tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 30. Juli 2020

Daniel Lenninger, Manuel Ludwiger, Tobias Waidhofer

Jagd nach dem Meister ist eröffnet

Mit dem Duell zwischen Wörgl und Telfs startet am Freitag die Regionalliga Tirol. In der neuen Spielzeit sehen neun Teams den SV Wörgl als Titelfavoriten, nur die Unterländer selbst wollen nichts davon hören.

SC Schwaz: Das Team von Neo-Trainer Gogo Saringer hat mit sechs Siegen in ebenso vielen Testspielen eine Absichtserklärung abgegeben, die auch der Konkurrenz Respekt einflößt: "Es geht in die richtige Richtung. Wir haben die Abgänge gut kompensiert und sind breiter aufgestellt als zuvor", so der ehemalige Union-Coach. Mit dem neuen Schlussmann Lukas Wackerle (kam aus St. Pölten) wird ein Platz in den Top drei angepeilt. In wem erkennt Trainer-Routinier Saringer den härtesten Konkurrenten? "Ich schätze Wörgl sehr hoch ein. Aber es werden fünf bis sechs Mannschaften vorne mitspielen."

WSG Tirol Amateure: Dass die Regionalliga für die junge WSG-Mannschaft nach dem Zirler Rückzug eine große Herausforderung darstellen wird, will Coach Martin Rinker gar nicht verhehlen: "Aufgrund der Tatsache, dass wir so jung sind, sind wir mit der Entwicklung in der Vorbereitung schon sehr zufrieden. Wir machen kontinuierlich kleine Schritte." Aber zu den Favoriten zähle man nicht, meint der Coach mit einem Augenzwinkern. Diese Rolle gesteht Rinker - wie viele Trainer - dem SV Wörgl zu. Zu Beginn wird die Mannschaft mit Denis Tomic wohl einiges an Lehrgeld bezahlen: "Wir wollen uns so schnell wie möglich in der neuen Liga zurechtfinden. Jung und willig spielen, viel laufen und lästig sein." Welches Spielermaterial bei der WSG zur Verfügung steht, hängt auch an der Bundesliga-Entscheidung in der Causa SV Mattersburg.

SVG Reichenau: Während einige Teams groß investierten, hielt sich die Reichenau mit drei Neuzugängen (Clemens Steiner, Meletios Miskovic, Bilal Durmus) auch Corona-bedingt zurück. Und ein Edelroutinier wie Matthias Hörtnagl - seines Zeichens lange einer der besten Keeper im Tiroler Amateur-Fußball - wird den Innsbruckern ebenfalls abgehen. "Wir werden versuchen mitzuhalten", meint Trainer Gernot Glänzer. Ob das klappe, sei eine andere Sache: "So mancher Gegner scheint fast übermächtig." Aber Glänzer wäre nicht Glänzer, wenn er die Flinte ins Korn werfen würde: "So schlecht sind wir nicht gerüstet, ich bin optimistisch für den Auftakt."

FC Kitzbühel: Die Gamsstädter bedienten sich vor allem am Salzburger Spielermarkt, dort wo der ehemalige Zell-am-See-Trainer und nunmehrige Kitzbühel-Coach Bernhard Hanser sich bestens auskennt. "Das hat sich so ergeben, weil sich Zell/See aufgelöst hat. Für uns war das natürlich eine tolle Sache, dass wir diese Spieler bekommen haben." Hanser, den eine enge Freundschaft mit Frankfurt-Trainer Adi Hütter verbindet, sieht seine Truppe "bereit". Der Konkurrenzkampf sei enorm. Optimistisch stimmen auch die Leistungen in den Tests gegen Pinzgau (0:1) und Austria Salzburg (3:1). "Das sind in Salzburg sicher die besten Regionalliga-Teams und wir haben gegen beide eine gute Figur abgegeben." Die Konkurrenz einzuschätzen, fällt dem ehemaligen GAK-Spieler noch schwer, aber als Trainer woll­e man "natürlich immer vorn­e mitspielen". Und tauchen doch Fragen auf, hat Hanser mit Thomas Hartl und Mathia­s Treichl geballte Unterhaus-­Erfahrung an seiner Seite.

