tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 28. September 2020

Georg Fraisl

Nacht von Florenz


> Heute vor 20 Jahren jubelte Fußball-Tirol über den bislang letzten internationalen Erfolg > Roli Kirchler & Co warfen AC Florenz aus dem UEFA-Cup > Schlägerei in Kabine, Straßenschlacht vor dem Stadion

Morgen feiert Roli Kirchler, Tiroler Fußball-Legende und AKA-Chef, ein halbes Jahrhundert. Und wird sich dabei an einen seiner aufregendsten Geburtstage erinnern, als er heute vor 20 Jahren am Abend vor dem Wiegenfest in einem Nobelhotel in Florenz eine Torte überreicht bekam. Nach einem Tag, der bis heute seinesgleichen sucht. „Trotz Meistertiteln und Länderspiele – das war eines der schönsten Erlebnisse, das ich im Fußball erleben durfte“, sagt Kirchler über den 28. September 2000.

Es war der bislang letzte große internationale Erfolg im Tiroler Klubfußball. Nach einem 3:1-Heimsieg warf der FC Tirol die Serie-A-Top-Mannschaft aus Florenz mit 2:2 aus dem UEFA-Cup. Vor 5000 Tiroler Fans, die die Mannschaft von Kurt Jara begleitet hatten.

Ein Motorrad-Polizist, der die Kicker mit einem Wheely zum Training begleitete, hatte Kirchlers Vor-Geburtstag eröffnet. Ein Assist zum 2:2 durch Gilewicz war am Abend einer der Höhepunkte. Und die Schlägerei in der Kabine nachher ist bis heute Legende. Schon beim Einlaufen hatten die Tiroler über die übermotivierten Italiener gestaunt („Di Livio hatte Schaum vor dem Mund), nach dem Ausscheiden entlud sich die Aggression massiv. Italiens Teamkeeper Toldo watschte Radogoal ab, die Luft war ohrfeigen-schwanger. Erst die Polizei beruhigte den Kabinenzwist. Und draußen vor dem Stadion tobten die Fans. Straßensperren, Tränengas, Knüppel. Erst mit der Torte im Hotel kehrte Ruhe ein. Und zum Drüberstreuen am nächsten Tag: einen extra-wüstesten Föhnflug nach Hause.