b_350_1200_16777215_00_images_202223_Haxn_sta7.jpgPrutz/Serfaus, das ist Tirol. Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft. Und das in so vielen verschiedenen Bereichen. Immer wieder wurden Linien gezogen und Linien überschritten. Etwa, wenn man als erste Tiroler Region mit einer selbstfahrenden U-Bahn aufwarten kann. Oder auch im schönsten Sport der Welt. Denn gerade dort ist man ein Beispiel, wie der Fußball abseits von finanzstarken Mäzenen aussehen wird.

 

Gestern, heute, morgen

Zunächst einmal sind „bruttes“ und „sarvus“ Tirol, wie es entstand. Rätoromanisch geprägt, ist das eine nicht „brutto“, also hässlich, und das andere ein „servus“, also ein Diener. Sie sind der Ursprung der Tiroler Besiedelung, Tal und Berg, Schwemmkegel und Sonnenterrasse. Oder in der Übersetzung „Talebene“ und „voller Wald“. Damals günstig, heute Grundlage für Wirtschaft und Infrastruktur, aber eben auch Problem. Wo es landschaftlich von Vorteil ist, um Berghänge zur Gästegewinnung mit Skiliften zu durchpflügen und Täler mit Pumpspeicherkraftwerken zur Energiegewinnung zu verbauen, ist es weniger günstig, um größere, zusammenhängende Siedlungsräume zu schaffen. Für den Tourismus kein gröberes Problem, Bettenburgen lassen sich überall errichten. Das kleine Dorf Serfaus mit seinen unzähligen Weilern und Rotten bietet 7.500 Gästen zeitgleich Platz. Das sind 6.346 mehr, als die Gemeinde selbst Einwohner zählt. Kein größerer Siedlungsraum ist aber ein Problem, wenn es um die Infrastruktur für die verbliebenen Einheimischen geht, auch um die Freizeitgestaltung. Der Fußball, der in den Landgemeinden Tirols in den 50ern, 60ern und 70ern einen enormen Aufschwung erlebte und zu unzähligen Vereinsgründungen führte, hat sich von innen und von außen verändert. Von außen musste er sich mit immer mehr Freizeitangeboten in Konkurrenz stellen, von innen waren der Spaß am Spiel nicht mehr genug, um noch Spieler an den Heimatklub binden zu können. Die Alternative war, entweder Geld in die Hand zu nehmen – oder das Einzugsgebiet zu vergrößern. Mit Spielgemeinschaften etwa, Gegenwart und Zukunft des Tiroler Fußballs in den Gemeinden.

Dorf, Talschaft, Region

Auch hier ist Prutz/Serfaus beispielgebend. Um Fußball vom Nachwuchs bis zur Kampfmannschaft anbieten zu können, wurden Zusammenarbeiten beschlossen. Da gibt es den SV Prutz und den SC Serfaus, zwei klassische Sportvereine, die neben Fußball etwa auch Tennis, Rodeln, Kinderturnen oder Skifahren in ihrem Portfolio haben. Der Verein vor Ort, der aber auch als Trägerverein für einen Zusammenschluss agiert, nämlich für die SPG Prutz/Serfaus. Die Spielgemeinschaft trifft sich im Fußball, und das seit 2003, um in allen Jahrgängen eine Mannschaft für den Meisterschaftsbetrieb anmelden zu können. Vor allem in der Kampfmannschaft kommt diese Kooperation zu tragen, denn im Nachwuchsbereich muss noch weiter gegriffen werden. Die SPG Oberland West wurde 2012 aus der Not geboren, die Nachwuchsmannschaften entsprechend besetzen zu können. Prutz, Serfaus, Ried und Fliess spielen seither unter gemeinsamer Farbe und für eine gemeinsame Zukunft des Fußballs am jungen Inn. Und das mit einem eigenen Fußball-Nachwuchs-Zentrum, dem FNZ Oberland West. Am Sportplatz Prutz und in der Mittelschule Prutz-Ried in Ried wird Kindern die Freude am runden Leder geboten, aber auch Talente gefördert und das Sprungbrett zu mehr geboten. Im Oberland wurden die Probleme gemeinsam angegangen, jetzt darf auch gemeinsam gefeiert werden.

Rauf, rauf, rauf?

Denn unter Trainer Alexander Kregar konnte am 31. Oktober 2020 ein Erfolg gefeiert werden, der die lästige Pandemiezeit erhellte. In der letzten Runde der verkürzten Meisterschaft, in der 67. Spielminute, erzielte Robin Riedl aus einem Strafstoß das 2:1 gegen Absam. Und weil der direkte Konkurrent IAC wenige Stunden zuvor nur Remisierte, übernahmt die SPG Prutz/Serfaus punktegleich die Tabellenführung, wurde Meister der Landesliga West und stieg in die Tiroler Liga auf. Dort wurde man im ersten Jahr ausgeglichener Achter und will nun, mit dem neuen Trainer Joe Deutschmann und seinem Trainerteam Emrah Can, Nuri Cakir und Dominik Sandbichler noch mehr. Zwar musste man überraschend gegen Aufsteiger Oberperfuss gleich alle drei Punkte liegen lassen und hatte sich auch eine Runde später gegen Volders noch nicht erholt, aber vier Siege aus sechs Spielen bedeuten derzeit Rang drei in der Liga, einen Platz vor dem FC Wacker Innsbruck. Und der steht als nächster auf der Abschussliste, wurden doch in den letzten beiden Partien schon die Landeshauptstädter des SVI und der Union jeweils zu-Null mit 4:0 und 3:0 abgefertigt. 16 Tore in sechs Spielen, die Offensivkraft des Oberlandes will auch am Tivoli für klare Verhältnisse sorgen und den Weg nach oben fortsetzen.

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Stefan Weis Stefan Weis

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