SC Imst: Dass sich die Oberländer in Sachen Neuzugängen sogar im hohen deutschen Norden beim dortigen Regionalligisten Alton­a 93 bedienten, darf auch als Ausrufezeichen interpretiert werden. Neben Regisseur Marco Schultz begrüßte Trainer Herbert Ramsbacher unter anderem auch David Oberortner im Oberland. Von Königstransfers will der Coach aber nichts wissen: "Die gibt es nicht, jeder muss sich beweisen." Und auf eine Platzierung will sich "Ramsi" auch nicht festnageln lassen. Favoriten seien andere: "Die Liga ist attraktiv und ausgeglichen, aber Wörgl und Schwaz sind für mich die Top-Favoriten." Aber auch den Oberländern kann man einiges zutrauen.

FC Kufstein: Nach dem Abgang von Ogy Zaric zum FC Basel zauberte Präsident Hannes Rauch mit dem Deutschen Wolfgang Schellenberg einen interessanten Trainer-Nachfolger aus dem Hut. Der 48-Jährige arbeitete lange als Nachwuchsleiter bei 1860 München und hatte dabei unter anderem auch ÖFB-Kapitän Julian Baumgartlinger unter seinen Fittichen. "Es hat sich alles kurzfristig ergeben, die Mannschaft wird noch Zeit brauchen, sich zu finden", meint der Coach, der nebenbei auch noch als Scout für den deutschen Zweitligisten aus Karlsruhe werkt. "Wir wollen nicht absteigen, aber ein tabellarisches Ziel haben wir uns nicht gesetzt", meint Schellenberg, auf dessen Vermittlung mit Arlind Ademi (Mannheim II), Patryk Richert (1860 München) und Mario Andric (Freiberg) drei Spieler aus Deutschland kamen. Hoffnung macht auch Rückkehrer Lukas Marasek.

FC Wacker II: Mit dem 1:1 gegen den SAK lieferte die Truppe von Richard Slezak einen gelungenen Härtetest für den Start ab. "Die Bedingungen waren während der Corona-Maßnahmen natürlich schwierig, wir sind erst seit Kurzem vollständig und müssen uns daher erst finden", weiß Slezak, der vom Verein "keinen Druck" bekommt: "Wir wollen die jungen Spieler weiterentwickeln." Ältester und wichtigster Akteur bleibt Armin Hamzic. Im Laufe der Saison ist auch vereinzelte Verstärkung aus der ersten Mannschaft zu erwarten. Irgendwann wollen die Schwarz-Grünen ja auch mit ihrer Zweitvertretung wieder in Liga zwei zurückkehren.

SV Wörgl: Dass fast die gesamte Konkurrenz seinen SV Wörgl in die Favoritenrolle drängt, kostet Trainer Denis Husic nur ein müdes Lächeln: "Für die ist es am leichtesten, den letztjährigen Meister wieder als Favoriten zu nennen. Ich kann sagen, dass Wörgl sicher nicht den teuersten oder stärksten Kader in der Regionalliga hat." Das Favoritenzepter gibt er deshalb an Kufstein und Kitzbühel weiter. Überraschungen traut er aber auch Imst und den Amateurteams zu. Wo seine Trupp­e steht, sei schwierig einzuschätzen. Neuzugänge wie Thomas Löffler oder Sascha Wörgetter lassen aber einiges erwarten.

SV Telfs: Die Rückkehrer Christoph Häfele und Michael Augustin sowie Ex-Profi Julius Perstaller sollen bei den Säbelzahntigern aus dem Oberland für eine sorgenfreie Saison sorgen. "Ich gebe keine Ziel­e vor. Wir wollen, dass viele Zuschauer kommen, und ihnen guten Fußball bieten", sagt Neo-Trainer Danie­l Osl. Großer Favorit ist für ihn der SV Wörgl, aber auch andere Teams seien stärker geworden. "Es sind viele gute Spiele zu erwarten."

SV Hall: Wer der Schlüsselspieler bei seiner Mannschaft ist, will der neue SV-Hall-Trainer Mustafa Ayhan gar nicht bestreiten: "Unsere Spielanlage ist auf Marvin Schöpf ausgelegt, ihn können wir nicht ersetzen", weiß der Nachfolger von Akif Güclü. Dass der Ex-Imster im letzten Test angeschlagen fehlte, ließ da natürlich die Sorgenfalten tiefer werden. Ziel sei nach vielen Ab- und Zugängen im Jubiläums­jahr jedenfalls "der Nichtabstieg - und das wird schwer genug". Man könne finanziell mit den meisten Teams nicht mithalten. Die Löwen werden trotzdem brüllen - so viel scheint klar.