tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 12. März 2019

Wolfgang Müller

Zwischen Torflaute und Abstiegsangst

Nach dem Aufstieg steht für den FC Wacker in den nächsten Wochen die Zukunft auf dem Spiel - das bevorstehende Abstiegs-Play-off wird für die Schwarzgrünen ein heißer Tanz auf der Rasierklinge.

Innsbruck - Letzter vor der abschließenden Runde des Grunddurchganges der tipic­o Bundesliga - die Aufstiegs­euphorie ist beim FC Wacker längst verflogen, das Abstiegsgespenst nistet sich wieder einmal im Tivoli ein. Doch noch keimt beim Tiroler Traditionsklub Hoffnung auf, weil im Abstiegs-Play-off praktisch alles bei null beginnt. Der neue Trainer Thomas Grumser hat noch Zeit, die "guten Ansätze" der 0:2-Niederlage in Pasching zu vertiefen und an der Fehlervermeidung zu arbeiten. Die Bestandsaufnahme der Schwarzgrünen verheißt dem ohnehin leidensfähigen Anhang nervenaufreibende Wochen.

- Torflaute: Nur 17 Tore nach 21 Runden sagen alles. Es gibt in der gesamten Liga nicht annähernd ein Team, das im gegnerischen Strafraum harmloser ist als der FC Wacker. Das fängt bei Standards an und hört bei Weitschüssen auf. Ganz zu schweigen von der Präsenz in der "Box" des Gegners. Und wer keine Tore schießt, kann auch keine Spiele gewinnen.

- Scheunentor: Offen wie ein Scheunentor ist die FCW-Defensive zwar nicht, aber die Null steht halt auch nicht felsenfest. Gegentore sind fast so sicher wie das Amen im Gebet. Vorne nicht treffen und hinten patzen ist eine Mischung, die im Abstiegsstrudel keine Luft verschafft, sondern immer tiefer in den Abgrund zieht.

- Selbstvertrauen: Abstiegskampf ist Kopfsache, doch wenn die Nerven flattern wie die Gondeln am Patscherkofel bei Föhn, macht man eben entscheidende Fehler wie zuletzt Manuel Maranda beim Gegentor in der Südstadt oder Abwehrchef Matthias Maak beim zu frühen Gegentreffer am Sonntag gegen den LASK.

- Festung Tivoli? Heimstärke liest sich anders, das Tivoli ist für den FC Wacker längst keine Festung mehr. Nur drei Siege und fünf Pleiten sind nach zehn Auftritten kein Ruhmesblatt. Sogar das Torverhältnis ist mit 7:11 negativ.

/ Konkurrenz: Bei der derzeitigen Lage ist es nur ein schwacher Trost, aber warum sollten die unmittelbaren Abstiegs-Konkurrenten besser sein als der FC Wacker? Altach wurde im Grunddurchgang zweimal geschlagen, die Admira startete zwar grandios in das Frühjahr, bewegt sich mit ihren Möglichkeiten aber im schwarzgrünen Bereich. Was auch für Hartberg und Mattersburg gelten sollte.

+ Trainerwechsel: Die Entscheidung, Thomas Grumser vorzeitig in die Verantwortung zu nehmen, war ein Fingerzeig für die Zukunft. Der 39-Jährige hat gegenwärtig allerdings auch die Zentnerlast Abstiegskampf zu stemmen. Wer den Fußball kennt, dem ist sehr wohl bewusst, dass zielgerichtete, systematische Trainingsarbeit in solch kritischen Phasen noch schwerer ist. Doch Grumser steht für unaufgeregtes, konsequentes Auftreten und zieht seinen Plan unbeirrt durch, was er schon bei der "Zweier" bewiesen hat.

+ Charakter: Kampfkraft und Leidenschaft machten schon den Aufstieg möglich und sollen auch den Klassenerhalt fixieren. Auch wenn es in den bisherigen 21 Runden bereits zwölf Niederlagen zu verdauen gab - an der Einstellung mangelte es bei den Wacker-Profis nicht. Angefangen von Schlussmann Christopher Knett bis Zlatko Dedic ganz vorne - die Burschen ziehen an einem Strang, lassen sich nicht hängen und leben ihren Beruf als Fußballprofi. Faktoren, die im Abstiegskampf den Ausschlag geben könnten.

+ Gesamtkonstrukt: Die Installierung der zweiten Mannschaft in der zweiten Liga war strukturell ein Meilenstein. Schon allein deshalb wäre es fatal, die Erstklassigkeit nicht zu halten. Denn dann wäre mit einem Schlag aber wirklich alles rund ums Tivoli wieder zweitklassig. Als Gesamtkonstrukt kann der Tiroler Traditionsklub mit den anderen Bundesliga­klubs durchaus mithalten. Sportlich wird man das mit dem Klassenerhalt beweisen müssen.