tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 10. Januar 2019

Florian Madl

„Ich beschäftige mich nicht mit Plan B“

Abstiegskampf, Lizenzierung – auf den Wattener Gerhard Stocker (67) kommen spannende Zeiten zu. Der Wacker-Präsident sieht sich gerüstet und geht nicht davon aus, dass sein Klub in Turbulenzen gerät.

Die Wacker-Generalversammlung mit Neuwahlen steht vor der Tür (27.1.). Wie viele Teams treten an?

Stocker: Derzeit nur meines, aber es bleibt noch Zeit. Wer will, soll sich bewerben, ich sehe das nüchtern.

Albert Vallci soll ein Transferkandidat sein, auch Dominik Baumgartner. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung?

Stocker: Wir sind auf die Wechsel nicht angewiesen, wir rechnen nicht damit. Im Mittelpunkt steht immer noch der Mensch.

Sie sprechen trotz beschränkten Ressourcen von einem Trainingszentrum in Mieming. Macht es Sinn, sich auch noch dieses Projekt anzutun?

Stocker: Natürlich, das ist Profifußball und Basis für die Spielerentwicklung, das wurde in den letzten Jahren vergeigt. Sonst gehen die Jungen anderswo hin!

Wenn der FC Wacker aus der ersten Bundesliga absteigt, muss die zweite Mannschaft in die Regionalliga.

Stocker: Das stimmt, aber ich beschäftige mich nicht mit Plan B. Wir haben uns kurzfristig in einer Sondersitzung für das Projekt in der 2.?Liga entschieden, und am Anfang hieß es: Wahnsinn! Aber die Sache läuft großartig.

Sie haben eine Bürgschaft (über 500.000 €, Anm.) gegeben, von einer weiteren ist die Rede. Wie steht es um den Verein?

Stocker: Das Wichtigste: Wir haben alles im Griff, am 31. Jänner läuft die Bürgschaft ab. Und ich mache das aus einem Grund: Wer soll am meisten überzeugt sein, wenn nicht ich? Meine Söhne (Fa. Stasto) haben Vertrauen in mich und helfen immer wieder kurzfristig mit kleinen Krediten (Anm. zur Überbrückung von kurzfristigen Liquiditätsengpässen) aus. Ich genieße den Nimbus: Der weiß schon, was er tut.

Die Entwicklung des Vereins stimmt Sie auf wirtschaftlicher Ebene positiv?

Stocker: Ja, es geht in die richtige Richtung. Aber die nächsten Jahre werden wir noch brauchen.

Ist man in jeder Hinsicht auf Kurs? Kann man den aktuellen Verlustvortrag abbauen (derzeit 460.000?€, Anm.)?

Stocker: Negatives Eigenkapital ist der teuerste Kredit, der kostet aufgrund der vierteljährlichen Reorganisationsprüfung der Bundesliga am meisten. Ob sich das Minus abbauen lässt, müssen wir schauen. Sonst müssen wir uns eben zeitlich nach hinten orientieren.

Im Sommer läuft der Vertrag mit Hauptsponsor Tiwag aus. Profitiert der neue Partner Infront (Marketingunternehmen, Anm.) von dieser Partnerschaft?

Stocker: Nein, das ist ein Irrglaube. Die bisherigen Sponsorengelder bleiben unangetastet. Nur wenn neue Sponsoren gewonnen werden oder ein Betrag erhöht wird, bekommt Infront eine Provision. Wir sind im Sommer dazu angetreten, die Sponsoreneinnahmen um 2 Mio. Euro zu erhöhen.

Pay-TV-Sender Sky ist Partner der Bundesliga. Man hört von Vereinen, die fehlende Öffentlichkeit für Sponsoren bemängeln.

Stocker: Das liegt an der veralteten Methodik beim Teletest, der das Nutzungsverhalten der Jungen über Smartphones beispielsweise nicht berücksichtigt. Die Kontakte sind explodiert, auch im ORF haben wir durch die Highlight-Sendung mehr Oberfläche.

Wattens drängt nach oben, und wenn Wacker wie erhofft bleibt, wird das für die öffentliche Hand ein finanzieller Spagat.

Stocker: Ich weiß nicht, was Wattens plant. Ich glaube aber nicht, dass zwei Mannschaften oben nachhaltig zu verankern sind. Und wenn man zum Schluss kommt, dass Wattens mehr Potenzial hat, dann rücken eben wir ins zweite Glied. Gleichzeitig glaube ich, dass der Name Wacker der größere Hebel ist. Was die Fördergeber anbelangt, verspüre ich derzeit Unsicherheit.

Wie finden Sie die Entwicklung mit zwei Topteams in Österreichs höchster Fußballliga?

Stocker: Was in Wattens passiert, verdient Respekt. Aber ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass zwei Teams aus Tirol in der obersten Liga nachhaltig nicht reüssieren können.

Die Bundesliga-Lizenzierung steht vor der Tür. Wie ist Ihr Gefühl?

Stocker: Bislang schafften wir es immer in erster Instanz, aber es darf langfristig nicht mehr Standard sein, dass es sich zuspitzen muss.

Sie sprachen von einem Sog, der sich entwickeln muss.

Stocker: Einen kleinen kann ich in unserer Periode schon feststellen. Und eines steht für mich fest: Wir sind nicht Opfer, wir sind Täter. Wir passen uns an und handeln.