b_350_1200_16777215_00_images_202122_Haxn_sta14.jpgMan weiß es früh, schon aus den Märchen: Wölfe machen Probleme. Sie sind gefräßig, niederträchtig, hinterhältig. Schrecken nicht davor zurück, alte und wehrlose trickreich zu verschlingen, gefräßig und gierig. Problemwölfe halt, solche, die man zum Abschuss freigeben muss. Aber nicht jeder Problemwolf ist ein Problem für andere – manche sind es auch für sich selbst. Die Wölfe aus St. Pölten zählen etwa derzeit dazu...

 

Lahmes Rudel

Der Wolf reißt Schafe, keine Frage. Und jedes einzelne Schaf bedeutet einen finanziellen Verlust für den Bauern, jede Gefährdung einen Stress für die Tiere, aber auch für den Menschen. Im Schnitt kommen auf österreichischen Almen pro Jahr 3300 Schafe um. Ganz schön viel, nämlich rund 3% aller aufgetriebenen Wollknäule. Für nur 460 davon, also für 14%, ist der Wolf zuständig, alles andere erledigen Blitz, Kälte, Abstürze. Also mehr gefürchtet als Gefahr? Fast könnte man meinen, im Fußball ist es ähnlich. Da kommt der SKN St. Pölten auf Besuch, ein nominell gefährlicher Gegner mit einem Kader, der alle Stückl‘n spielt. Auf höchstem staatlichen Niveau kickten bereits 16 Blau-Gelbe, 91 Saisonen, 1508 Partien, 100.594 Spielminuten. Und 175 Tore. Das ist Erfahrung. Selbst auf internationaler europäischer Ebene können Alar, Ramsebner, Salamon und Co., gesamt sieben Spieler, 4125 Minuten und 9 Tore vorweisen – Innsbruck im Vergleich 202 Minuten und null Tore bei zwei Spielern. Selbst in der 2. Liga stehen bei 24 Spielern 96.615 Minuten und 110 Treffer zu Buche, man ist gerüstet für jede Situation. Doch was nützt all die Erfahrung, wenn diese nicht umgesetzt werden kann. Von den letzten 35 Spielen, die im Jahr 2021 in Bundesliga, Relegation und 2. Liga stattfanden, wurden 5 Spiele gewonnen, 8 endeten unentschieden. Und 22 gingen verloren. Selbstvertrauen holt man sich so nicht, und fürchten muss man sich wohl eher nicht vor ihnen, sondern mit ihnen.

Fremdes Rudel

Dabei sollte St. Pölten der Klub für alle Niederösterreicher werden. SK Niederösterreich, blau und gelb gewandet. Die Wölfe schaffen es aber kaum über die Stadt hinaus, und selbst in der (roten) Stadt wird dem (vermeintlich schwarzen) Club nur bedingt Liebe entgegengebracht, zu nahe liegen die Herzensvereine aus Wien, zu groß ist auch die Konkurrenz von alteingesessenen Vereinen mit bewegter Vergangenheit wie Admira oder Wiener Neustadt. Und dann noch die Kooperation mit dem VfL Wolfsburg, den Wölfen aus dem hohen Norden. Gesehen als finanzieller Rettungsanker, geeint durch Volkswagen als Sponsor, aber gefürchtet, weil die Niederösterreicher zum Ausbildungs- und Zulieferbetrieb für den Autokonzern werden könnten. Die Kooperation sagt zwar ganz klar: enge Abstimmung der Sportabteilungen hinsichtlich Förderung und Entwicklung ja, intensiver Austausch im sportlichen Bereich bei Trainingsplanung, aber auch Marketing und Vertrieb, aber SKN bleibt ein völlig eigenständiges Unternehmen, keine Vertreter des VfL werden in den Entscheidungsgremien des Vereines platziert. Dass jedoch der Austausch und die Abstimmung nicht von der Donau in den Norden, sondern umgekehrt geschehen wird, scheint klar. Dass dies auch personelle Auswirkungen haben wird, ist kaum zu verhindern. Der neue Sportchef Jan Schlaudraff, zuletzt bei Hannover 96 tätig und finanziell wohl weit außerhalb der sonstigen St. Pöltner Möglichkeiten, scheint wohl ein Hinweis darauf zu sein, dass die Abstimmung wohl nicht nur telefonisch erfolgen wird.

Unberechenbares Rudel

Die drei Kooperationsspieler Lino Kasten, Ulysses Llanez und Yun-sang Hong wurden ebenfalls fix in der Mannschaft verankert, 34 Ligaspiele nach 13 Runden zeigen, die drei müssen nicht nur Spielzeit erhalten, sondern sind auch Stütze der Mannschaft. Etwas Abwechslung gibt es aber dennoch, bereits 22 Spieler durften mindestens dreimal in Liga Zwa am Platz stehen. Und zuletzt schien es auch so, als hätte sich St. Pölten gefangen. Drei der letzten fünf Spiele wurden gewonnen, gegen Tabellenführer Lustenau ein Remis erkämpft, erst in der letzten Spielminute musste der Ausgleich hingenommen werden. 70% der Ligatore, 14 von 20, wurden in den vergangenen 5 Wochen erzielt. Die Wölfe mögen zwar nicht für alle verlorenen Schafe auf den grünen Almen und alle Niederlagen auf dem grünen Rasen verantwortlich sein – ganz ungefährlich sind sie aber doch nicht.

Bild von Vincent Boulanger auf Pixabay

Hinweis / Autor

Dieser Text stellt geistiges Eigentum des tivoli12 magazins dar und ist somit urheberrechtlich geschützt. Um den Text, oder Teile davon nutzen zu können, setzen Sie sich bitte mit dem tivoli12 magazin in Verbindung.

Stefan Weis Stefan Weis

Artikel bisher gesamt: 345