tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 15. September 2020

Alex Gruber

Neue „100er-Regel“ und Spieler, die lieber aussetzen

Die Kugel rollt auch heute wieder im Tiroler Fußball. Mit neuem Zuschauerlimit. Und beim SV Kematen legt ein Trio eine Corona-Pause ein.

Innsbruck - Den Klubs aus dem Tiroler Fußball-Unterhaus geht es zur Stunde nicht anders wie vielen Otto Normalverbrauchern. Die Auswertung der Corona-Tests ist von sehr unterschiedlicher Länge, die Auflagen der zuständigen Behörden klaffen teils auch auseinander. Man(n) sitzt momentan wie auf Nadeln. Und die abgesagten Spiele ziehen sowieso schon ein bisschen am Nerv.

Zudem gibt es eine neue "100er-Regel": "Veranstaltungen, also Spiele, mit über 100 Personen sind nur noch dann zulässig, wenn den Zuschauern ausschließlich zugewiesene und gekennzeichnete Sitzplätze zur Verfügung stehen", klärt der ÖFB in seiner Aussendung auf. Weiters: "Es dürfen bei derartigen Veranstaltungen also keine Stehplätze (auch nicht bis zu 100) vergeben werden. Bei Veranstaltungen von bis zu max. 100 Personen können unseres Erachtens sowohl Steh- als auch (nicht zugewiesene und gekennzeichnete) Sitzplätze vergeben werden", schildert der ÖFB weiter.

TFV-Präsident Josef Geisler ortet hier auf offizieller Ebene noch Gesprächs- und Aufklärungsbedarf. Wer auf Nummer sicher gehen will, soll aber bereits heute bei den Westliga-Partien, TFV-Cup-Duellen und Nachtragsspielen die untere Grenze ziehen. Weiterhin gilt, dass bei Veranstaltungen mit über 200 Personen ein Covid-19-Beauftragter zu bestellen und ein Covid-19-Präventionskonzept auszuarbeiten ist. Das wäre bei einer Sitzplatzkapazität von 500 z. B. die Reduzierung auf die Hälfte, um Abstände zu wahren.

Rekordverdächtige 650 Fans ließen sich zuletzt das Landesliga-Derby im Außerfern zwischen Reutte und Vils nicht entgehen. Ein Zuschauer, der keinen Kontakt zur Mannschaft hatte, wurde danach positiv auf Corona getestet. Reutte-Obmann Gerald Pinzger kurbelte gestern unermüdlich, um die Gegebenheiten für das heutige TFV-Cupspiel gegen Kematen abzuklären.

Die Gäste, die schon mehrfach aus unverschuldetem Anlass in Corona-Notlage - Aufruf zur Testung und Quarantäne nach dem Besuch der Kantine beim Auswärtsspiel in Kundl - kamen, haben langsam genug. Denn während bei einem Profiklub wie dem FC Wacker Innsbruck dank privatem Labor innerhalb von 24 Stunden die Testergebnisse vorliegen, wartete Kematen-Obmann Arno Bucher gestern immer noch auf vier Resultate von den Tests der Vorwoche (ein eigener Spieler war da erkrankt), um sich Kader-Klarheit zu verschaffen. Dass seine Spieler langsam keine Lust mehr auf das Theater verspüren, kann er verstehen.

Mit Philipp Mühlthaler, Andreas Zangerl und Torjäger Oliver Kuen haben drei Stammkräfte ihre Karriere wegen dem Coronavirus ruhend gestellt. Das hat zum einen private Gründe (Jungväter), zum anderen berufliche, weil den Herren schon zweimal der Gang in die Quarantäne blühte. "Ich will die Jungs nicht im Stich lassen, aber irgendwann gehen die Familie und der Job vor", sagt Kuen. "Ich kann keinem einen Vorwurf machen, wenn es um die Gesundheit geht", hält Bucher fest.

Die Lage ist verzwickt. Die Unterhaus-Kicker sollten auch nicht (viel) Party machen.