tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 25. September 2019

Florian Madl

Ein „Runder“, aber es läuft nicht alles rund

Ein halbes Dutzend Oberhäupter prägte den FC Wacker seit 2002. Eines von ihnen, Kaspar Plattner, feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Innsbruck - Drei Abstiege seit 2002, begleitet von fünf Obleuten oder Präsidenten (Gerhard Stocker zwei Mal), dazu je nach Lesart (interimistisch oder wiederkehrend) 17 Trainer, von Vorständen, sportlichen Leitern, Managern und Aufsichtsräten ganz zu schweigen: Der FC Wacker ging seit dem finanziellen Kollaps seines Vorgängervereins durch viele Hände. Die von Kaspar Plattner waren behutsame, der Unternehmer feiert heute seinen 80er. Was dem Natterer angesichts der zweiten Liga und der Geldknappheit zu seiner schwarz-grünen Liebe einfällt? "Dass es so weit kommt, hätte ich nie geglaubt. Das hat man teilweise selbst verschuldet." Als Kritik am aktuellen Präsidenten Gerhard Stocker will der passionierte Golfspieler das nicht verstanden wissen, der sei "mit viel Herzblut dabei". Aber Plattner übergab den Verein nach eigenen Aussagen "gesichert und im Mittelfeld der Bundesliga". Ein Auszug über Vorgänger und Nachfolger:

Michael Bielowski (2002-2003) - der Stabilisator: Sport war die große Liebe Bielowskis, Fußball nicht zuletzt durch seine Töchter eine Herzensangelegenheit des ehemaligen Innsbrucker Vizebürgermeisters. Seine Aufgabe: den Verein nach dem Abstieg in sichere Gewässer zu führen. Das gelang dem späteren Olympiaworld-Chef.

Gerhard Stocker (2003-2008 und 2017 bis heute) - der Motivator: Ein Wattener, aber sein Herz trägt die Farben Schwarz-Grün, nicht Grün-Weiß. Immer wieder half seine Firma Stasto mit Überbrückungskrediten aus, sein Ruf nach verstärkter Anerkennung durch öffentliche Geldgeber und Landespolitiker ist ebenso bekannt wie das reflexartige Kopfschütteln mancher seiner Ansprechpartner. Im Jänner 2020 erfolgt die Neuwahl, zuletzt kokettierte Stocker mit dem Abschied. Er wird es wieder machen, seine Leidensfähigkeit ist unerreicht.

Johannes Marsoner (2009) - das Gewissen: Berufsbedingt ist der Steuerberater ein Zahlenmensch und zudem kein Lautsprecher. Die Wacker-Finanzen gingen auch außerhalb seiner Funktionsperiode über seinen Schreibtisch, mit Marsoners Auftreten kehrte viel Ruhe ein.

Kaspar Plattner (2009-2013) - der Mäzen: Keiner vor oder nach ihm steckte ähnlich viel Privatgeld in den Verein, ein Abstieg blieb ihm erspart. Die Bilder vom Aufstieg 2010 in Pasching - herzerwärmend. Vom Tivoli-Zuschauerschnitt nach dem Höhenflug (7000) kann man vorerst nur träumen.

Josef Gunsch (2013-2017) - der Sparmeister: "Wirtschaftlichkeit vor sportlichem Erfolg!" Diese Aussage prägte die Ära des Milser Infrarotkabinen-Herstellers. Die Monate vor der neuerlichen Präsidentenrochade waren von Misstönen über die Verantwortlichkeit begleitet. Der vermeintliche Retter verstand bei aller Spar-Qualität das Fußballgeschäft zu wenig.