tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 05. März 2019

Wolfgang Müller

Antwort auf Trainer-Frage vertagt

Während Karl Daxbacher gestern das Training leitete, analysierten die Verantwortlichen des FC Wacker die triste sportliche Situation und kamen zum Schluss, dass man sich vor der Entscheidungsfindung noch Zeit gönnt.

Innsbruck - Doppelt verschnupft leitet Karl Daxbacher das gestrige Training beim FC Wacker. Erstens ist der FCW-Chefcoach leicht verkühlt, zweitens liegt ihm der kapitale Frühjahrsfehlstart im Magen. "Natürlich geht das nicht spurlos an einem vorbei. Erst recht nicht an den Spielern, denen die Situation natürlich auch zu schaffen macht." Damit meint der 65-Jährige den Blick auf die Tabelle. 0:3 bei der Admira und am Sonntag die 0:1-Niederlage gegen Mattersburg - zwei ernüchternde Pleiten gegen direkte Konkurrenten im bevorstehenden Abstiegskampf. Nur noch zwei Punkte vor Schlusslicht Altach, in 20 Meisterschaftsrunden erzielten die Schwarzgrünen nur 17 Tore - absoluter Tiefstwert im Zwölfer-Feld. "Egal, was wir probieren, es funktioniert nicht", blickt Daxbacher frustriert auf den Frühjahrsauftakt zurück und kommt zum ernüchternden Schluss: "Die Null steht nicht, vorne treffen wir nicht. Einmal in Rückstand, geht erst recht nichts."

Und schuld ist im Fußball meistens bzw. immer der Trainer. Daher beunruhigen Daxbacher die Diskussionen rund ums Tivoli und seinen Job auch nicht besonders: "Weil es logisch ist, wenn man nicht gewinnt und hinten festsitzt." Aber so lange keine Entscheidung gefallen ist, arbeitet "Sir Karl" an seinem Saisonziel: "Nach dem Aufstieg will ich mit dem FC Wacker unbedingt den Klassenerhalt schaffen."

Ob er so lange im Amt ist, wird sich weisen. Im Jänner 2017 löste Daxbacher Interimscoach Thomas Grumser - übrigens sein designierter Nachfolger - als Trainer beim damaligen Zweitligisten FC Wacker ab. Mit dem Aufstieg im Sommer 2018 gelang Daxbacher sein Meisterstück auf dem schwarzgrünen Trainerstuhl. Mit über zweijähriger Amtszeit liegt er auch schon über dem Schnitt der meisten FCW-Trainer in der Vergangenheit.

Gestern wurde in der FCW-Geschäftsstelle fleißig analysiert und diskutiert. Die Lage ist trist bis dramatisch. Nur knapp 3000 Fans beim Frühjahrs-Heimauftakt, dazu auch noch die sportliche Talfahrt und Besserung ist nicht in Sicht. Faktoren, die eine Reaktion fordern. Und wenn Kicker die besten Chancen reihenweise vernebeln, mit Weitschüssen kein Hochhaus treffen und auch noch das nötige Spielglück fehlt, wird reflexartig am Trainersessel gesägt. Und das ist beim FC Wacker im März 2019 auch nicht anders.

"Die Situation ist schwierig, daher werden wir uns Zeit geben und dann die entsprechenden Schlüsse ziehen", erklärte FCW-Sportchef Alfred Hörtnagl gestern. Was nicht als Rückendeckung für den Coach, aber auch - noch - nicht als bevorstehende Ablöse zu werten ist. Gerhard Stocker ist gegen überstürzten Aktionismus: "Es gibt Für und Wider. Das werden wir abwägen und in den nächsten Tagen eine Entscheidung treffen." Außerdem verweist der FCW-Obmann auf die Reform-Saison: "Zwei Runden sind im Grunddurchgang noch zu absolvieren und dann startet die Meisterschaft bzw. das untere Play-off ohnehin neu."

Rückblick Herbst 2018: Nach der 1:2-Niederlage gegen Mattersburg lag der FC Wacker mit lediglich sechs Punkten nach neun Runden nur einen Zähler vor Schlusslicht Altach an vorletzter Stelle. Schon damals wurde am Trainerstuhl gerüttelt. Doch dann folgten der 1:0-Heimsieg gegen den LASK durch das Goldtor von Cheikhou Dieng, der zuletzt gegen die Admira und Mattersburg einige Sitzer vergab, und das überraschende 1:1 bei Serienmeister Red Bull Salzburg. Durch die vier Punkte war Daxbachers Position wieder gefestigt. Jetzt treffen die Innsbrucker in den nächsten beiden Wochen wieder auf die beiden Spitzenklubs.

Am Sonntag steht das Gastspiel beim starken LASK auf dem Programm, zum Abschluss des Grunddurchganges gastieren die Bullen am 17. März ab 17 Uhr im Tivolistadion. Eine Trendwende wie im vergangenen Herbst ist nach den zuletzt gezeigten Leistungen eher unwahrscheinlich, ob Karl Daxbacher die Schwarzgrünen bei beiden Spielen noch betreut, steht noch in den Sternen. Wahrscheinlicher ist, dass man aufgrund der Negativspirale die Reißleine zieht, um sich im Abstiegsstrudel frische Luft zu verschaffen.