tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 20. Dezember 2018

Susann Frank

"Von Zadrazil kann sich jede etwas abschauen“


22 Jahre nach Deutschland hat Österreich auch eine Fußballerin des Jahres: Sarah Zadrazil. Für die Tirolerin Jasmin Pal ist die ÖFB-Teamkollegin ein großes Vorbild.

Die Aussage von Jasmin Pal zeigt, dass der heimische Frauen-Fußball Aufholbedarf hat. "Mich überrascht es, dass die Wahl zur Fußballerin des Jahres so schnell in Österreich gekommen ist", sagt die derzeit rekonvaleszente Wacker-Torfrau und ÖFB-Teamspielerin.

Teamkollegin Sarah Zadrazil aus Salzburg wurde erstmals dieser Titel verliehen. In Deutschland, wo Zadrazil für Turbine Potsdam am Ball ist, gibt es die Wahl seit 1996. In der Schweiz seit 1998 und in Finnland schon seit 1976. 2001 wurde erstmals die Weltfußballerin des Jahres gekrönt. Gestern also zog Österreich nach.

Mit Zadrazil hat eine Spielerin gewonnen, von der "sich generell jede etwas abschauen kann. Die zentral defensive Mittelfeldspielerin kann laut Pal "extrem gut die Bälle verteilen und ist körperlich extrem robust".

So ähnlich begründet Pals Vereinstrainer Masaki Morass seine Entscheidung für Zadrazil auf Platz eins. "Sie zeigt eine konstante Leistung in der deutschen Bundesliga, agiert mannschaftsdienlich und kämpferisch in jeder Phase des Spiels. Sie ist tonangebend im Mittelfeld, hat ein strategisches Auge und ist auch laufstark", erklärte der Wacker-Damen-Chefcoach.

Neben Morass wählte Bergheims Helmut Hauptmann die 25-Jährige noch auf Platz eins. Drei von insgesamt zehn Frauen-Bundesliga-Trainer reihten die 64-fache ÖFB-Teamspielerin auf Platz zwei. Die 19 dadurch erzielten Punkte genügten, um die ÖFB-Kolleginnen Laura Feiersinger (14/FFC Frankfurt) und die Angerbergerin Nicole Billa (13/TSG Hoffenheim) auf die Plätze zu verweisen.

"Nicole hätte es auch verdient gehabt", sagte Pal und fügte hinzu: "Dass sie Dritte wurde, ist schon ein Riesenerfolg für den Tiroler Frauen-Fußball." Während ihre ÖFB-Teamkolleginnen derzeit in der Winterpause urlauben, drückt Pal die Schulbank für die Ausbildung zur Diplom-Krankenschwester und abends liegt sie unter anderem auf der Massagebank.

Sie versucht ihren Bandscheibenvorfall mit Physiotherapie in den Griff zu bekommen, um 2019 wieder zwischen den Pfosten stehen zu können. Und ebenfalls, um mit Zadrazil und Billa mit Erfolgen den Grundstein für die Qualifikation für die EM 2021 in England zu legen. Zadrazil hat ihren Titel schließlich auch dem EM-Halbfinal-Einzug zu verdanken, bei dem sie eine große Teamstütze war.