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Ausgabe: 03. April 2022

Florian Madl

"Die Entlastung des alten Vorstands war sehr überraschend"

Ex-Wacker Investor Matthias S.[Anm.: Name entfernt] und sein verlängerter Arm Jens Duve im Gespräch: über den Abschied und was ihrer Meinung nach passierte.

Wie traten die von Ihnen und Ihrer Gruppe angeführten Ungereimtheiten beim FC Wacker zutage?

Jens Duve/Matthias S. [Anm.: Name entfernt]: Im Oktober 2020 sind Dennis Duve (ehemals Geschäftsführer) und sein Team vermehrt in Innsbruck gewesen. Dadurch haben wir viele Dinge im Verein und um den Verein hautnah mitbekommen. Auf Fragen unsererseits wurde kaum bis gar nicht geantwortet, der Zugang zu wichtigen Unterlagen der GmbH und des Vereins wurde uns verweigert (Verträge, Buchhaltung und Personalunterlagen, Anm.). Das kam uns sonderbar vor und bestätigte uns, dass hier etwas nicht stimmt. Wir haben ver sucht, unser Know-how aus der Wirtschaft in den Sport zu transportieren, um seriös zu arbeiten. Dies sind wir aus unserem Geschäftsleben so gewohnt und da gibt es auch keinen Spielraum. Mit dem oft zitierten Satz des Vorstandes „Das machen wir schon immer so und im Übrigen die anderen auch“ konnten wir uns nicht zufrieden geben.

Konnten Sie mittlerweile offene Themen klären?

Duve/S.[Anm.: Name entfernt]: Wir übergaben die Aufgaben unseren Juristen. Einsicht in die relevanten Dokumente gewährte man uns bis heute nicht. Wir müssen doch daran arbeiten, dass so etwas in der Zukunft nicht mehr passieren kann. Der nächste Investor hat doch ähnliche Erfahrungen gemacht, und der aktuelle wird vielleicht auch seine Erfahrungen machen, das ist doch schlecht für den FC Wacker. Es ging sogar so weit, dass einem neutralen Wirtschaftsprüfer, der bisher NICHT für den Verein gearbeitet hat, der Zutritt zur Geschäftsstelle im Sommer 2021 verweigert wurde.

Was ist jetzt Ihr Ziel?

Duve/S[Anm.: Name entfernt]: Wir wollten einfach Aufklärung, um mit ruhigem Gewissen den FC Wacker als Förderer in die Zukunft zu führen. Das wollte man seitens des Vorstands nicht als Ziel aussprechen. Der weitere Verlauf in den
Medien ist bekannt. Hinzufügen möchten wir, das die Entwicklung von Immobilienprojekten in Tirol keine Rolle spielte. Wir haben keine Ahnung von Immobilien und hatten mit diesem Thema noch nie etwas zu tun. Ein neues Stadion
aus Holz zu bauen, war eine Vision, die wir gemeinsam erarbeitet hatten. Für dieses Vorhaben standen die Investoren aus unserem Netzwerk bereit. Ein Stadion aus Holz – das wäre doch toll!

Es hieß, Sie hätten sich mit Ihrem mittlerweile auch verabschiedeten Nachfolger Michail Ponomarev und dem nunmehrigen Präsidenten Kevin Radi kurzgeschlossen.

Duve/S.[Anm.: Name entfernt]: Ponomarev ging es ähnlich wie uns, wir sind im Austausch, um aufzuklären, was uns gleichermaßen passiert ist. Herrn Radi kenne ich nicht weiter und wünsche ihm alles Gute. 

Wie beurteilen Sie die Vorgänge der vergangenen Wochen?

Duve/S.[Anm.: Name entfernt]: Uns wundert, dass bei der Jahreshauptversammlung zuletzt keine kritischen Fragen gestellt wurden. Die Entlastung des alten Vorstands war sehr überraschend.

Nennen Sie bitte ein Beispiel, das Ihr Vertrauen erschütterte!

Duve/S.[Anm.: Name entfernt]: Wir überwiesen dem Verein in den ersten Wochen der Corona-Zeit 50.000 Euro, um damit einkommensschwache Leute aus der Region im Zuge der Pandemie zu unterstützen. Als wir dann fragten, was
mit der Spende passiert sei, hieß es: Damit wurden Gehälter beglichen. Wir empfinden diese Handlung als falsch und zweckentfremdet. Dass der Präsident dann aus eigener Tasche das Geld wieder eingezahlt hatte, löst doch nicht dieses Thema auf!

Die Höhe der Administrationskosten (1,2 Mio. Euro in der Saison 2020/21) verblüfft. Wohl kein anderer österreichischer Zweitligist kommt auf solche Beträge.

Duve/S.[Anm.: Name entfernt]: Als Vorstandsmitglieder haben wir zwischen 9000 und 14.000 Euro Grundgehalt plus Bonus bezahlt. Die Vorstände konnten somit zwischen 150.000 und 200.000 Euro pro Jahr verdienen – plus
Firmenwagen, Reisekosten etc. Das sollte ein Vertrauensvorschuss auf außergewöhnliche Leistungen sein. Unsere Seite wurde erfüllt. Interessant an diesem Thema ist, dass der Vorstand sogar einen Beschluss über Extra-Gehälter positiv beschlossen hatte.

Was ist denn mit den Berichten um Nike und Udo Lindenberg?

Duve/S.[Anm.: Name entfernt]: Der Ausrüsterwechsel würde im Team mit einer Entscheidungsmatrix gemeinsam als finanziell und imagemäßig als besten Partner ausgewählt. Es ist hierbei auch einmal mitzuteilen, dass das Eingreifen meiner Person in den operativen Betrieb niemals stattgefunden hat. Ich war zweimal bis dreimal in der Geschäftsstelle – in der gesamten Zeit. Die Hymne von Lindenberg singen zu lassen? Natürlich, das wäre doch super, wenn ein Star wie Herr Lindenberg uns mit seinem Entertainment und Know-how unterstützen würde. Jedoch bleibt das wohl niemals mehr als ein toller Gedanke. Dies als Forderung zu betiteln, ist Quatsch.

Ihrer Meinung nach scheiterte man also auch am hiesigen Personal.

Duve/S.[Anm.: Name entfernt]: Wir sind der Meinung, dass ein Neuanfang geschaffen werden muss, konsequent und ohne Kompromisse. Nach unserem Kenntnisstand sollte das erfolgen, jedoch sehen wir heute, dass es wieder einmal eine Person geschafft hat, weiterhin einzuwirken (Ex- und Neo-Vorstand Thomas Kerle, Anm.).

Würden Sie weitermachen?

Duve/S.[Anm.: Name entfernt]: Wir wünschen und hoffen sehr, dass Ruhe und Normalität beim FC Wacker eintritt, wir bedanken uns bei den super Fans und dem Team auf dem Rasen für eine tolle Zeit. Ja, wir würden weitermachen,
es ist eine Herzensangelegenheit. Go, Wacker, go!

Das Gespräch führte
Florian Madl