tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 18. Februar 2021

Alex Gruber

Es fällt schwer, Beine still zu halten

Die Unruhe im (Tiroler) Sport wächst. Eine neue Vereinbarung, die vorsehen würde, dass nur einzelne Nachwuchsteams trainieren dürfen, sorgt für Gesprächsstoff. Einhelliger Wunsch: Die Trainingstür soll aufgehen.

Innsbruck - Dass die Kinder wieder in die Schule gehen dürfen, heißen Eltern in vielen Familien gut. Warum sich der auf Corona getestete Nachwuchs dann am Nachmittag nicht zum Training im Freien bewegen darf, lässt sich nicht mehr schlüssig erklären.

A wie Allgemeinheit: Die Perspektive für den Breiten- und Amateursport, u. a. zu geordnetem Mannschaftstraining, lässt trotz schlüssiger Konzepte und der hohen Bereitschaft, Tests auf Vereinsebene selbstständig durchzuführen, weiter auf sich warten. Der Schaden, vor allem im Nachwuchsbereich, wächst. Und deswegen schloss sich gestern der Sport-Dachverband ASKÖ der Kritik von "Sport Austria" an, dass die kürzlich verkündete Fortsetzung des Lockdowns im Breitensport und somit das "Ergebnis", Kinder weiter vom Vereinssport fernzuhalten, den Nachwuchssport ruiniere und fahrlässig sei.

König Fußball: Die heimische Vereinigung der Fußballer (VdF) forderte dies­e Woche ebenfalls "eine Öffnung des Trainingsbetriebs für den Nachwuchs und all­e Ligen unterhalb der 2. Liga unter Einhaltung einer umfangreichen Teststrategie sowie eines vorgeschriebenen Präventionskonzepts" ein. "Ich denke, dass die Vereine, und ich spreche hier für die Fußballvereine, im Mai 2020 bewiesen haben, dass sie achtsam und sorgsam mit diesen besonderen Bedingungen umgehen. Es ist nichts passiert im Trainingsbetrieb, jeder kennt die elf ÖFB-Regeln", hält Arno Bucher, Vizepräsident des Tiroler Fußballverbandes, fest. Dem zweifachen Familienvater (Söhne Matthias/18 und David/16) blutet das Herz: "In diesen Altersklassen kann man Training auch durch die beste Zoom-Einheit nicht abfangen. Kinder brauchen einfach Gemeinschaft."

B wie Bereitschaft: Um im Tiroler Fußball-Unterhaus zu bleiben, legt Bucher, auch langjähriger Obmann von Tirol Ligist SV Kematen, nach: "Wir wären vorbereitet, haben Tests angekauft, nehmen die Situation alles andere als leicht und könnten z. B. Eintrittstests machen - wie oft und wie sinnvoll das ist, müssen dann andere sagen. Ich denke, es würden viele Vereine mitmachen, wenn die Tests zur Verfügung gestellt werden. Die Vereine organisieren sich schon jemand Geeigneten, der die Tests ordnungsgemäß durchführen kann. Das nimmt doch keiner auf die leichte Schulter."

N wie Neuigkeit: In der Talenteschiene des ÖFB mit den heimischen Fußball-Akademien und Landesausbildungszentren darf unter Vorlage eines Antigentests, der eine Woche gilt, und dem Führen eines Gesundheitstagebuchs wieder trainiert werden. Die Bundesliga-Clubs einigten sich unter Vorlage eines Konzeptes mit den Behörden darauf, dass die hauseigenen Nachwuchsteams (U11-U14) den Trainingsbetrieb unter ähnlich strengen Bedingungen wieder aufnehmen können. Die Schultests zählen als "Eintritt" nicht, eigene Testungen sind vorgeschrieben. "Als Familienvater (Sohn David spielt in der Akademie, Anm.) befürworte ich das, weil dadurch die Möglichkeit geschaffen wird zu trainieren, respektiere aber jede andere Meinung", hält WSG-Sportmanager Stefan Köck fest. Nachsatz: "Wir wollen uns mit unseren Teams keinen Vorteil erschleichen. Ich würde es begrüßen, wenn alle wieder trainieren können."

S wie Stellungnahme: Nach der Trainingserlaubnis für die Nachwuchsteams der Bundesliga-Clubs sieht der ÖFB vor, auch jenen Mannschaften Trainings zu gewähren, die als Gegner in derselben Gruppe agieren. Das würde in Tirol auf U14-Ebene beispielsweise bedeuten, dass in dieser Altersstufe die WSG und sieben zugeloste Gegner trainieren könnten, 32 Teams in anderen U14-Gruppen aber nicht: "Nach Ansicht des Tiroler Fußballverbandes stellt dies eine sachlich nicht argumentierbare Ungleichbehandlung der in den U14-Play-off-Gruppen vertretenen Vereine dar. Wir ersuchen den ÖFB eindringlich, diese Vorgangsweise noch einmal zu überdenken. Wir wollen keinesfalls den Eindruck erwecken, dass wir grundsätzlich gegen die von der Bundesliga mit den Behörden erzielte Vereinbarung sind, doch ersuchen wir im Sinne der Gleichbehandlung, diese Möglichkeit allen Vereinen zu eröffnen", wandte sich TFV-Präsident Josef Geisler in einer Stellungnahme an den ÖFB. Im U13-Bewerb sähe es in Tirol ähnlich aus.

S wie Schlusswort: Der Weg nach oben, in den Profisport, beginnt "von der Breite in die Spitze". Und neben der Bedeutung von Bewegung wären mit Testungen im organisierten Vereinssport übrigens bis zu zwei Millionen Menschen erreichbar. Findet das Sport-Volk Gehör?