b_350_1200_16777215_00_images_202223_Haxn_sta2.jpgEine Geschichte zu erzählen, das ist oft nicht so einfach. Denn es gibt ja so viel, was wichtig ist, was davor liegt, was aber später Bedeutung haben wird. Fragen Sie Penny und Luke, die Kinder von Theodore Evelyn „Ted“ Mosby, die quälende 9 Staffeln und 208 Folgen sich anhören müssen, wie denn ihr Vater ihre Mutter kennengelernt hat. Manch böse Zunge behauptet, selbst auf tivoli12 würde man sich da manchmal schwer tun und bis zum letzten Absatz nicht erfahren, wer der kommende Gegner sein wird. Mils, nur damit das mal klargestellt ist. So, jetzt setzen Sie sich mal nieder und lassen sich erzählen. Es war nämlich so...

 

Davor

Also, wie gesagt, manchmal braucht es ein Ereignis, an das man sich klammern kann, das eine Geschichte erst verständlich macht. Oder die Geschichte an sich. Für die Griechen waren es die Olympischen Spiele, für die Römer die Gründung der Stadt, für die Christen die Geburt eines galiläischen Zimmermannssohns, für die Franzosen die Revolution, für die US-Amerikaner der Fall der Zwillingstürme. Für das fußballerische Mils war es ein Tag im Jahr 1979, als am Sportplatz Mils der Hartplatz eingeweiht wurde. Es war nur die erste Baustufe, fünf Jahre später sollte auch der Rasenplatz, Grundlage eines jeden Fußballvereins, folgen. Es war auch nicht das Datum der Vereinsgründung, der Sportclub an sich war schon 1971 tätig (ja gut, ein Tiroler Sportclub, also die Sektion Ski). Es war auch nicht die Verselbständigung der Ballesterer als eigener Verein, die sollte erst 2005 folgen. Was war also das Besondere am Jahr 1979?
Dazu muss man zunächst zurückschauen. Innsbruck boomte, der Zentralraum wurde industrialisiert und touristisch belebt, und mit ihm der Speckgürtel, die nahegelegenen Gemeinden. Hatte sich in den ersten 60 Jahren des 20. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl von Mils von rund 600 auf knapp 1000 erhöht, brachten die 20 Jahre bis 1979 einen Anstieg auf das Dreifache, auf über 3000 Bewohner. Und diese wollten unterhalten werden, wollten sich bewegen, wollten das Spiel der Spiele auch in ihrer Heimatgemeinde spielen. Bis 1979 war das nicht möglich gewesen, die Milser Jungs kickten in Absam und Fritzens, Achenkirch und Hall, Innsbruck und Telfs, Thaur und Wattens. Das war davor.

Danach

Dann kam 1979, da kam die Entscheidung, einen eigenen Sportplatz zu errichten, dem Sportclub eine Fußballsektion zu geben. Eine Kampfmannschaft und drei Nachwuchsmannschaften wurden dem Tiroler Fußballverband gemeldet, die Kampfmannschaft in den Folgejahren zu vier Fünfteln mit Eigenbauspielern besetzt. Die intensive Arbeit zeigte Erfolg. 1981 durfte man den Jugend-Meistertitel feiern, 1986 mit der U23 die Meisterschaft bejubeln, die Kampfmannschaft stieg 84 in die 1. Klasse, 86 in die Gebietsliga, 87 in die Landesliga auf. Während man 1992 bis in die Tiroler Liga vorstieß, feierte der Nachwuchs aus Mils weiter Erfolge. Die Übertragung in die Kampfmannschaft wollte aber nicht mehr so recht gelingen, es begann ein langsamer Abstieg, der 2001 in der 1. Klasse endete. Dort, wo man 22 Jahre zuvor begonnen hatte. Mils musste sich sammeln, gründete sich neu und erreichte 2019 erneut die derzeit höchste Landes-Spielklasse (wenn man das seltsame Konstrukt Regionalliga Tirol als semi-überregional betrachten will). Mehr noch, Mils hat sich dort konsolidiert. In der ersten Covid-Saison zur Halbzeit auf Rang 11, belegte man in Jahr zwei den abgesicherten achten Rang, um in der abgelaufenen Spielzeit sogar bis auf Rang drei vorzustoßen. Nur sechs Punkte fehlten auf die Tabellenspitze, das positive Torverhältnis von +41 hätte leicht ausgereicht, um Meister Kundl zu überflügeln.

Ganz davor

Entscheidenden Anteil daran trugen Martin und Mario Angerer, zwei Eigenbauspieler, die zusammen für 27 Tore verantwortlich zeichen. Und natürlich Valentin Spörk, mit 23 Jahren doch schon ein Routinier, der seine Ausbildung unter anderem bei Sturm Graz erfahren hat und auch für Voitsberg und Köflach die Schuhe schürte. Aber ohne sicheren Rückhalt geht nichts, und der hat bei Mils zarte schwarz-grüne Wurzeln. Daniel und Lukas Zauner, insgesamt 53 Spiele der vergangenen Saison am Feld, kickten in ihrer Kindheit für die Innsbrucker, und Fabian Schumacher hält immer wieder einmal den Milser Kasten sauber. Wenn man weiß, wie gut er das kann, dann muss man sich schon fast verzweifelt an den Statistiken festhalten. Die stellen dem FC Wacker ein gutes Zeugnis aus. 1988 wurde der Landesligist vom Gebietsligisten Innsbruck in der ersten Runde des Tiroler Fußballpokals mit 4:0 abgefertigt, im kommenden Spieljahr, nunmehr auf Augenhöhe, mit 7:0 und 2:1 geschlagen, um ein Jahr später mit 5:1 und 6:1 besiegt zu werden. Von solchen Ergebnissen zu träumen, wäre nicht nur vermessen, sondern fahrlässig. Davon kann der SVI ein Lied singen, in Runde 1 musste man sich in Mils mit 0:3 geschlagen geben. Einer der Torschützen: der ehemalige Schwarz-Grüne Daniel Zauner...

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Stefan Weis Stefan Weis

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