tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 28. April 2021

Florian Madl

Ewig junge Debatte: Ist E-Sport Sport?

Das Internationale Olympische Komitee springt auf den fahrenden Zug auf, Traditionalisten bleiben skeptisch.

Innsbruck – Vor einigen Jahren hätte es wohl einen schalen Beigeschmack gehabt, wenn der E-Sport Verband Österreich (ESVÖ) mit der Österreichischen Fußball-Bundesliga zu einem Online-Info-Event lädt. Aber wenn morgen die Experten u?ber Gaming und die Entwicklungsmöglichkeiten der virtuellen Branche diskutieren, schu?ttelt längst keiner mehr den Kopf. „E-Sport im Sportverein“ lautet einer der Tagesordnungspunkte, zu den Referenten zählen auch Wacker-Profi Philipp Gutmann sowie das damit betraute Vorstandsmitglied der Tiroler, Felix Kozubek. Der boomenden Branche geht es um Akzeptanz, um Professionalität, um das Aufzeigen von Verdienstmöglichkeiten. Die hat auch schon das Internationale Olympische Komitee erkannt, das im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele in Tokio plötzlich auch virtuelle Wettkämpfe austragen lässt: bei der Olympic Virtual Series (OVS) zwischen 13. Mai und 23. Juni, also gut einen Monat vor dem realen Olympia. „Eine neue und einzigartige digitale olympische Erfahrung, die darauf zielt, ein neues Publikum anzusprechen“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Die Disziplinen: Baseball, Radsport, Rudern, Segeln und Motorsport. Die ausgewählten Spiele hätten einen starken Sportbezug, spielen im E-Sport jedoch keine große Rolle.

Das gilt u?brigens auch fu?r den alpinen Skisport, wo der scheidende ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel die Tu?r fu?r ein Steckenpferd nachkommender Generationen öffnet. Nicht ganz ohne Hintergedanken: „Wir spielen mit, weil wir damit fu?r normalen Sport Geld lukrieren“, meinte der 79-Jährige in einem TT-Interview, als es um ein virtuelles Hahnenkammrennen oder die Einfu?hrung eines Teammanagers ging. Er sehe das als „Riesenchance“. Fazit: „Es wird E-Sport auch ohne den ÖSV geben. Also machen wir mit und machen uns das zunutze.“

Bleibt die Diskussion, inwieweit E-Sport dem Bewegungssport nahekommt. Auch hierzu vertritt der Tiroler einen pragmatischen Ansatz: „Warum soll es kein Sport sein? Ist Schach ein Sport? Mit Geschicklichkeit hat es in jedem Fall zu tun. Und das Interesse am Sport wird geweckt, es ist halt eine andere Art von Sport.“

Das sieht auch Peter Lechner so, Präsident der Tiroler Sportfachverbände (Tisport). „Ich stehe E-Sport zwar skeptisch gegenu?ber, weil es nicht mehr meine Zeit ist. Aber man muss dem Thema dennoch aufgeschlossen gegenu?berstehen.“