tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 02. Juni 2021

Gernot Gsellmann

„Das Tischtuch ist längst zerschnitten“

Der Vorstand von Wacker Innsbruck trat gestern an die Öffentlichkeit – skizzierte ein verheerendes (Sitten)Bild von Investor Matthias Siems und seinem Dreier-Gefolge

"Wir möchten uns entschuldigen. Bei allen Fans und Mitgliedern, die uns bei der letzten Wahl das Vertrauen gegeben haben – auch für die Investor-Suche!“ Nicht irgendwelche Worte, die Vorstandssprecher Felix Kozubek gestern zur Eröffnung der Pressekonferenz wählte. Ehrlich emotionale. „Aber am Anfang hat ja wirklich so viel gepasst.“

Nach Monaten des Schweigens trat die schwarz-grüne Führungsriege gestern an die Öffentlichkeit. Und skizzierte dabei, wie Matthias Siems seit Jänner im „Diktator“-Stil immer heftiger handelte bzw. verweigerte. Auch mit Beweisen, die schockierend und erschütternd sind.
Alles mündete schlussendlich in richtigen Erpressungsversuchen. Wie zum Beispiel am 6. April, als er Klub-Boss Joachim Jamnig per E-Mail aufforderte: „Entweder wirst du als Präsident zurücktreten oder der Klub geht in Insolvenz!“

Zu diesem Zeitpunkt gelangten die Zahlungen aus Hamburg schon längst nicht mehr rechtzeitig, nicht im vertraglich festgehaltenen Rahmen in Innsbruck ein. Dafür aber 30 großteils absurde Forderungen. So traten auch Thomas Kerle und Alfred Hörtnagl aus der Geschäftsführung zurück, um Dennis und Jens Duve sowie Dennis Aogo Platz zu machen, damit die Euros wieder fließen. Ein Irrglaube. „Glaubt ihr, es interessiert mich, ob die Mitarbeiter ihr Geld rechtzeitig haben? Ob es den Verein noch gibt?“

Große Rückstände

Der Hamburger hat mittlerweile einen hohen sechsstelligen Betrag (700.000) in Innsbruck offen. Obwohl er noch einen gültigen Vertrag bis 2023 hat. „Und der wird auch eingehalten werden“, stellt Jamnig klar. Wenn nötig auch mit einer Klage. „Aber sollte er allen finanziellen Forderungen nachkommen, werden wir bei der nächsten Generalversammlung zurücktreten, wenn er das will.“ Zum Wohle des Vereins ...

Die zuletzt beweislosen Anschuldigungen von Aogo auf finanzielle Ungereimtheiten brachten das Fass zum Überlaufen. „Das Tischtuch ist zerschnitten“, muss auch Jamnig anerkennen. Dieses Projekt kann als gescheitert angesehen werden.