tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 03. Oktober 2019

Alex Gruber

Wenn Leidensgenossen Mut machen

Vor dem morgigen Heimspiel gegen Kapfenberg bangt im Lager des FC Wacker Innsbruck Rami Tekir um seine Karriere. Die schwarz-grünen Kreuzbandopfer Andreas Kuen und Simon Pirkl sind öfters wieder aufgestanden.

Innsbruck - Im Alltag der zweithöchsten österreichischen Fußball-Liga muss Wacker-Coach Thommy Grumser diese Woche die Frage beantworten, wie er am Freitag (19.10 Uhr) im wichtigen Heimspiel gegen Schlusslicht Kapfenberg auf die Sperren der beiden Innenverteidiger Felix Bacher und Stefan Meusburger reagiert. Die logische Antwort dürfte lauten, dass Kapitän Lukas Hupfauf nach innen und Youngster Sefik Abali (17) an seine Seite rückt.

Neben taktischen Winkelzügen offenbart der Kampf ums runde Leder aber auch menschliche Züge. Grumser hält es für möglich, dass Rami Tekir nach seinem dritten Kreuzbandriss - auch das Innenband war durch und die Patellasehne eingerissen - bald in der Kabine erscheint. "Wir müssen ihn bestmöglich unterstützen und ihm eine Perspektive geben, dass es weitergeht", leidet Grumser mit dem Heimkehrer mit.

Tekir ist ja erst 22 und kämpfte nach seiner Zeit bei Red Bull und den ersten beiden Kreuzbandrissen im schwarz-grünen Lager darum, wieder Fuß zu fassen. Die Antwort auf die schwerwiegende Frage, die sich viele verletzungsgeplagte Sportler stellen - "Geht?s weiter mit der Karriere oder schaue ich lieber auf mein Leben danach?" - soll mit Ersterem beantwortet werden. "Ich will mich zurückarbeiten", sagt Tekir.

Vielleicht tat ja auch der Besuch von Simon Pirkl in Tekirs Krankenzimmer gut. Beim Jahrgangskollegen (1997) ist auch schon dreimal das Kreuzband gerissen, beim dritten Mal wich er einer Operation aus, um sich in den vergangenen Wochen bei einem Arzt in Unterhaching wieder "g?rad" stellen zu lassen: "Ich bin absolut stabil und kann alles machen. Vielleicht nehme ich den Rami einmal nach Haching mit", weiß Pirkl, dass man immer nach Lösungen Ausschau halten muss.

Der Linksfuß, der sich in der Heimat beim Joggen, im Fitnesscenter oder mit Einheiten bei Tirol-Ligist Natters fit hält, wird in Bayern übrigens von Ex-Wattens-Kicker Niels-Peter Mörck betreut. "Mein nächster Wechsel muss zu 100 Prozent passen. Deswegen lasse ich mir lieber Zeit", diktiert Pirkl, der Geduld ja auch in der Reha üben musste. Die Klubsuche sei aber voll im Gang.

"Rami ist kein Typ, der aufgibt. Ich habe ihm gesagt, er soll sich die Zeit nehmen. Und spätestens, wenn er in der Reha wieder den ersten Ball zurückspielen darf, brennt er lichterloh", setzt Pirkl darauf, dass sein Ex-Kollege die Flinte nicht ins Korn werfen wird. Die Sinnfrage ("Warum spiele ich noch?") habe ihn in den harten ersten Tagen nach einer Diagnose, aber früher auch zwischenzeitlich, eingeholt: "Das ist ganz normal."

Dass es (fast) noch schlimmer geht, untermauert ein Blick auf die Verletzungshistorie von Andreas Kuen. Von März 2013 (beim FC Wacker) bis Mai 2018 (zweimal als Rapid-Kicker, einer kurz nach dem Transfer zu Mattersburg) scheinen beim Ötztaler sogar vier Kreuzbandrisse auf. Es waren laut Kuen aber "nur" drei, bei Rapid sei innerhalb von drei Monaten nur das Datum unklar gewesen.

"Dass die Diagnose im ersten Augenblick ein schwerer Schlag ist, weiß jeder. Aber man ist jung und durch Operationen kann man das Knie wieder gut herrichten. Es ist möglich, weiter Fußball zu spielen. Man soll immer daran glauben und positiv bleiben", sagt Kuen, der sich zur Stunde beim SV Mattersburg zum Leistungsträger gemausert hat. Tekirs Pech hat der 24-Jährige im Burgenland vernommen: "Ich wünsche ihm ganz fest, dass er wieder zurückkommt." Da kann man sich nur anschließen.