b_350_1200_16777215_00_images_202122_Haxn_sta15.jpgOb Ruderboot am Schwimmteich oder Hochseeschifffahrt, eine Regel ist unabdingbar: Der Kapitän geht als Letzter von Bord. Österreich wäre nicht Österreich, wenn dies nicht auch beinahe gesetzlich geregelt wäre. Das SeeSchFG (Bundesgesetz über die Seeschifffahrt) sagt in §20, Absatz 2: „Der Kapitän eines österreichischen Seeschiffes muss sich während der ganzen Dauer der Reise an Bord befinden.“ Aber da mag die Donau noch so schiffbar, der Achensee noch so groß und der Bodensee noch so grenzenlos sein – Österreich ist und bleibt ein Binnenland, maritime Traditionen gelten hier seit dem Verlust Triests nicht mehr. Und schon gar nicht im Fußball, egal, wie sehr einer Mannschaft das Wasser bis zum Halse steht. Als Erster geht der Kapitän.

 

Das Alp-Traumschiff

Die älpische Seefahrt hat ihre eigenen Gesetze. Und die lauten: Dein Schiff hat Probleme – wechsel nicht den Kurs, sondern den Kapitän! Wer die 2. Liga vor einem Jahr auf die Männer am Steuerrad überprüfte, wird heute nur noch den Lafnitzer Philipp Semlic und den FAKler Harald Suchard wiederfinden. Der Floridsdorfer Mitja Mörec darf als einziger aus dem restlichen Feld auf mehr als ein halbes Jahr Praxis bei seinem Verein zurückschauen, alle anderen haben die 150 Tage noch nicht voll, einige gar noch kein Spiel gecoacht. Ein Feld von 16 Teams kann bereits vor Abschluss der Hinrunde auf sechs Trainerwechsel zurückschauen, mit 62,5% haben weniger Mannschaften noch den Trainer vom ersten Ligaspiel als Österreicher einen vollen Impfschutz vor Covid (65,5%). Diese Zahlen werden nur mehr von der Prozentzahl der Österreicher übertroffen, die am stillen Örtchen das Klopapier lieber falten (67%) als zerknüllen oder um die Hand zu wickeln (je 7%). Trägt zwar jetzt nicht zum besseren Verständnis des Fußballspiels bei, aber ist immerhin ein Fun-Fact, den man sich an der Kombüse des Stadions erzählen kann, während man wartet, dass das nächste Bierfass aus der Brauerei angekarrt wird, um doch auch in Halbzeit zwei etwas zu trinken zu bekommen. Wobei ein steifer Grog derzeit doch die empfohlenere Variante wäre. Zurück zum Spiel: Andreas Milot (Vorwärts Steyr) verlor nach 9 Monaten und 25 Tagen seine Aufgabe, Daniel Bierofka (Wacker Innsbruck) durfte nach 14 Monaten sein Patent abgeben, Gernot Plassnegger (Grazer AK, 19 Monate) hängte seine Mütze ebenso an den Nagel wie Stefan Hirczy (Juniors OÖ, 4 Monate). Und in dieser Woche traf es auch noch Abdulah Ibrakovic (Kapfenberg, 15 Monate) – und Eric Orie vom kommenden Gegner FC Dornbirn (4 Monate).

Mast- und Schotbruch

In Dornbirn läuft derzeit nicht viel zusammen. Der gerade erst vor Saisonbeginn präsentierte Orie kann exakt 0,57 Punkte pro Spiel vorweisen, mit nur 2 Siegen bei 10 Niederlagen, 35 erhaltenen Gegentoren und Heimklatschen wie dem 0:6 gegen Amstetten schaut es für die Rothosen nicht gut aus. Der letzte Tabellenrang ist mittlerweile redlich verdient, sogar die Vorwärts musste man nach einer Niederlage im direkten Duell in der vergangenen Runde passieren lassen. Zumindest konnte ein völliger Abgang der Führung, der Anfang der Woche in den Medien noch kolportiert wurde, verhindert werden, das restliche Trainerteam bleibt weiter an Bord. Der Langjährige Co-Trainer Klaus Stocker übernimmt bis zur Winterpause gemeinsam mit den Torwarttrainern Erwin Wawra und Andreas Morscher sowie Athletiktrainer Julian Kleinheinz die Trainingsleitung. Basisdemokratie an der Seitenlinie – ein spannendes Experiment. Oder, wie Seneca, der Freund aller Gymnasiasten mit Latinum, an Lucilius schrieb: „Wenn man nicht weiß, welchen Hafen man ansteuert, ist kein Wind günstig.“ Und bei Richtungsentscheidungen sind viele Kapitäne wohl auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Gut, soll Innsbruck nichts Schlimmeres passieren, denn gerade vom Wind begünstigt ist auch die Truppe der schwarzgrünen Landmatrosen nicht gerade.

Eine Handbreit Wasser unterm Kiel

Eine Statistik spricht aber für sie: gegen die Dornbirner wurde in den letzten 40 Jahren kein Ligaspiel verloren. Mehr noch: kein Gegentreffer eingefangen. 19:0 sagt die Summierung der letzten sieben Aufeinandertreffen aus, dreimal wurde es zuletzt aber recht knapp, im vergangenen Jahr gab es gar nur zweimal ein mageres 1:0 gegen die Vorarlberger. Okan Aydin und Atsushi Zaizen trugen sich dabei als Torschützen ein, Assistgeber war jeweils Florian Jamnig. Alle drei Spieler stehen auch in der kommenden Partie zur Verfügung, nur die rotgesperrten Rami Tekir und Ronivaldo sowie der Lanzeitverletzte Fabio Vitteritti müssen von der Hafenkante aus dem Treiben auf hoher See zusehen. Eine Handbreit Wasser unterm Kiel des manchmal etwas Schlagseite verspürenden Wacker-Schiffs müsste sich also ausgehen...

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Stefan Weis Stefan Weis

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