tivoli12 - das schwarz-grüne magazin

Ausgabe: 10. Juni 2021

Florian Madl

Von Dubai über Hamburg bis Tirol

2,7 Millionen Euro steckte Investor Matthias Siems bisher in den FC Wacker Innsbruck. Die Hoffnung auf weitere Zahlungen schwindet zusehends. Die Vereinsverantwortlichen vertrauten einem Hamburger Phantom.

Innsbruck – „Ich glaube, das Schönste ist es, wenn man als Investor irgendwann überflüssig ist“, hatte Investor Matthias Siems vor acht Wochen in einem TT-Interview gemeint. Der vormalige „Mann ohne Namen“, den die Wacker-Verantwortlichen angesichts dessen Öffentlichkeitsscheu nur „Otto“ nannten, bekam damals zumindest für eine Handvoll Medienvertreter ein Gesicht. Es gibt ihn also im realen Leben, virtuell allerdings kaum:

Wer ihn sucht, wird nämlich im Internet kaum fündig. Dafür sorgt auch seine Anwaltskanzlei, die unverhohlen mit rechtlichen Schritten droht, sollte man die Privatsphäre ihres Klienten verletzen. Der FC Wacker konnte sich davon in den vergangenen Wochen mehrfach überzeugen.

Als Siems Mitte April vor die Presse trat, um sich und seine Stadtteil-Pläne mit Innsbruck kundzutun, argumentierte der Deutsche plausibel: Er wolle im Hintergrund bleiben, da nicht jedes Investment aufgehe und nicht andere Projekte gefährdet werden sollten. Zwischen Los Angeles und Dubai, zwischen Hamburg, der Côte d’Azur und mittlerweile Innsbruck sind unternehmerische Spuren des 42-Jährigen zu finden. Um diesen Mann, der als Wacker-Investor für gehöriges Aufsehen sorgt, ranken sich viele Geschäftsmodelle.

Bei der TT meldeten sich im Zuge der Berichterstattung allerdings auch Leute aus Hamburg, etwa ein Lokalbesitzer: Siems habe schon einen anderen prominenten Fußballer ins Boot holen wollen, damals sei es um den langjährigen Bundesliga-Dino HSV gegangen. Vom Traditionsclub kommt nun Dennis Aogo, Ex-Nationalspieler, Kurzzeit-Geschäftsführer und Wacker-Hospitant. Der 34-Jährige soll in Dubai weilen, um mit Investor Siems weitere Schritte zu besprechen. Mit dem FC Wacker kommuniziert man indes nur noch über Anwälte.

Die Spur von Matthias Siems führt bis nach Bremervörde, ein 18.000-Einwohner-Städtchen unweit von Hamburg, wo Siems früher als erfolgreicher Ruderer in einer Festschrift aufscheint, weniger erfolgreich sei er als Fußballer aufgetreten. Dort, in Niedersachsen, kennen ihn Einheimische nicht als Sohn einer „alteingesessenen Kaufmannsfamilie“, wenngleich die Anwaltskanzlei in einer Anfragebeantwortung darauf beharrt: Es treffe zu, „dass der Mandant (mütterlicherseits) einer alteingesessenen Hamburger Kaufmannsfamilie“ entstamme.

2,7 Millionen Euro wurden bereits an den FC Wacker Innsbruck überwiesen, ehe der Geldfluss versiegte. Und wenngleich ihn das Portfolio seiner Taru Global Family Holding Trust GmbH in Hamburg als ehrgeizigen Investor mit über 150 Projekten in den Bereichen Medizin (Legal Cannabis), E-Sports, Immobilien-Entwicklung, Anti-Terror-Einrichtung oder Online-Bezahlvorgänge ausweist (Volumen 1,7 Mrd. Euro), rechnet im Verein kaum einer mit weiteren Zahlungen. Noch beharren Siems’ Mitarbeiter mit seinem Vertrauensmann Jens Duve an der Spitze auf einer gemeinsamen Zukunft, aber mit jedem verstrichenen Zahlungstermin rückt diese Hoffnung in weite Ferne. Nächster Anhaltspunkt: der 15. Juni.