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Ausgabe: 06. April 2022

Peter Nindler, Florian Madl

Wacker-Spieler verärgert, Kasse fordert 50.000 Euro

Die jüngsten Meldungen zur finanziellen Realität beim FC Wacker veranlassten Präsident Kevin Radi gestern, vor die Mannschaft zu treten.

Innsbruck – Gestern, 15 Uhr, Tivoli-Kabine. Mucksmäuschenstill soll es gewesen sein, als Präsident Kevin Radi das Wort ergriff. Die Ereignisse der vergangenen Wochen hatten Spuren der Enttäuschung und Skepsis in Spielerkreisen hinterlassen. Und den Beteuerungen, dass das ausstehende Investorengeld in Höhe von drei Millionen Euro doch noch eintreffen würde, will innerhalb des Profikaders kaum mehr einer Glauben schenken. Zu sehr drücken die finanzielle Last und die Unsicherheit die eigene Zukunft betreffend. Noch sind die Spieler an den Verein gebunden, weil die Zahlungsrückstände erst den Monat März betreffen (drei Monate Rückstand stellen kostenloses Vertragsende dar).

Der weitere Zeitplan für den krisengeschüttelten Verein: Bis 13. April benennt die Bundesliga die Erst- und Zweitligisten mit sofortigem Lizenzerhalt, bis Ende April steht beim Gang vors Protestkomitee auch die Entscheidung der zweiten Instanz fest. Als letzte Option bleibt das Schiedsgericht, das Mitte Mai entscheidet, ehe die Bundesliga Ende Mai die spielberechtigten Vereine an den Weltverband weiterleiten muss. Sollte diese ausbleiben, können die Akteure ablösefrei das Weite suchen – was viele Interessenten wohl auch abwarten werden. Motto: Wieso zahlen, wenn mit etwas Geduld ohnedies nichts zu berappen wäre?

Bei der Gesundheitskasse (ÖGK) ist Wacker mit bis zu 50.000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen seit drei Monaten im Verzug, sie wurden bisher gestundet. In der ÖGK wird die Situation in den nächsten Tagen bewertet, der 13. April dürfte auch dort wegweisend für die weitere Vorgangsweise sein. In einem ersten Schritt steht jedenfalls eine gerichtliche Exekution der Gelder im Raum, ein Konkursantrag wäre der nächste.

Land fängt Nachwuchs auf

Am Dienstag gab es ein Telefonat zwischen Radi und Sportreferent LHStv. Josef Geisler (ÖVP). Neues hatte der Wacker-Präsident nicht zu vermelden, außer die bekannte Geschichte von der deutschen Bank, die das versprochene Investorengeld offenbar noch nicht freigegeben habe. Was heißt die aktuelle Situation beim Wacker für das Land Tirol, das den Verein mit jährlich 320.000 Euro unterstützt? „Sollte die Gesellschaft mit den Profis den Bach runtergehen, dann werden wir natürlich den Fortbestand des Nachwuchses und des Amateurbereichs sichern“, betont Geisler.

Auf Tauchstation befindet sich indessen Investor Thomas Kienle. Der Stuttgarter Unternehmer will sich wie Radi offiziell zu den finanziellen Kalamitäten nicht äußern. Anfragen blieben wie erwartet unbeantwortet.