b_350_1200_16777215_00_images_202122_Haxn_sta11.jpgRuhiges Meer war es keines, auf dem Wacker Innsbruck in letzter Zeit unterwegs war. Eher ein ungemütliches Schaukeln zwischen Wellenbergen und -tälern, mit Angriffen von allen Seiten. Fast von allen Seiten, die eigenen sind meist nicht ganz so in Schwung gekommen, eher im flachen Wasser versandet. Da musste sich etwas ändern. Und es hat sich das geändert, was im Fußball immer die erste Lösung ist – auf der Brücke steht nun ein neuer Trainer, Masaki Morass. Ob das allerdings schon ausreicht, das Ruder herumzureißen? Gegen die Jungspunde von Rapid Wien wird man es das erste Mal beobachten können.

Tora

Vier Siege in 10 Spielen, und diese gegen Kapfenberg, Steyr, Amstetten und Floridsdorf. Gegen direkte Konkurrenten wie Lustenau, GAK und Linz Niederlagen. Die Unruhe, die Unzufriedenheit ist verständlich. Denn nominell wäre der Kader ja eigentlich zu mehr verpflichtet. Zu mehr als dem siebten Tabellenrang, zu mehr als zwölf Punkten Rückstand auf den Tabellenführer. Man hat es schon zu oft gehört, Ronivaldo, Fridrikas, Aydin und viele andere, dazu ein Tiroler Mannschaftskorsett, in das sich diese einpassen könnten. In den zwei Ligaspielen gegen die Hütteldorfer Amateure hat es ja im letzten Jahr zumindest zu zwei Siegen gereicht, wenn auch nicht berauschenden. Einmal nach früher Zweitoreführung eine Rote kassiert, dann auch noch einen Elfmeter, das Spiel über die Zeit gezittert. Einmal mit Eigentor in Rückstand geraten, das Spiel gedreht und dann, wieder mit einem Mann weniger, über die Zeit gezittert. Irgendwas passt da nicht, irgendwie harmoniert es nicht. Und das nicht zum ersten Mal trotz Spitzenspielern, die zuvor noch unglaubliche Leistungen beim abgebenden Verein abrufen konnten, in Innsbruck aber an den Erwartungen verzweifeln. Die Schwarz-Grünen sind keine tora, keine Tiger, eher handzahme Kätzchen, die sich vor dem Futternapf manchmal wie eine Großkatze gebärden und doch nur ein niedliches Fauchen hören lassen. Der neue Dompteur hat viel Arbeit vor sich.

Totsugeki

Zwölf Tore, ein Plus von zwei, kann der selbsternannte Aufstiegskandidat bislang vorweisen. Der eine Wert ließe sie auf Rang 12 sinken, weniger aktiv waren nur mehr die Jungveilchen, Kapfenberg und Vorwärts. Der andere Wert würde auch noch einen Platz Verlust bedeuten. Um bei gleichbleibenden Angriffswerten mit der Spitze, mit Lustenau und Liefering gleichzuziehen, müsste Innsbruck noch bis März 2022 spielen, noch weitere 20 Spiele absolvieren. Der Frühling wäre eingekehrt, die Blümchen würden aus dem Boden kommen, die Schisaison wäre vorbei. Der einzige Trost: es wäre noch vor der Karwoche, vor Ostern. Was aber nicht daran liegt, dass Wacker effizient wäre, sondern dass Ostern heuer sehr spät fällt. Es hapert im totsugeki, im Angriff. Selbst die U20 von Rapid Wien, die mit 19,6 Jahren nach Liefering und den OÖ Juniors die drittjüngste Startelf aufbot, einen 16-jährigen ins Tor stellte, einen 17-jährigen in die Innenverteidigung und ins Mittelfeld, um doch gegen Horn einen Punkt zu erkämpfen – selbst diese Mannschaft hat in dieser Saison bereits ein Tor mehr erzielt als die Tiroler. Und hat nur ein Spiel weniger gewonnen, ein Spiel mehr verloren. Und den GAK geschlagen. Keine Partie, die so einfach werden wird, wie man es sich vor der Saison gewünscht hätte.

Kyojin

Dabei wäre Wacker so gerne ein kyojin, ein Riese. Und ist derzeit nicht mehr als ein schlafender Riese, ein tief und fest schlummernder. Morass hat die undankbare Aufgabe, ihm Leben einhauchen zu müssen, in nur sechs Spielen aus dem Tiefschlaf zu holen, fit zu machen und ihn vorzubereiten, um die Mannschaft doch noch zusammenzuhalten. Denn kommt der Riese nicht in Gang, wird er schrumpfen müssen, wird der Winter einer des Abschieds werden. Vielleicht schafft es ja wieder ein Japaner, einen schlafenden Riesen zu wecken, diesmal im positiven Sinn. Ganbatte, tu dein Bestes, viel Glück!

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Stefan Weis Stefan Weis

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