tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 09. Februar 2019

Alex Gruber

"Ich stelle Erfolg über Philosophie"

Zwei Wochen vor dem Frühjahrsstart bei der Admira (23.2) zieht Wacker-Coach Karl Daxbacher in Side eine Zwischenbilanz und lässt seine Zukunft als Bundesliga-Coach weiter voller Gelassenheit offen.

Wie wertvoll waren die ersten Tage im Türkei-Trainingslager?

Daxbacher: Sehr, hier passt immer alles von den Plätzen bis zur Verpflegung und den sportlichen Gegnern. In Innsbruck war wegen des strengen Winters wenig möglich und wir hatten viele Verletzte. Jetzt sieht es wieder besser aus.

Das 0:0-Remis gegen Schachtar Donezk kann sich sehen lassen...

Daxbacher: Wir haben gezeigt, dass wir defensiv mit der vermeintlichen Einser-Mannschaft und der jungen Garde mit ihrem System (4-3-3) wenig zulassen können. Offensiv haben wir aber zu wenig kreiert. Es ist gut, wenn es auch seitens der Jungen Alternativen gibt.

Der taktische Masterplan für den Auftakt sieht wohl einen defensiver ausgerichteten FC Wacker vor?

Daxbacher: Es bleibt trotz neuer Alternativen nicht mehr viel Zeit, großartig was zu ändern. Es wäre aber auch kein Problem, auf eine Viererkette umzustellen. Der Herbst hat gezeigt, dass wir eher punkten, wenn wir mit einer kompakten Defensive agieren.

Haben sich bislang aus der Vorbereitung einzelne Gewinner herauskristallisiert?

Daxbacher: Es gibt schon den einen oder anderen, Namen will ich aber keinen nennen.

Mit Muhammed Kiprit (19) und Sascha Horvath (22) gibt es zwei Optionen im Spiel nach vorne. Was erwarten Sie sich?

Daxbacher: Wir stehen sehr knapp vor Meisterschaftsstart und wir stehen seit fast fünf Wochen im Training. Die Spielweise von Sascha Horvath ist bekannt, Kiprit kenne ich bislang nur aus Videos. Ich warte die Trainingseindrücke und den direkten internen Vergleich ab.

Derzeit lässt das System kaum offensive Flügel zu. Denken Sie mit den Neuen Änderungen an?

Daxbacher: Horvath kann zentral oder über die Seite spielen. Wir werden auf Sicht überlegen, ob wir unser System adaptieren müssen. Aber letztlich geht es um die größtmöglichen Erfolgsaussichten.

Zumal im Frühjahr ja ein enger Kampf um den Klassenerhalt wartet.

Daxbacher: Natürlich ist ein guter Frühjahrsstart wichtig, aber mit der kommenden Punkteteilung kann man davon ausgehen, dass alles eng beieinander liegt und es viele direkte Duelle geben wird. Ich habe schon oft betont, dass ich gerne offensiver spielen lassen würde. Aber ich stelle den Erfolg über die Philosophie. Sprich, vielleicht muss ich beispilesweise beim Tennis den Ball im Spiel halten, bis der andere einen Fehler macht...

Apropos Strategie. Sie wurden hier im Hotel von einem deutschen Urlaubsgast auch zum Schach herausgefordert?

Daxbacher: Das mache ich gerne. Man muss beim Fußball wie beim Schach strategisch und vorausschauend denken. Ich spiele auch zuhause fast jeden Tag und viel online. Für mich ist es ein super Spiel, das ich allen Heranwachsenden als Denksport nahelegen würde.

Ihre Gelassenheit kommt Ihnen auch da wie dort zugute. Oder kommt die automatscih mit dem Alter?

Daxbacher: Die habe ich schon immer gehabt, wenngleich man sich in jungen Jahren selbst zu viel unter Druck setzt und aufregt. Aber wenn es vielleicht nach außen hin anders ausschaut, bin ich nach Negativerlebnissen auch jetzt noch nicht ganz so gelassen. Die nagen schon emotional an mir.

Wie beruhigen Sie sich nach einem aufgewühlten Spieltag am besten?

Daxbacher: Mit einem sehr späten Frühstück mit meiner Frau, wo sie mir vielleicht ein paar Geschichten erzählt (schmunzelt).

In der Trainerpension hätten Sie dafür noch mehr Zeit. Sie werden bald 66. Was kommt nach diesem Frühjahr?

Daxbacher: Ich weiß nicht, was kommt, und ich will mich nicht unter Druck setzen. Ich warte ab, wie sich das entwickelt. Ich brauche keine frühe Entscheidung. Wenn sie der Verein braucht, habe ich damit auch kein Problem.

Es kann auf der Trainerbank also weitergehen oder aufhören?

Daxbacher: Genau. Wenn der Erfolg da ist, bekommt man ja Lust und Freude und macht gerne weiter. Ich will auf jeden Fall noch nicht sagen. "Es ist genug."

Beweisen müssen Sie sich und anderen ja nichts mehr?

Daxbacher: Ich bin auch aufgrund meines Alters in einer komfortablen Situation gegenüber jüngeren Trainern, die einen Job brauchen und möglicherweise auch mit Existenzängsten kämpfen.