tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 01. Juni 2021

Florian Madl

Nächster Paukenschlag beim FC Wacker: Geschäftsführer gefeuert

Die deutschen Wacker-Geschäftsführer verloren ihr Mandat nach kurzer Zeit wieder, Geld floss keines. Am Dienstag redet der Vorstand.

Innsbruck – Man kennt stallinterne Duelle wie dieses nur aus der Formel 1: Ayrton Senna gegen Alain Prost (1988–1989) oder Sebastian Vettel gegen Mark Webber (2009–2013) sind mit dem vergleichbar, was sich augenblicklich beim FC Wacker Innsbruck abspielt. Dort lauten die Konfliktparteien Vereinsvorstand gegen Investor. Noch im April wiegelte Präsident Joachim Jamnig Fragen zu den in der TT kolportierten Meldungen über verspätete Zahlungen ab, mittlerweile macht man von Vereinsseite daraus keinen Hehl mehr. Bei mehreren Lieferanten und Dienstleistern häufen sich die Außenstände im niedrigen sechsstelligen Bereich, die Gehälter trafen auch diesen Monat noch nicht ein, zuletzt jeweils mit Verspätung.

Der Investor will über seine verlängerten Organe Jens und Dennis Duve sowie Dennis Aogo Druck aufbauen, wie es vergangene Woche in einem Medienauftritt hieß. Doch seit Montag scheint die nächste Eskalationsstufe erreicht: Das Trio Duve/Duve/Aogo ist nach der Installierung im Mai nicht mehr im Amt, das Geschäftsführer-Mandat wurde gestern wegen „Gefahr in Verzug“ vom Vorstand entzogen. „Wir haben nur eine transparente und unabhängige Untersuchung gefordert – im Sinne des Vereins, mit allen Beteiligten. Dazu waren und sind wir nach wie vor vollumfänglich bereit. Schließlich geht es um Wacker. Um so überraschter sind wir über unsere plötzliche Abberufung“, sagte Aogo.

Glaubt man Kiebitzen, so seien zwar in den vergangenen Monaten seit der Bekanntgabe der Partnerschaft (Mai 2020) über 2,7 Millionen Euro geflossen, allerdings fehlt auf die vereinbarte Budgetsumme eine knappe Million Euro. Die Vorwürfe der Investor-Seite: „finanzielle Unregelmäßigkeiten“. Konkret seien Spieler mit Aufwandsentschädigungen bezahlt worden, manche als Hausmeister oder Nachwuchstrainer angemeldet worden. Konkret dazu äußern wollte man sich nicht.

Erklären will sich der Vorstand erst am Dienstag öffentlich, man hatte die Vorwürfe allerdings zuletzt dementiert. Das dürfte auch mit der rechtlichen Situation zu tun haben. Motto: Wer sich zu früh aus der Deckung wagt, muss mit einem juristischen Gegenschlag rechnen.

Das Tuch ist zerschnitten, mittlerweile werden bereits Szenarien durchgespielt. So sollen die Wacker-Vorstände bereits beim Land vorstellig geworden sein, um die Anfrage auf Förderungen für das kommende Spieljahr in der zweiten Liga zu konkretisieren. Das belief sich im Zweitliga-Jahr 2019/20 auf vier Millionen Euro, bevor die Hamburger Finanzspritze die Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft wachsen ließ.

Wie ginge man im Fall eines Ausstiegs von Investor Matthias Siems mit Großverdienern wie Ronivaldo um, dessen Gehalt sich bei 12.000 Euro brutto/Monat einpendelt? Die andere Variante: Die deutsche Seite gewinnt den Machtkampf. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, bekräftigte Investor-Adlatus Jens Duve beim letzten Pressegespräch. Das wollte man gestern auch noch bei Fan-Gesprächen klarmachen.