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Ausgabe: 13. April 2021

Kronen Zeitung

Wenn der Wacker zockt

Eine Facette der Gaming-Industrie ist der E-Sport. Die öffentlich ausgetragenen Spiel-Events ziehen mittlerweile ein Millionenpublikum an. Auch der FC Wacker hat bereits eine Tochtergesellschaft: Wacker Gaming. Die „Tiroler Krone“ hat mit Nikolaus Staudacher und Felix Kozubek gesprochen:

Wie kam der FC Wacker zum E-Sport?

Kozubek:
E-Sport ist etwas Neues für uns. Der Wacker ist ja ein Fußballverein. Wir haben 2019 begonnen, als wir von der Bundes- in die zweite Liga abgestiegen sind. In dieser Chaoszeit sind drei Jungs auf mich zugekommen: Sie hätten einen FIFA-Pro-Klub-Verein und ihr größter Traum ist es, dass sie das als Wacker Innsbruck machen dürfen. Das taten sie ein Jahr lang weit unter dem medialen Radar und dann, im März 2020, hat Wacker einen Investor bekommen. Der hat von vornherein gesagt: „Wenn ich in Wacker investiere, dann nur, wenn ihr auch E-Sport macht.“ Das traf sich super.
Staudacher:
Als Fußballverein haben wir mit Fußball, also FIFA, angefangen. Da haben wir die „international heroes“, das sind zwei gestandene E-Sportler. Einer war 2017 Vizeweltmeister und hat auf YouTube 70.000 Follower, der andere war auch bei der E-Bundesliga und hat auf Twitch knapp 20.000 Follower – dementsprechend produzieren die auch viel Content für uns. Dann haben wir die „local heroes“, das sind Tiroler, die ganz stark sind. Die trainieren bei uns, sie bekommen bei uns eine 360 Grad-Betreuung.

Fitness ist essenziell

Worum kümmert sich die?

Kozubek:
Grundfitness ist ein wichtiges Thema, weil, wer mental voll fit sein und unter Zeitdruck Entscheidungen treffen muss, muss auch körperlich fit sein. Es geht auch um Prävention und Verbesserung der Hand-Augen-Koordination.
Staudacher:
Dann haben wir noch einen Mental-Coach, der jede Woche im Einzelgespräch mit den Spielern ist. Da geht’s um Turniere oder um die Work-Life-Balance. Wir bieten aber auch an, Termine, Social Media und Vermarktung zu betreuen.

Ist E-Sport in Fußballvereinen üblich?

Kozubek:
Der Ansatz, den wir fahren, ist in Österreich sicher einzigartig. Das macht kein anderer Verein so. Der Fußball hat aber auch erkannt, dass die Fans immer älter werden und wir wieder eine junge Zielgruppe brauchen. Da ist E-Sport eine Möglichkeit. Da gibt es zum Beispiel von der Bundesliga die Initiative „E-Bundesliga“. Aber dass ein Fußballverein ein eigenes Unternehmen gründet und quasi das gleiche macht wie im Fußball, nämlich Spieler zu haben, mit denen zu arbeiten, das zu vermarkten: Das machen in Österreich nur wir. Mit Abstrichen auch Red Bull Salzburg ein bisschen, aber nicht so groß.

Viel mehr Reichweite

Staudacher:
Die meisten Fußballvereine konzentrieren sich nur auf das digitale Fußballspiel, auf FIFA. Wir haben aber immer gesagt, wenn wir schon in den Gaming-Markt einsteigen, der inzwischen der größte Unterhaltungssektor weltweit ist, dann wäre es eigentlich fahrlässig, sich nur auf einen Titel zu konzentrieren, der zwar im Dachraum sehr wichtig ist, aber international im E-Sport eher unwichtig. Da gibt es so Titel wie League of Legends (LOL), die wesentlich mehr Reichweite, mehr Teilnehmer, mehr Spieler und mehr Preisgelder haben.

Das heißt, ihr spielt auch Spiele, die nicht in erster Linie mit Sport zu tun haben?

Staudacher:
Genau. Bei LOL haben wir eine Mannschaft und spielen in der dritthöchsten Dachliga. Das ist der weltweit wichtigste Titel. Beim Finale schauen da 45 Millionen Fans gleichzeitig im Livestream zu.

Und die Spieler stehen bei euch unter Vertrag?

Kozubek:
Kommt auf den Spieler an, wir haben Schüler, Studenten und Berufstätige. Die Vollprofis haben auch einen Vollprofi-Vertrag, davon kann man leben. Andere haben den Jung-Profi-Vertrag mit geringfügiger Bezahlung. Sie können aber nebenher ihre Ausbildung machen und sind Anwärter auf einen Profi-Vertrag.

Die Besten gut im Blick

Gibt es auch Hobbyspieler, die sich bei Wacker melden?

Kozubek:
Ja, für genau diese haben wir Scout-Turniere und die Besten haben wir dann natürlich gut im Blick.
Staudacher:
Bei LOL haben wir ein so genanntes Try-Out veranstaltet, da können Spieler ab einem gewissen Level mitmachen.

Sind es überwiegend Männer, die sich bei euch melden?

Kozubek:
Ja. Beim Gaming an sich ist die Statistik knapp 50:50. Aber E-Sport ist eine klare Männerdomäne. Wobei es auch viele Zuschauerinnen gibt. Alle Türen stehen aber bei uns offen, wurscht ob Männlein, Weiblein oder sonst was – es geht um einen guten Charakter und gute Skills.
Staudacher:
Ja, das ist einer der größten Vorteile im Gaming, dass es wirklich für fast jeden zugänglich ist.