aigen, kein Sieg in den ersten drei Ligaspielen, dann teils Kanter-Erfolge gegen die Tabellennachzügler Juniors, Kapfenberg und Steyr. Und als man glaubte, man hätte den Weg zurück in die Spur gefunden, drei Niederlagen. Gegen Blau-Weiß Linz kann es auch als selbsternannte Spitzenmannschaft passieren, gegen Rapid Wien sollte es nicht vorkommen. Und gegen die Wattener im Cup zeigte man Moral, glich den frühen Zwei-Tore-Rückstand aus, um dann doch als Verlierer vom Platz zu gehen. Die Ergebnisse sind schlecht, die Leistung durchwachsen. Aber Graz zu unterschätzen wäre ein fataler Fehler. Denn trotz dieser überschaubar erfolgreichen Partien können die Steirer ein besseres Torverhältnis und drei mehr geschossene Liga-Tore vorweisen als Innsbruck, und wettbewerbsübergreifend durften schon 10 Rote über einen Treffer jubeln. In der Liga sind die 23jährigen Lukas Grabbichler mit vier und der Oberkärntner Marco Gantschnig mit drei Toren eine klare Gefahr und konnten die nominell erkorenen Torjäger Pehalm und Sangare derzeit klar überflügeln.

...und da sind die selben Lieder

Nicht unbedingt die selben Lieder, aber einen ähnlichen Dialekt wie im letzten Pflichtspiel werden die Grazer erleben, wenn sie am Sonntag ihren Gegner in Liebenau in Empfang nehmen. Mag die Uhrzeit auch noch so ungünstig sein, etwas sangeskräftiger, etwas lauter wird sich der Innsbrucker Auswärtsmob gebärden als jener des kleinen Bruders aus der nahegelegenen Marktgemeinde. Das 4:2 mag zwar auf den ersten Blick recht deutlich erscheinen, der Underdog hat den Bundesligisten aber ganz schön unter Druck gesetzt und den Kristallbuben das Glitzern abgewöhnt. Es spricht für die Steirer, dass sie den Rückstand aufgeholt haben, dass sie nach 26 Minuten und zwei Gegentoren nicht aufgesteckt haben. Es spricht für den Trainer, dass er während des Spieles reagierte und auf eine Vierer-Kette umstellte und die Wattener damit unter Druck setzen konnte. Es spricht für die Offensive, dass sie einem höherklassigen Verein Fehler aufzwang und auch mit spielerischem Können gegen ihn Chancen erarbeitete. Und es spricht für die Rotjacken, dass sie das vierte Tor erst in der 94. Minute im Konter erhielten und bis zum Schluss Druck aufbauten. Nichtsdestotrotz sind da die selben alten Lieder. Im vergangenen Jahr sind die Grazer bereits in Runde eins an Seekirchen gescheitert, im Jahr davor ebenfalls in Runde zwei gegen einen Tiroler Verein, gegen den FC Wacker Innsbruck. Seit 2008 wurde ein einziges Mal die zweite Runde überstanden, der Cup ist für den dreifachen Pokalsieger derzeit nicht das Gelbe vom Ei.

...als du mir das Glück gebracht

Wenn am Sonntag also nicht Nicht im Tor steht, sondern der 1,87m-große Jakob Meierhofer, dann blicken den Innsbrucker Stürmern die geballte Erfahrung von sieben Pflichtspielen in Cup und Pokal entgegen. In den letzten beiden davon setzte es Niederlagen und gleich sechs Gegentreffer. Kein gutes Omen für die Steirer, könnte man meinen, würden sich nicht fünf weitere Spiele mit drei Siegen und zwei Remis anschließen, in welchen Meierhofer nur dreimal hinter sich greifen musste. Aber vielleicht reicht das Glück nicht für beide Roten in Graz aus. Und die Kommis stehen in Umfragen auf dem zweiten Platz mit beinahe 20% der Stimmen. Da muss doch was für andere Farbkombinationen auch übrig bleiben...

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Stefan Weis Stefan Weis

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