tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 18. Dezember 2018

Alex Gruber

"Von innen heraus stark werden"

Nach dem Herbstdurchgang in der Fußball-Bundesliga bewegt sich Alfred Hörtnagl zwischen nüchternem Ist-Zustand und großen Visionen. Die TT hakte beim General Manager des FC Wacker Innsbruck nach.

Wie fällt Ihre Bestandsaufnahme nach diesem Kalenderjahr aus?

Alfred Hörtnagl: Nach vierjähriger Zweitklassigkeit war der Aufstieg sehr wichtig. Vor allem in der Art und Weise, wie wir das Team verjüngt und umgebaut haben. Nach dem Konkurs 2002, vielen Führungswechseln, eben vier Jahren in Liga zwei und einem negativen Bild in der Öffentlichkeit sind wir enorm unter Druck gestanden und haben uns wirtschaftlich auf der Rasierklinge bewegt. Aber es ist uns trotz bescheidener Mittel gelungen, uns aus dieser Situation zu befreien.

Wie beurteilen Sie die Rückkehr in die Bundesliga?

Hörtnagl: Der Start war holprig, da haben wir Lehrgeld gezahlt und waren nicht klar genug in unserem Auftreten. Dann haben wir uns zusammengesetzt, analysiert und neu aufgestellt. In der zweiten Hälfte haben wir, auch teils mit Fünferkette, wieder Stabilität hineingebracht. Am Ende haben wir die Energie nicht mehr ganz halten können.

Die defensive Stabilität ging zu Lasten der Vorwärtsbewegung. Daran haperte es wohl am meisten...

Hörtnagl: Wir hatten in jedem Spiel unsere Chancen. Oft kam der letzte Pass nicht an, fehlte die Effizienz. Da gibt es Luft nach oben.

Braucht es nur noch Präzision im letzten Drittel oder einen neuen Spieler, sofern eine Neuerwerbung überhaupt erschwinglich ist?

Hörtnagl: Wir wollen im Offensivzentrum Gabriele, Rieder und Harrer, der in Liga zwei aufgrund von Verletzungen gar nicht so am Radar war, die Chance geben. Mit Systemumstellungen gab es Änderungen, aus dem Zentrum waren wir nicht so stark wie in Liga zwei. Aber einige haben im Finish wieder aufgezeigt.

In den letzten Wochen war öfters die Rede davon, dass der FC Wacker Innsbruck Potenzial-Spieler (Vallci, Baumgartner...) aus finanziellen Gründen in der Winterpause verkaufen muss.

Hörtnagl: Es ist kein Geheimnis, wie unsere wirtschaftlichen Voraussetzungen sind. Wir haben in den letzten zwei Jahren aber ein Plus geschrieben und das bleibt weiter unser Ziel. Es gibt kein "Muss" und wir lassen uns am Transfermarkt sicher nicht vom Preis runterdrücken. Wenn jetzt nichts ist, dann machen wir es eben im Sommer. Auf Sicht wollen wir wieder Transfererlöse erzielen, die sich in den letzten zwei Jahren (Eler, Jamnig, Tekir...) im siebenstelligen Bereich bewegt haben.

Das Tabellenende ist nach der kommenden Punkteteilung nicht fern. Und bei Abgängen schwingt ja auch eine etwaige Schwächung des Teams mit. Geistert das Abstiegsgespenst durch Ihren Kopf?

Hörtnagl: Nein und auch die Spieler sind total überzeugt von dem, was wir machen. Wir haben einen positiven Focus und müssen defensiv so stabil bleiben und offensiv effizienter werden.

Die Ligareform hat voll eingeschlagen. Rapid wird wohl in der zweiten Tabellenhälfte als prominentester Gast hängenbleiben...

Hörtnagl: Für alle, die in der unteren Hälfte bleiben, ist Platz sieben (Europacup-Ticket) ein Anreiz. Und die Teilung der Liga sorgt dafür, dass schon zum Frühjahrsstart ein Finale (Rapid-Salzburg) steigt. Bei Rapid gibt es stimmungstechnisch nur Wolke sieben oder den Boden der Realität: Das Europa-League-Sechzehntelfinale gegen Inter ist ein Ausrufezeichen, die nationale Meisterschaft das Gegenstück. Aber auf Dauer ist Rapid nicht aufzuhalten.

Ein Blick zur zweiten Wacker-Mannschaft. Deren von vielen kritisch beäugte Istallation in Liga zwei, war letztlich goldrichtig...

Hörtnagl: Wir haben eine Entscheidung getroffen, mit den besten Jungen in Liga zwei zu gehen. Natürlich war ein gewisses Risiko dabei, aber ich bin überzeugt, dass das schon am Ende dieser Saison stark zurückgezahlt wird. Das haben zwei bis drei (Hupfauf, Maranda, Satin) schon bewiesen. Das ist der Weg. So sparen wir uns oben 3-4 Kaderspieler, die wir aus der zweiten Mannschaft rekrutieren können. Und so stabil wie diese junge Mannschaft im Herbst agiert hat, mache ich mir fürs Frühjahr keine Sorgen.

Ohne große Geldgeber muss der FC Wacker auf den Nachwuchs bauen und perspektivisch denken. Wie sieht es aktuell mit dem "FCW Trainingszentrum" aus?

Hörtnagl: Wenn du in Österreich die ersten 15 Fußballvereine hernimmst, liegen wir von den Rahmenbedingungen an 15. Stelle. Wir haben in Mieming (Gemeinderatsabstimmung 15:0; Anm.) einen Standort gefunden und gehen das jetzt ganz gezielt an. Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen in der Geschichte von Wacker Innsbruck - nämlich eine eigene Ausbildungsstätte hinzubekommen. Da beginnt der Fußball und ein Stück weit Selbstbestimmtheit, dass der Verein von innen heraus wieder stark werden kann.

Wie sehen die schwierige Fianzierung und der zeitlich Rahmen aus?

Hörtnagl: Wir sind dabei, verschieden Finanzierungsmodelle zu erstellen. Es gibt positive Signale. Von der Planung (Kontakte zu Schulen in Telfs, Heim mit 50-60 Schlafplätzen; Anm.) sind wir schon sehr weit. Es können alle sagen, was sie wollen. Wenn das Thema gelingt, hat Wacker wieder eine faire Chance, in Österreich richtig mitzumischen. Das ist im Verein eine große Motivation für uns alle.

Bei ihrem Amtsantritt sprachen Sie in der "Vision 2020" auch die Rückkehr ins internationale Geschäft an.

Hörtnagl: Wenn man neu beginnt, muss man das mit totaler Überzeugung machen. Wir sind in der Bundesliga wieder dabei und wollen uns auf Sicht nach oben arbeiten. In der ersten Saison heißt es "gekommen, um zu bleiben".