b_350_1200_16777215_00_images_202223_Haxn_sta_cup1.jpgEs ist nicht leicht, wenn man den Weg nach unten angehen muss, wenn man meilenweit unter der Liga spielt, in der man gewohnt war, das Publikum zu verwöhnen. Es ist nicht leicht, sich mit den neuen Umständen anzufreunden, sich auf neuen Ebenen zurechtzufinden. Aber zwei Dinge machen es einfacher: bedingungslose Liebe von Freunden und bedingungslose Treue von freiwilligen Mitarbeitern. Weiß zumindest Axams, der nächste Gegner des FC Wacker Innsbruck.

 

Dei hohe Zeit is lång vorüba

SPG Axams/Grinzens, um genau zu sein. Und nein, es ist bei weitem kein ausschließliches Innsbrucker Phänomen, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten und kleinere Brötchen backen zu müssen. Im westlichen Mittelgebirge kennt man sich damit auch aus. Die Axamer Entwicklung im Fußball geht zunächst fast Hand in Hand mit der Bevölkerungsexplosion. Als 1951 der Sportverein gegründet wird, zählt das Dorf noch lange nicht 2000 Einwohner. Aber der Tourismus beginnt zu boomen, mit den olympischen Spielen der 60er erfolgt die Straßenverbindung mit der Lizum. 1971 gelingt den Ballesterern erstmals der Aufstieg in die Tiroler Landesliga, da nennen schon fast 3000 Menschen den Ort ihre Heimat. Die 80er werden zur ersten dominanten Zeit, die Tiroler Landesliga wird 1986 und 1988 gewonnen, das erste Mal Regionalliga-Luft geschnuppert – die Gemeinde zählte fast schon 5000 Einwohner.
Die neuen Höhen (Tiroler Cupsieger, Tiroler Meister in der Halle und am Feld) bedurften aber auch einer neuen Heimat. Nicht zuletzt durch Sperrdrohungen seitens des Fußballverbandes auf Grund vernachlässigter Infrastruktur und nicht mehr einzuhaltender Hygienevorschriften wurde eine neue Anlage errichtet und 2002 eingeweiht. Während unten im Tal im neu gebauten Tivoli die Lichter ausgingen, fingen sie in Axams erst richtig leuchten an. Erneut der Meistertitel, eine Spielgemeinschaft mit den Nachbarn aus Götzens – die Regionalliga konnte kommen!

Von Ruhm und Glånz is wenig üba

Uksisama – hoch oben, das ist nicht nur der keltische Ursprung des Namens. Hoch oben war man auch. Und fand plötzlich im Mittelgebirge Namen, die einem von anderswo noch bekannt vorkamen. Am Trainerstuhl nahmen interimistisch oder dauerhaft Wolfgang Schwarz, Jacare, Werner Löberbauer, Heimo Pfeiffenberger und sogar Leo Tschenett, der legendäre Tormann des ersten wackeren Meistertitels, Platz. Am Feld wuselten in Gelb und Blau statt Schwarz und Grün Herbert Ramsbacher, Christian Seewald und Oliver Prudlo.
Nicht vergessen darf man bei Axams aber auch auf Walter DeVora, eine wackere Legende. Schülerligameister mir Völs, LAZ-Meister, U21-Meister Österreichs, dann für den FC Wacker Innsbruck in der Tiroler Liga am Weg, bevor ihn die Lizenzschacherei in die Bundesliga zurückbrachte. Pokalsieger, wichtiger Backup, und 2001/02 bei Axams am Werk. 2002, bei Neugründung des FC Wacker, stand er wieder bereit. Mehr noch, er war nicht nur Tormanntrainer, sondern musste selbst noch die Handschuhe überstülpen und in der Bundesliga aktiv werden.
Viel Namedropping also im Ruifach-Stadion. Aber sonst? Nicht so viel wie erwartet. Mittelfeld im Mittelgebirge, 2010 folgte der Abstieg, 2011 die Auflösung der Spielgemeinschaft – und der Konkurs. Die Einnahmen konnten mit den Ausgaben nicht mehr mithalten. Regnete es 2006 mit Sponsoren und Euphorie im Publikum noch € 228.000,- in die Vereinskassen, waren 2010/11 nur noch € 128.000,- übriggeblieben. € 91.000,- an Schulden waren plötzlich vorhanden, davon € 24.000,- bei der Bank, fast das doppelte aber an Privatdarlehen. Neuer Vorstand, neue Verhandlungen, alte Liebe und treue Freunde machten es möglich, dass der Verein mit 2012 wieder schuldenfrei war. Nach einem Jahr Pause kehrte man im Herbst 2012 auch wieder in den Spielbetrieb zurück – die neue Heimat hieß Gebietsliga.

Såg ma, wer ziag no den Huat voa dia?

Dort kickt man auch heute noch. Und immer wieder findet man schwarz-grünes Blut in Axams – ein kleines Bisschen zumindest. Waren es in den vergangenen Jahren etwa Martin Dollinger oder Markus Egger, ist es aktuell Lukas Schweighöfer, der nach drei Jahren in Schwarz-Grün ab heuer für die neue SPG mit Grinzens die Schuhe schnüren wird. Von den 15 Spielern der Auftakt-Niederlage gegen Paznaun haben drei Spieler eine schwarz-grüne Vergangenheit: schon vor drei Jahren wechselte der jetzt 16jährige Kilian Kollmannsberger nach Grinzens, schon als Siebenjähriger übersiedelte Matthias Pischedell, mit fünfzehn Jahren Fabian Mösel. Nicht viel, aber immerhin. Um im Tiroler Cup vor Respekt zu erstarren, wird es aber nicht ausreichen, da müssen die aktuellen Jungs des FC Wacker Innsbruck dem Namen erst wieder Leben einhauchen...

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Stefan Weis Stefan Weis

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