tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 29. Mai 2021

Florian Madl

Aufgerieben zwischen zwei Fronten

Der FC Wacker Innsbruck schlingert nach dem Bundesliga Nichtaufstieg in eine ungewisse Zukunft. Vorstand und Geschäftsfu?hrung sind sich beim Tiroler Zweitligisten nicht grün, das blockiert das Vereinsgebaren.

Der deutsche Investor hält Zahlungen zurück, um den mit Tirolern besetzten Wacker-Vorstand zum Handeln zu zwingen, denn nur gewählte Vereinsvertreter sind befugt, Entscheidungen zu treffen. Und die stehen im Tagesgeschäft Fußball täglich an, der Transfermarkt kennt keinen Betriebsschluss. Eine klassische Patt-Situation, der Höhepunkt der seit Jänner aufgetretenen Unstimmigkeiten. Die Ankündigung, einen Wirtschaftsprüfer einzusetzen, trifft den Verein und dessen gewählte Funktionäre ins Mark, schließlich steht deren berufliche Reputation auch nach einem möglichen Ausscheiden vom Verein auf dem Prüfstand. Gleiches gilt allerdings für die Geschäftsfu?hrung, in der Dennis Aogo mit seinen Zigtausenden Instagram-Followern besonders in der Auslage steht. Der Einsatz, wenn man es so haben will, ist bei diesem Wacker-Roulette von allen Seiten ein hoher.

Der Wirtschaftsprüfung vorzugreifen, käme einer Präjudiz gleich, der Zeitpunkt der erhobenen Vorwu?rfe und die vom Vorstand umgehend verfasste Antwort lassen einen Showdown in den kommenden vier Wochen erwarten. Zeit genug, um das Image des Traditionsvereins nachhaltig zu schädigen, denn vor 20 Jahren (FC-Tirol-Pleite) wurde dieses letztmals in einer Form beschädigt, dass sich selbst der Nachfolgeverein nicht davon erholt. Die Betroffenheit im Land ist eine große, schließlich sehen die Fans den Verein Jahr für Jahr in einem Wechselbad aus Neuausrichtung und Abrechnung wieder. Ruhe, so scheint es, wird den Fans des Tiroler Fußball-Aushängeschilds nicht gewährt. Einmal ist es das Geld, einmal ein Trainer oder dessen Rauswurf. Allein die Chronologie in der Führungsetage lässt abgesehen von der Konstante Gerhard Stocker (gefühlter Ehrenpräsident) wenig Kontinuität erkennen.

Die Pläne sind hochtrabend, die Fallhöhe ist es leider ebenso. Es muss Klarheit einkehren, Transparenz, Planungssicherheit. Ob das mit dem Tiroler Vorstand geschieht oder mit der vom Investor eingesetzten Geschäftsführung, spielt letztlich keine Rolle. Nur miteinander kann es nicht weitergehen, das muss den Beteiligten klar sein. An einer unabhängigen Wirtschaftspru?fung fu?hrt kein Weg vorbei im Verein UND in der GmbH. Wer diese blockiert, hegt Eigeninteressen und stellt nicht den Verein in den Vordergrund.