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Ausgabe: 07. April 2022

Florian Madl

Viele Seilschaften in den Startlöchern

Die Hoffnung, dass der FC Wacker in der kommenden Saison Profi-Fußball spielt, schwindet von Tag zu Tag. Alte Bekannte tauchen in der Zukunftsdebatte auf.

Innsbruck – Beim Gang durch die Innsbrucker Innenstadt erfährt man an jeder Straßenecke Neues zum FC Wacker. Die Tatsache, dass der Jetzt-vielleicht-doch-nicht-Investor Thomas Kienle die zugesagten 3 Millionen nicht überweist, wird mit Monatsmitte zum Problem (Inkasso, Lizenzierung, Vertragsverlängerungen). Der Finanzierungsbedarf liegt bis Monatsende bei über 1,5 Millionen Euro, bis Saisonende und ohne die Förderungen der öffentlichen Hand bei erwarteten 2,5 Millionen Euro. Präsident Kevin Radi hofft weiter auf den zugesagten Kontoeingang: „Wir gehen davon aus, dass das passiert. Uns wurde zugesichert, dass das Geld bald kommt.“ Der FC Wacker Innsbruck spielt – zumindest Stand jetzt – kommende Saison im Amateurfußball. Die Szenarien im Zeitraffer:

1 Vorzeitiges Saisonende: Nicht nur in Innsbruck wird geschwitzt, auch in Lustenau. Sollte der FC Wacker in die Zahlungsunfähigkeit rutschen und die Saison vorzeitig beenden müssen, befürchtet man bei Austria Lustenau vor eine 0:3-Wertung aller Wacker-Spiele: Damit wäre derzeit der FAC auf einem Aufstiegsplatz.

2 Zwangsabstieg: Insolvenzverfahren, Rückstufung in den Amateurfußball. Dem Vernehmen nach würde der FC Wacker nicht durchgereicht werden, sondern fände sich in der dritten Leistungsstufe (Regionalliga) wieder. Das kennt man aus der Zeit des FC-Tirol-Crash (2002), als mit einer WSG-Kooperation ein freier Fall noch verhindert wurde.

3 Vertragslos: Die Vereinbarungen mit gebundenen Spielern würden ihre Gültigkeit verlieren, Transferaktien wie Florian Kopp oder Rio Nitta würden selbst beim Ziehen der vereinsseitigen Option kostenlos ziehen. Manche wie Raphael Gallé (Admira) sehen ihre Zukunft bereits jetzt anderswo.

4 Infrastruktur: Um die Kosten entsprechend zu senken, würde das Tivoli-Stadion kaum mehr permanente Heimstätte sein können – es sei denn für Spitzenspiele (siehe Saison 2002/03). Das würde auch die Stadion-Nutzung in Frage stellen und für die Betreiber (Olympiaworld) zu Problemen führen.

5 Perspektive: Kaum vorstellbar, dass bei einem Abrutschen in die Regionalliga der Wiederaufstieg mittelfristig angepeilt werden kann. Ein Wacker-Neustart würde in Liga 3 beginnen, eine Fortsetzung der Arbeit des bisherigen Vorstand erschiene wohl auch mehr als unwahrscheinlich. Zuletzt tauchten bereits Konstellationen auf, die als Rettungsteam fungieren könnten:

Josef Geisler (TFV)/Roland Kirchler/Thomas Grumser (beide Akademie): Tirols Fußballverbandspräsident, dazu der Akademieleiter und sein Trainer-Zugpferd (jeweils mit Wacker-Vergangenheit): Schon nach der Ära von Investor Siems hieß es, diese Konstellation habe Potenzial. Vorteile: Unterstützung der Politik, Anbindung an die regionale Fußball-Szene, Einbindung der Akademie. Ein Schlagwort: Die besten Nachwuchs-Fußballer werden ab dem Spieljahr 2024/25 in zwei Kategorien eingeteilt. Um oben mitzuspielen, könnte eine Bündelung der Kräfte von Vorteil sein.

Hannes Rauch/Michail Ponomarev: Der Ex-Kufstein-Präsident mit Politik-Vergangenheit und der Ex-Investor? Der Russe bekundete seine Hilfsbereitschaft, Rauchs Netzwerk könnte hierzulande Türen öffnen.

Michael Streiter/Berliner Investor: Die Tirol-Legende und ein deutscher Partner, wurde gemunkelt – der Volderer verfügt über Fachwissen und Wacker-Bezug.

Gregor Schlierenzauer/Heinz Peischl/Markus Kindl: Die „Stubai-Connection“ mit dem Skisprung-Star, dazu die Ex-Tirol-Legende – auch diese Namen fielen gestern bei einem Rundruf. Eine Überraschungsvariante.