b_350_1200_16777215_00_images_202122_Haxn_ferengi.jpgMan muss nicht immer einer Meinung sein. Man sollte Meinungsverschiedenheiten aber ausdiskutieren. Höflich und anständig wäre es, solche Gespräche unter Freunden nicht in der Öffentlichkeit zu führen, sondern in vertraulichem Rahmen. Aber „alles ist verkäuflich, auch Freundschaft“. Erwerbsregel 121 der Ferengi. Drum reden wir jetzt hier. Und sind auch schon beim Punkt. Während der FC Wacker Innsbruck einmal mehr sein allerletztes Spiel macht (gut, diesmal stimmt‘s zumindest in einer Hinsicht), während man – warten Sie, ich muss nachschauen – Dornbirn am Tivoli begrüßt, geht es schon lange nicht mehr um die sportlichen Erfolge des Vereins. Ein Ferengi würde sagen, ging es nie, denn „nichts ist wichtig als deine Gesundheit – außer dein Vermögen“ (Erwerbsregel 23).

 

Da hat doch glatt jemand in der vergangenen Woche behauptet, K’R wäre ein Ferengi. Der große Nagus würde seinen Zorn ausschütten über diesen schamlosen Vergleich, der nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte. „Ein Ferengi ohne Profit ist kein Ferengi“ (Erwerbsregel 18). Schon alleine daran sieht man, dass hier einfach etwas nicht stimmen kann. Der Verein hat viel, aber sicherlich kein goldgepresstes Latinum.

Die Erwerbsregeln der Ferengi sind ein Leitfaden, der seit 10.000 Jahren die Kultur auf ihrem Heimatplaneten Ferenginar regelt und die Grundlage einer jeden gesunden Gesellschaft, nämlich das Streben nach Profit. Sie sind allgemeingültig, kaum widerlegbar. Sie hätten den FC Wacker vor viel Unheil bewahren können.

Denken Sie mal an Uli Hoeneß. An Reiner Clamund. An Florentino Perez. Denken Sie an deren Anzug und Auftreten. Und jetzt denken Sie an Innsbruck. „Vertraue keinem, der einen besseren Anzug trägt als Du. Entweder hat er dann kein Geld, oder man hat es mit einem Hochstapler zu tun“ (Erwerbsregel 47).

Ja, werden Sie sagen, aber was ist mit Regel 95?! Die hat man doch eingehalten, sie war der Leitfaden. Ja, der Nagus sagt „expandiere oder verrecke“. Aber wenn eine Regel 95 existiert, dann gibt es auch 94 davor, die man zuerst erlernt haben sollte. Etwa 59: „Frage immer erst nach dem Kostenpunkt.“ Wenn man sich das Vorgehen im Winter anschaut, das blinde Vertrauen in Versprechungen, die ungedeckten Anstellungen und Fixausgaben, dann weiß man, dass hier keine Ferengis am Werk waren. „Gib niemals mehr für einen Erwerb aus, als unbedingt sein muss“ (Erwerbsregel 3). Für Platz neun in der zweithöchsten österreichischen Herren-Liga, einen Abstiegskampf in der Regionalliga Tirol, für ein engagiertes Damenteam zwischen Liga 1 und 2, da hätte man wohl auch weniger ausgeben können. Aber man glaubte, der Tradition verpflichtet zu sein, man war stolzer Träger einen goldenen Sterns, man lebte von, man lebte in der Vergangenheit. Nur, „Stolz und Armut ist Armut“ (Erwerbsregel 109).

Vor allem missachtete man an der Sill zwei Leitsätze. Erwerbsregel 57 sagt: „Gute Konsumenten sind fast so rar wie Latinum. Ehre sie.“ Man ehrte sie nicht, nicht die Konsumenten, nicht die Partner, die einen am Leben erhielten. Man stürzte sich Hals über Kopf in neue Abenteuer, schon vor dem Nicht-Ferengi im schönen Anzug. Dabei sagt Regel 194 eines voraus: „Gute Geschäfte macht man nur, wenn man über seine Kundschaft vorher Bescheid weiß.“ Schade, dass man die Investoren nicht wirklich gut auskundschaftete. Dabei ist „Wissen gleich Profit“ (Erwerbsregel 74).

In Innsbruck saßen keine Ferengis, den Innsbruckern gegenüber aber schon. Die wussten, dass „eine gute Lüge leichter zu glauben ist als die Wahrheit“ (Erwerbsregel 212). Aber vor allem wussten die Partner, dass es nur um den Profit geht, nicht um das Einhalten von Verträgen, denn „ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag ... aber nur zwischen Ferengis“ (Erwerbsregel 17) und „ein Geschäft ist ein Geschäft ... bis ein besseres daherkommt“ (Erwerbsregel 16).

Jetzt mag man sauer sein auf die Geschäftsführer, mag sauer sein auf Anzugsträger. Aber man kann auch sauer sein auf sich. Ohne das Placet der Vereinsmitglieder wäre es nicht so weit gekommen: „Höre alles, glaube nichts.“ (Erwerbsregel 190). Es wurden keine Fragen gestellt. Vielleicht, weil man die Antwort fürchtete, „Manchmal ist das einzige, was gefährlicher als eine Frage ist, eine Antwort“ (Erwerbsregel 208). Vielleicht ist die Antwort, dass wackerer Profifußball kein gefragtes Produkt ist. Aber vielleicht ist das auch nur temporär.

Es gibt wenige Dinge, die bleiben. „Die Natur ist vergänglich, aber Latinum wird immer bestehen.“ (Erwerbsregel 102), wusste der große Nagus. Und dann gibt es noch die eine Regel, die nicht von Ferenginar stammt, sondern aus dem Mund von Willy Linser: „Der Wacker geht nicht unter, es scheint nur so.“ Hoffen wir, dass er sich nicht getäuscht hat, und „halten wir die Ohren offen“ (Erwerbsregel 7). Denn nur mit offenen Ohren kann man falschen Propheten rechtzeitig entgegentreten und ein gutes Geschäft schon im leisen Wind hören...

 

Bild:Marcin Wichary from San Francisco, Calif., CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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Stefan Weis Stefan Weis

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