tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 29. Mai 2021

Christoph Geiler

Geschäftsführung gegen Vorstand: Schlammschlacht beim FC Wacker

 

Die neuen Geschäftsführer orten finanzielle Unregelmäßigkeiten, der Vorstand wehrt sich. Bei dem Zweitligisten ziehen dunkle Wolken auf.

Man möchte eigentlich meinen und erwarten, dass der Vorstand und die Geschäftsführung eines Fußballvereins den Doppelpass pflegen und in eine Richtung ziehen. Beim FC Wacker Innsbruck tun sich zwischen den beiden wichtigen Vereins-Organen riesige Gräben auf, inzwischen verkehren die Geschäftsführung der FC Wacker Innsbruck GmbH und der Klubvorstand praktisch nur mehr schriftlich oder gar über den Anwalt.

Am Freitag erreichte der mittlerweile offen ausgetragene Konflikt um Macht, Kompetenz und Einfluss eine neue Eskalationsstufe. Die drei Geschäftsührer der FC Wacker Innsbruck GmbH, in die der Profibetrieb ausgelagert ist, Dennis Aogo, Jens Duve und Dennis Duve, konfrontierten den Vorstand rund um Präsident Joachim Jamnig in einer Pressekonferenz mit schweren Vorwürfen. Sie wollen finanzielle Unregelmäßigkeiten ausgemacht haben. Dabei soll es sich um niedrige fünfstellige Beträge handeln.

„Die Vorkommnisse liegen in der Vergangenheit, sind uns aber seit einigen Wochen bekannt. Dem sind wir natürlich nachgegangen. Und unsere internen Recherchen haben diese leider erhärtet. Deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer eine umfassende Untersuchung zu veranlassen. Ob es sich bei den uns bekannten Vorfällen nur um Einzelfälle handelt, ob fahrlässig, systematisch – oder schlicht unprofessionell gehandelt wurde – das alles muss jetzt genau untersucht werden. Auch, ob dies neben der GmbH im Verein ebenso passiert ist", sagt Dennis Aogo.

Offene Schlammschlacht

Das fünfköpfige Wacker-Vorstandsteam reagierte umgehend und wies die schwerwiegenden Vorwürfe zurück. Sie würden "jeglicher Grundlage entbehren", heißt es in dem Schreiben und verweist auf die umfassenden wirtschaftlichen Prüfungen im Rahmen der Lizenzierung.

"Sämtliche Prüfungen und Beurteilungen der letzten Jahre, ob durch die Rechnungsprüfer des Vereins, die Generalversammlung, die Österreichische Fußballbundesliga im Rahmen der Lizenzierung oder durch externe Prüfer haben unserem FC Wacker Innsbruck stets ein gutes Zeugnis ausgestellt. Dem Ruf nach abermaliger Transparenz kommen wir selbstverständlich gerne nach."

Die Anschuldigen der Geschäftsführung demonstrieren nur das Zerwürfnis innerhalb des Vereins. Auf der einen Seite der Vorstand, auf der anderen die Geschäftsführer der Wacker-GmbH, die zugleich die Statthalter von Matthias Siems in Innsbruck sind. Der Hamburger Investor ist seit 14 Monaten beim Zweitligisten am Bord.

Stockers Freudentränen

Als die Partnerschaft im März 2020 öffentlich präsentiert wurde, hatte der damalige Präsident Gerhard Stocker Freudentränen in den Augen. Der stets finanzklamme Klub schien endlich einen seriösen Geldgeber gefunden zu haben. Man träumte von einer modernen neuen Nachwuchsakademie und der Rückkehr in die Bundesliga.

Inzwischen gibt's immer größere Zweifel daran, was Investor Matthias Siems mit dem Traditionsverein überhaupt im Schilde führt. Die vertraglich vereinbarten Gelder aus Hamburg ließen zuletzt immer wieder auf sich warten, zugleich wurde Druck auf die Vorstände ausgeübt. Es entsteht der Eindruck, dass Siems und seine Adjutanten ihren Einfluss bei Wacker Innsbruck ausbauen und auch den Vorstand neu besetzen wollen - das verhindern freilich die Statuten.

Wacker-Insider glauben, dass die Zahlungen ganz bewusst zurückgehalten werden, um die Vorstände zum Rücktritt zu drängen. Die Amtszeit der Vereinsführung endet offiziell erst 2023.

Die Wacker GmbH hat derweil bereits einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer bestellt, der über die Konten gehen soll. „Wir alle müssen uns mit den Vorkommnissen jetzt schnell auseinandersetzen und sie aufarbeiten. Alles muss auf den Tisch: Ob bei
der GmbH oder dem Verein – wir müssen wissen, ob Dinge falsch gelaufen sind. Uns geht es um Transparenz. Und Professionalität", sagt Dennis Aogo. "Uns allen ist auch bewusst, dass Wacker langfristig nur erfolgreich sein kann, wenn auf allen Ebenen professionell gearbeitet wird. Dafür müssen wir die Dinge jetzt schnell angehen und aufklären.“

Vorerst drängt freilich etwas anderes. In wenigen Tagen sollten wieder Gelder aus Hamburg eintrudeln. Am 31. Mai 2021 steht der nächste Zahlungstermin an, an dem Gehälter von Mitarbeitern und Spielern, sowie offene Rechnungen von Lieferanten überwiesen werden. Da wir anstehende und vertraglich besicherte Zahlungseingänge auf keinen Fall gefährden möchten, werden wir diesen Zahlungstermin abwarten und erst am 01. Juni 2021 wieder öffentlich kommunizieren", schreibt der Vorstand.

Die Zahlungen sind vorerst das dringlichste Problem des Traditionsvereins. Unklar ist, wie es danach mit diesem zerstrittenen Haufen weitergehen soll und auch kann. Schwer vorstellbar, dass sich Vorstand und Geschäftsführung in dieser personellen Besetzung noch einmal grün werden. „Es ist viel Sand im Getriebe, aber wir würden hier nicht sitzen, wenn wir kein Interesse am Verein hätten“, sagt Geschäftsführer Jens Duve.