tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 15. April 2019

Alex Gruber

Von fehlenden Geldern und mangelnder Qualität

Stand heute, Mitte April 2019, wird Fußball-Tirol in der kommenden Saison keinen Bundesliga-Verein stellen: Weil dem FC Wacker Innsbruck als Tabellenletztem sieben Runden vor Schluss der sofortige Wiederabstieg droht und die WSG Wattens acht Runden vor Schluss die Zweitliga-Tabellenführung an die SV Ried verlor.

Warum ist das Horror-Szenario, dass Tirol bald ein weiteres Mal ohne Oberhaus-Club dastehen könnte, denkbar? Die schwarz-grüne Lage in Innsbruck ist ein Potpourri aus fehlenden finanziellen Mitteln und offenen Transferfenstern, die den Wind in die falsche Richtung entfachten: Auf namhafte Defensiv-Abgänge (Vallci, Baumgartner) - die Transfererlöse hatte man bitter nötig - wurde im Winter mit jungen Offensiv-Kräften (Horvath, Kiprit) reagiert, die auf kurze Sicht mehr Kaderbreite als Qualität bringen. Zeit zur Entwicklung bietet der Abstiegskampf aber genauso wenig, wie er schwere Fehler arrivierter Spieler erlaubt.

Vielleicht wurde auch der Druck auf einen jungen Coach (Thomas Grumser) unterschätzt, der trotz starker Arbeit bei den Amateuren noch in den Anfängen seiner Profi-Trainerkarriere steht. Und bei einer Bundesliga-Mannschaft herrschen doch andere Gesetze. Die Vermittlung einer neuen Spielidee ist zuletzt klar auf Kos­ten der defensiven Stabilität gegangen - ein Faktor, dem Vorgänger Karl Daxbacher im Kampf um den Klassenerhalt mit Fünferkette oberste Priorität einräumte. Solange Wacker drinnenbleibt, ist der unattraktivste "Rumpelfußball" erlaubt.

In Wattens hat man sich in der sportlichen Führung nach starkem Herbst in der Winterpause womöglich zu sehr auf bestehende Zweitliga-Kräfte (Pranter, Katnik, Jurdik?...) verlassen, viele Neuzugänge (Yeboah, Soumah, Kurt, verletzungsbedingt auch Walch) konnten der WSG nicht jenes zusätzliche Leben einhauchen, das es für einen Erstliga-Aufstieg braucht. Es gibt zwar viel Ballbesitz, aber zu wenig Umschaltmomente.
Bei allen Prinzipien bleibt Fußball ein Tagesgeschäft. Die Kurskorrektur ist beim FCW und bei der WSG noch möglich.