tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 02. Juni 2021

TT

Das Wacker-Pingpong geht weiter

Gestern wandte sich der Wacker-Vorstand emotionsgeladen an die Öffentlichkeit – und erstmals offensiv gegen die Investoren-Seite. Auch das Gerücht über einen neuen Geldgeber macht bereits die Runde.

Von Tobias Waidhofer

Innsbruck – Man sah Felix Kozubek, dem Vorstandssprecher des FC Wacker, gestern an, dass er etwas loszuwerden hatte. Mit Tränen in den Augen meinte er: „Es ist eine Schmutzkübel-Kampagne, die ich im Fußball in Österreich, in Tirol noch nie gesehen habe. Irgendwelche Vorwürfe zu formulieren, ohne konkret zu werden oder Beweise vorzulegen, damit in die Öffentlichkeit zu gehen, entbehrt jeglicher Grundlage. Ich habe mehrere Monate für den Verein auf Gehalt verzichtet, dann kommen drei Typen daher und hauen solche Vorwürfe raus ...“

Bumm! Wer glaubte, dass das Verhältnis zwischen Investor Matthias Siems sowie seinen Vertrauten Dennis Aogo und Jens und Dennis Duve auf der einen und dem Vorstand des FC Wacker auf der anderen Seite noch irgendwie zu verbessern sei, der wurde gestern endgültig eines Besseren belehrt. Das Tischtuch ist zerschnitten. Und flicken ist unmöglich.

Nachdem die Geschäftsführer (Aogo, J. Duve, D. Duve) in der Vergangenheit „finanzielle Unregelmäßigkeiten“ ausgemacht haben wollen, reagierte der FCW-Vorstand nun mit vier Maßnahmen: 1. die bereits durchgeführte Absetzung der drei Geschäftsführer; 2. der Vorstand tritt bei der nächsten ordentlichen Generalversammlung zurück, aber nur sofern die Gelder des Partners gesichert sind; 3. eine Wirtschaftsprüfung wird – wie gefordert – zugelassen; 4. der Vorstand behält sich eine juristische Überprüfung der Vorwürfe vor. „Diese haben genau ein Ziel, nämlich dem Investor eine Exit-Strategie (das wäre z. B. eine Insolvenz, Anm.) zu ermöglichen und einen Scherbenhaufen zu hinterlassen. Das lassen wir uns nicht gefallen“, meinte dazu der wiedereingesetzte Finanzvorstand Thomas Kerle, der mit seinen Vorstandskollegen auch inhaltlich zum Gegenangriff blies.

Erste atmosphärische Störungen seien bereits früh erkennbar gewesen, vertraglich festgelegte Zahlungen immer wieder mit Forderungen (z. B. dem Einsetzen neuer Geschäftsführer) verbunden gewesen. Auch der Ausrüsterwechsel, obwohl der Vertrag mit Macron noch ein Jahr gelaufen wäre, war so ein Punkt. Zuletzt kamen die Gelder gar nicht mehr, zuvor meist verspätet – einen hohen sechsstelligen Betrag sei Siems bereits schuldig. „Glaubt ihr, mich interessiert es, ob die Mitarbeiter ihr Gehalt pünktlich bekommen“, soll Siems gesagt haben.

Irgendwann sei die Kommunikation schlicht nicht mehr möglich gewesen. Wie geht es jetzt weiter? Laut Wacker-Vorstand gibt es drei Optionen: Entweder der Investor kommt seinen Verpflichtungen nach, oder es findet sich ein alternativer Partner – es soll dem Vernehmen nach bereits Gespräche geben. Variante C ohne Partner würde eine drastische Budgetkürzung nötig machen.

