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Ausgabe: 15. April 2021

Georg Fraisl

Hier spricht der Herr Unbekannt

> Foto darf man von Wacker Innsbrucks Investor keines machen, ein Gespräch hat der Hamburger Matthias Siems jetzt aber doch erlaubt > Die Ziele: E-Sport soll Klub finanzieren, er will Tivoli-Gründe kaufen

Fangen wir einmal anders an: Wer sind Sie?

Ich bin Matthias aus Hamburg und Chairman der Taru-Group. Eine Firma, die sich an Firmen beteiligt, diese begleitet und versucht, sie nachhaltig auszurichten. Investment-Fokus: acht bis zwölf Jahre.

Warum so viel Geheimnis?

Als Investor erlebt man erfolgreiche Zeiten und Projekte, die nicht so laufen. Schön bei Erfolg in der Presse zu stehen, aber das ist nicht die Normalität. Von zehn Projekten gehen sechs in die Hose. Und man kann nicht bestimmen, wofür man in der Presse steht. Daher will die Firma so unbekannt sein, wie es nur geht.

Jetzt nicht mehr?

Wir haben in Innsbruck zum ersten Mal die Erfahrung mit Fußball. Fußball ist emotionaler als Wirtschaft. Und es haben sich Fragen ergeben – im Vorstand haben wir daher beschlossen zu sagen, was wir eigentlich vorhaben.

Warum Innsbruck und nicht der HSV?

Weil ich die Kombination E-Sport und Fußball als Strategie priorisiere. Der deutsche Bundesliga-Fußball ist ein sehr getriebener, da ist bei Sponsoren die Mittelverwendung exakt für Fußball vorgegeben. Würde man dort sagen, wir konzentrieren uns zu 50 Prozent auf E-Sport, fragt man, ob wir irre sind. In der Zweiten Liga in Österreich sind ganz andere Möglichkeiten. Auch mehr Zeit und Geduld, weil das Investment nicht so dramatisch hoch ist, wie in Deutschland. Zudem war ich mit meinen Eltern früher zweimal im Jahr in Tirol Skifahren. Hier kann man eine gute Zeit verbringen.

Wie sieht Ihre Vision mit der Mannschaft aus?

Wir wollen mittelfristig ein solider Bundesliga-Klub sein, der nicht Gefahr hat, wieder abzusteigen, sondern vielleicht auch mal höher spielt. Das ist das Ziel. In den nächsten vier bis sechs Jahren. Und das wollen wir so machen, dass der Investor überflüssig ist. Indem man neue Geschäfte aufbaut, wie zum Beispiel E-Sport, die soviel Profit bringen, dass der Klub unabhängig ist.

Aufstieg schon heuer?

Dass wir immer noch im Rennen sind, ist eher ein glücklicher Umstand. Wenn es so ist: toll. Wenn ich aber lese, Bierofka oder Hörtnagl unter Druck – Quatsch. Ich bin mit der Arbeit zufrieden und sicher keiner, der die Pistole auf die Brust setzt.

Präsident Joachim Jamnig war kürzlich auch unter Druck. War das konkret?

Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit von Joachim und seinem Team, ich habe ihn nicht kritisiert.

Man sprach auch von zögerlichen Zahlungen aus Hamburg. Stimmt das?

Ich bin nicht der, der am PC sitzt und die Überweisungen macht. Ich habe auch keine Info, dass es eine Verzögerung gegeben hätte.

Es soll ein neues Tivolistadion geben?

Wir hatten die Vision, das Stadion zu optimieren. Und die Idee, eines aus Holz zu bauen. Das ist nicht einfach. Der Plan ist derzeit, die städtischen Gründe, auf denen das Stadion steht, zu kaufen. Mal sehen ...

Und wann?

Die Architekten haben schon gezeichnet. Wir hätten Lust, das 2022 zu starten. Realistisch ist aber eher 2024.