tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 06. Mai 2021

Florian Madl

„Ich ziehe meinen Hut vor Lafnitz“

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer (44) fordert Selbstbeschränkung ein. Statt Projekte wie die Super League begru?ßt der Fußball-Funktionär einen Aufstiegsverzicht wie jenen von Zweitligist Lafnitz.

Die doch nicht zustande gekommene Super League für 14 europäische Top-Vereine stieß auch bei Ihnen auf Kritik.

Ebenbauer: Dass das ein Wahnsinn gewesen wäre, da sind sich die meisten einig. Das missachtet alle Regeln, die wir uns auferlegt haben. Es nimmt den Vereinen die Möglichkeit, über sportlichen Erfolg hochzukommen, weil nicht mehr derjenige international spielt, der national etwas erreicht hat.

Der Europäische Verband (UEFA) bekam ungewollt Rückenwind fu?r seine Europacup-Reform, die ja auch nicht unumstritten ist.

Ebenbauer: 75 Prozent der zusätzlichen Startplätze in der Champions League gehen wieder an die Großen, das beschleunigt das Auseinanderdriften.

Demnach hieße Champions League neu nichts anderes als Super League?

Ebenbauer: Nein, relevant ist die Sichtweise. Die UEFA hat die wesentlichsten Punkte berücksichtigt, man kommt über nationale Erfolge in die Champions League, damit ist das Modell besser als die Super League. Aber aus Sicht kleiner Länder, die keine Fixplätze haben, ist das Problem trotzdem größer geworden.

Von der drittklassigen Conference League (unter Europa und Champions League, Anm.) heißt es, man verteile Brotkrümel an Kleine.

Ebenbauer: Die Idee der Conference League war es, dass mehr Teams international spielen. Wirtschaftlich betrachtet heißt das von 2021 bis 2024: Ca. 450 Millionen Euro fließen in die Europa League, rund 250 in die Conference League. Die Startprämie steigt, die Punkteprämien werden allerdings reduziert. Die großen fünf Ligen verzichten auf einen Teil aus den Solidaritätstöpfen, aber am meisten findet sich ohnedies in der Champions League. Da sprechen wir von ungefähr 2 Milliarden Euro.

Sie schlugen zuletzt eine Änderung der „50+1-Regelung“ vor, die den Einfluss des Vereins in der vereinseigenen Kapitalgesellschaft bestimmt. Was war Ihr Ansinnen?

Ebenbauer: Noch sind wir nicht beim Ändern, wir sind beim Evaluieren. Die Regelung gibt es seit 15 Jahren und wir wollen eine gute Lösung, um bestmögliche Homogenität innerhalb der Liga und internationale Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.

Was wäre Ihr Ansatz bei diesem Thema?

Ebenbauer: Die Frage stellt sich, ob die derzeitige Regelung noch zeitgemäß bzw. praktikabel ist. Ich bin für eine Ausgewogenheit, was Trägerverein und Kapitalgesellschaft anbelangt.

Der zunehmend kommerzialisierte Fußball dreht sich in einer Preisspirale nach oben.

Ebenbauer: Deshalb ist es umso wichtiger, auf die Lizenzierungskriterien zu achten. Wir sind stolz, seit 19 Jahren keine unterjährige Spielbetriebseinstellung hinnehmen zu müssen.

Allerorts, so auch beim FC Wacker, tauchen Investoren auf. Wie stehen Sie zu dieser Form der Finanzierung?

Ebenbauer: Diese Entscheidungen obliegen den Klubs. Für mich geht es um die Bestimmungseinhaltung, jeder muss begutachtet werden.

In der 2. Liga wird es auch in dieser Saison keinen Absteiger geben. Nach der Regionalliga Ost beschlossen auch die Vertreter der Regionalliga Mitte, die Meisterschaft abzubrechen.

Ebenbauer: Natürlich ist so etwas immer traurig, das dritte Jahr in Folge gibt es keinen Absteiger und wir wollen diese Frage immer sportlich beantworten. Unsere Aufgabe ist es, allen die Möglichkeit des sportlichen Aufstiegs zu bieten – nicht wie in der Super League, wo es Fixplätze gegeben hätte. Andererseits muss es neben dem Sportlichen auch wirtschaftlich und infrastrukturell Sinn machen, gerade beim Umstieg dritte/zweite/erste Liga, also an diesen Schnittstellen vom Amateur- bis zum Profifußball.

Das heißt, Sie respektieren einen freiwilligen Aufstiegsverzicht.

Ebenbauer: Ich ziehe meinen Hut vor Lafnitz, wenn sie sagen: Das geht sich nicht aus für uns. So etwas ist notwendig, denn es macht keinen Sinn, wohin zu streben, wenn die gegebenen Möglichkeiten nicht da sind. Ich stimme nicht ein in den Tenor, wenn ein Aufstiegsverzicht reflexartig gleich bedauert wird.

Im Westen hoffte die zweite Mannschaft von Wacker Innsbruck auf den Aufstieg in die zweite Liga, jedoch kam das Play-off gegen Vertreter aus Vorarlberg und Salzburg nicht zustande. Gibt es da noch eine Möglichkeit?

Ebenbauer: Auch Hertha Wels hat beantragt, mit dem 4. Platz aufsteigen zu du?rfen, da war die große Mehrheit im ÖFB-Präsidium dagegen. Wir ließen vergangenes Jahr ein Gutachten in Linz erstellen: Wenn die Saisonen nicht in beiden betroffenen Ligen zu Ende gespielt wurden, bekommt ein potenzieller Absteiger gegenüber einem möglichen Aufsteiger aus rechtlicher Sicht den Vorzug.

Und eine Aufstockung wäre nicht vorstellbar?

Ebenbauer: Wir schütten pro Saison 3 Mio. Euro an Vereine aus: Da geht’s um den Österreicher-Topf (Prämierung für den Einsatz heimischer Spieler, Anm.), um einen Sockelbetrag, um den Lizenzbonus, also ca. 150.000 Euro/Klub. Eine Aufstockung kostet viel Geld, allein an Produktionskosten, Schiedsrichterkosten, usw.

Der FC Wacker I hingegen darf als möglicher Viertplatzierter Relegation spielen. Spießt sich das nicht?

Ebenbauer: Keineswegs! Der Erst- und Zweitplatzierte hätten sich den direkten Aufstieg verdient, damit sportliche Durchlässigkeit nach oben gegeben ist. Die andere Regelung ist jung – maximal bis zum 8. Platz darf man über eine Relegation aufsteigen.

Der Österreichische Fußball-Bund steht vor Neuwahlen im Präsidium. Wie bewerten Sie die Ära von Leo Windtner?

Ebenbauer: Die Bundesliga ist im Wahl-Ausschuss vertreten, noch sind mir bis auf Leo Windtners Bereitschaft zu einer weiteren Periode aber keine Kandidaten bekannt.

Was Windtner anbelangt ...

Ebenbauer: Wir waren mit seiner Amtszeit bisher zufrieden.