Eines ist aber klar: „Es ist für uns als Vorstand keine Option mehr, mit diesem Investor zusammenzuarbeiten“, so Präsident Joachim Jamnig, der einen Tiroler Zusammenhalt beschwört: „Wir brauchen ein Statement für Tirol und keines für Hamburg.“ Die Zukunft ist ungewiss. Wieder einmal. „Wir werden alles versuchen“, antwortet Jamnig auf die Frage, ob er garantieren könne, dass man ein Profi-Team aufstellt. Sportlich sind Ali Hörtnagl vorerst die Hände gebunden.

von Florian Madl

Innsbruck – Nahezu zeitgleich mit der Vorstands-Pressekonferenz des FC Wacker Innsbruck traf die TT mit den vormaligen Geschäftsführern zusammen.

Das sagt Dennis Aogo über...

...die Vorstands-Ankündigungen, eine Prüfung durchführen zu lassen: „Damit ist unsere Forderung erfu?llt. Der Vorstand hat ja heute selbst Fälle genannt. Uns sind weitere bekannt, denen man nachgehen muss.

...den Vorwurf, eine Kampagne gegen den Verein zu führen: „Das ist natürlich absurd. Wir haben niemanden persönlich beschuldigt oder angeklagt. Tatsächlich wurden wir heute namentlich beschuldigt.“

...die Zukunft: „Man spricht über verschiedene Szenarien. Auch das Gerücht von einem zweiten Investor ist aufgetaucht.“

...den neuerlichen Zahlungsverzug: „Der Investor wollte gestern (am Montag) Geld freigeben, zuerst einmal Gehälter u?berweisen, dann nach und nach den Rest nach Prüfung durch Wirtschaftsprüfer. Die Gehälter machen 150.000 Euro aus.“

...die Außenstände: „Wir kennen nur die GmbH, die Außenstände liegen bei 600.000 Euro. Ein Posten allein macht davon allerdings 200.000 aus (Ausru?ster) sowie 125.000 fu?r Gehälter fu?r die GmbH. Der Rest ist fu?r uns nicht einsehbar. Die Zahlung der Gehälter war u?brigens seitens des Investors zum 31.5. schriftlich zugesagt, aber da kam morgens ja unsere Abberufung.“

...über die Vorwürfe im Detail: „Es ist ein laufendes Verfahren, daher können wir nicht viel dazu sagen. Unsere Anwälte haben uns empfohlen, nicht mit Details rauszugehen.“

...den Verdacht: „Uns sind mehrere Sachen aufgefallen, dem wollen wir nachgehen.“

...die Zahlungsverzögerungen: „Man muss Matthias Siems verstehen, dass er nicht überweist, wenn er keinen Zugriff und keine Einsicht hat. Uns wurden am Montag alle Konten gesperrt, auch die E-Mail-Zugänge. Wir haben mit dem offiziellen Verein derzeit nichts mehr zu tun.“

...den Ausgang: „Wenn die Vorwu?rfe entkräftet werden, was wir nicht glauben, haben wir das mit der Prüfung dennoch richtig gemacht.“

...einen Rechtsstreit: „Wir müssen handlungsfähig bleiben, am Ende geht es um den Verein. Es geht nicht, wenn wir uns gegenseitig blockieren. Ein Rechtsstreit kann sich Monate oder Jahre hinziehen.“

...über seine Vorstellungen: „Ich kann mir keine Unregelmäßigkeit erlauben, es steht auch meine Reputation auf dem Spiel.“

...die Personalsituation: „Ein Miteinander ist nicht mehr vorstellbar, das ist wohl jedem klar. Das gilt aber wohl für beide Seiten.“

Jens Duve, verlängerter Arm des Investors, zur künftigen Vereinsspitze: „Wichtig für Wacker wird sein: Jetzt schnell die Vorstandsfrage zum Wohl des Vereins zu klären. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung, wo die Mitglieder einen neuen Vorstand wählen können, dem sie den nächsten großen Schritt zutrauen, ist wohl für alle das Beste. Aber es geht auch darum, jetzt wieder schnell arbeitsfähig zu werden. Uns – und auch dem Investor – geht es um Wacker.“