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Ausgabe: 17. Februar 2022

pn, floh

"Versprochen, aber nichts geliefert"

Tirols Sportreferent Josef Geisler lässt sich von den Wacker-Verantwortlichen nicht mehr länger hinhalten: Wenn bis kommende Woche keine Unterlagen eintrudeln, werde es keine finanziellen Zusagen geben.

Innsbruck - Für den Sportreferenten des Landes, Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler, stellt sich die Situation rund um Wacker Innsbruck "unwirklich" dar. "Wenn von einer guten Gesprächsbasis die Rede ist, kann ich mich nur wundern." Mehrmals habe man in den vergangenen Wochen darum gebeten, dass die Unterlagen zum neuen Investor bzw. über die wirtschaftliche Situation des Vereins vorgelegt würden. "Ebenso oft wurde uns das versprochen, bisher aber nichts geliefert", ärgert sich Geisler. Das Land hat deshalb vorübergehend die Subventionen eingefroren, ob es für die kommende Spielsaison 2022/2023 erneut 320.000 Euro gibt - davon 60.000 Euro für die Profi-Abteilung -, hängt jetzt vom Verein ab.

Mittlerweile schwindet bei Geisler die Zuversicht, dass sich die neue Vereinsführung um den designierten Präsidenten Kevin Radi der Situation bewusst ist: "Wie sollen die Lizenzierungsunterlagen bis 15. März zeitgerecht vorliegen, wenn Radi nicht einmal unserem Bitten nachkommt?" Der Sportreferent will allerdings nicht mehr "bitten und betteln", sondern setzt Wacker Innsbruck ein Ultimatum. "Bis nächste Woche müssen alle Unterlagen auf dem Tisch liegen. Wenn nicht, wird es keine finanziellen Zusagen für die kommende Saison geben." Das gelte übrigens auch für die Landessgesellschaften wie den Landes-Energieversorger Tiwag oder die Hypo Tirol Bank, die Wacker Innsbruck bisher als Sponsoren unterstützen. " Der Imageschaden  für das Sportland Tirol ist bereits da, ich kann die Vorgangsweise von Radi und Co. nicht nachvollziehen."

Geisler hat gestern übrigens mit dem namensgleichen Tiroler Fußballpräsidenten Josef Geisler telefoniert. Dem ergeht es mit der neuen Wacker Führungsriege ähnlich. "Ich hoffe nach wie vor im Sinne der Nachwuchsfußballer, dass die Vereinsführung endlich ihrer Verantwortung gerecht wird", betont der Landeshauptmannstellvertreter abschließend.

Auch der Zillertaler TFV-Boss kann sich über die Aussagen, die am Dienstagabend in der Online-Mitgliederversammlung getätigt wurden, nur wundern: Demzufolge hätte es "super Gespräche mit dem Fußballverband gegeben", Das Verbandsoberhaupt bestätigt zwei Telefonate, aber eben kein Zusammentreffen mit dem geschilderten Inhalt: "Mit mir jedenfalls nicht."

Ebenfalls eine unterschiedliche Wahrnehmung dürfte es in Bezug auf Gespräche mit der Landespolitik geben. Während LHStv. Geisler der entsprechenden Übermittlung der Unterlagen harrt, konkretisierte Radi gegenüber den Fans: Es sei nicht so, wie es nach außen dargestellt würde. Damit das Land Förderungen freigeben könne, müsse man natürlich wissen, wie es weitergehe. "Und auch diese Unterlagen werden wir zum gegebenen Zeitpunkt offenlegen und dadurch wird es keine Probleme mit der Förderung geben." Kurioser Nachsatz: Seinen Aussagen zufolge stehe das Land auch dahinter.

Das Adjektiv "super" wurde am Dienstagabend übrigens mehrmals bemüht, man führe "überall super Gespräche." Aber Projekte würden dauern und die Umsetzung brauche halt Zeit. Dass man vor vier Wochen "eigentlich insolvent" gewesen sei, wollte Kevin Radi allerdings nicht verhehlen. Immer wieder ging der Innsbrucker auf den desaströsen Zustand des Vereins vor seiner Übernahme ein. Und dass man bereits "mehrere 100.000 Euro" zur Rettung des Vereins investiert habe, rechtfertige auch die kritischen Worte zum alten Vorstand.