tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 29. Mai 2021

Florian Madl

„Das ist kein Selbstbedienungsladen“

Die deutsche Geschäftsführung wirft dem mit Tirolern besetzten Wacker-Vorstand „finanzielle Unregelmäßigkeiten“ vor. Eine Prüfung folgt, die Fortsetzung der Schlammschlacht auch.

Innsbruck – „Wir wollen Transparenz“, eröffnete Ex-Nationalspieler Dennis Aogo sein gestriges Plädoyer zu den schweren Vorwürfen der Wacker-Geschäftsführung. Und sein Kollege Dennis Duve ergänzt wenig später: „Da geht es uns auch um Selbstschutz, schließlich sind wir in der Haftung.“ Die gestrige Online-Pressekonferenz war sozusagen der vorläufige Höhepunkt der Kalamitäten rund um die drei Geschäftsführer, die verlängerten Arme von Wacker-Investor Matthias Siems, auf der einen Seite. Auf der anderen: die fünf mittlerweile aus der Geschäftsführung zurückgetretenen Vorstandsmitglieder um Präsident Joachim Jamnig. Dort verwahrte man sich gegen die Anschuldigungen: „Wir haben zu den darin erhobenen Vorwürfen bereits schriftlich Stellung bezogen und unvermittelt klargestellt, dass diese jeglicher Grundlage entbehren und nicht den Tatsachen entsprechen.“ Eine Patt-Situation, denn keine der beiden Parteien ist handlungsfähig: die Geschäftsführung aufgrund des Vereinsrechts, das lediglich durch Wahlen legitimierten Funktionären die Entscheidungshoheit einräumt. Und die Vorstände aufgrund fehlender Gelder. Denn eines wurde im Zuge der gestrigen Pressekonferenz offensichtlich: Das Band zwischen den beiden Parteien ist durchschnitten, eine gemeinsame Zukunft ist nicht vorstellbar.

Wer in Zukunft die Verantwortung trägt, lässt Geschäftsführer Jens Duve offen. Aber sein Statement lässt auch diese Frage beantworten: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Auf Details wollte man sich gestern nicht einlassen, es sei „ein laufendes Verfahren“. Allerdings hält Duve auf Nachfrage fest, dass es sich um Beanstandungen in Höhe „mehrerer 10.000 Euro“ handelt. Der Verein sei „kein Selbstbedienungsladen“, man fordere eine „umfassende Untersuchung der Geschäftstätigkeit des Vereins“. Aogo: „Die Vorkommnisse liegen in der Vergangenheit, sind uns aber seit einigen Wochen bekannt. Dem sind wir natürlich nachgegangen. Und unsere internen Recherchen haben diese leider erhärtet. Deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer eine umfassende Untersuchung zu veranlassen.“ Nachsatz: „Ob es sich bei den uns bekannten Vorfällen nur um Einzelfälle handelt, ob fahrlässig, systematisch – oder schlicht unprofessionell – gehandelt wurde, das alles muss jetzt genau untersucht werden.“ Man biete dem Vorstand an, Selbiges (eine Wirtschaftsprüfung, Anm.) zu tun, und würde hierfür auch die Kosten übernehmen. Mehr könne man nicht tun, denn es fehle die Befugnis.

Als „Kommissar Aogo“ wollte sich der deutsche Ex-Nationalspieler nicht deklarieren: „Unser Anspruch ist es, transparent zu sein und ein professionelles Umfeld aufzubauen. Wir haben allerdings den Verdacht, dass das in der Vergangenheit nicht so war.“

Was den Investor anbelangt, spürt man laut Aogo „große Skepsis“. Der Hamburger bricht eine Lanze für Matthias Siems: „Wir glauben, dass hier viel Potenzial steckt. Das habe ich in meiner Karriere schon oft gehört, aber hier habe ich das Gefühl.“ Siems sei kein Immobilien-Mogul, dem es nur um Projekte ginge, das eine habe zudem mit dem anderen (Sport) nichts zu tun.

Vielsagend bleibt der Schlusssatz von Geschäftsführer Jens Duve, der Kommunikationsprobleme mit dem Vorstand nicht verhehlt: „Es ist viel Sand im Getriebe, aber wir würden hier nicht sitzen, wenn wir kein Interesse am Verein hätten.“