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Ausgabe: 13. April 2022

Florian Madl

Es endet, wie es anfing

Es fällt schwer, die heute erteilte Lizenz der WSG Tirol für die kommende Saison der Fußball-Bundesliga als Erfolg zu werten. Zu sehr ist das Gesamtgebaren des Tiroler Fußballs mit dem Schicksal des FC Wacker verbunden, der zeitgleich eine Absage bekommt. Die Innsbrucker winden sich noch wie ein Aal im Fischernetz, aber das scheinbar Unaussprechliche (Insolvenz) rückt pünktlich zum 20-Jahr-Jubiläum des FC-Tirol-Crashs wieder in bedrohliche Nähe. Die Verzweiflung der Verantwortlichen untermauert ein Gerücht aus Wien, wonach man bei einem dort ansässigen Millionär um 5,5 Millionen Euro Zwischenfinanzierung angesucht habe. Nur eine von vielen Randnotizen eines Dramas, das in Wahrheit bereits mit dem Crash 2002 seinen Ausgang genommen hatte. Seit damals floss viel Wasser den Inn runter. Nur der FC Wacker blieb, wenn auch unter unterschiedlichen Namen, was er immer war: das Synonym eines gescheiterten Entwicklungsprojekts, das aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt zu haben scheint. Jetzt – 24 Trainer, sieben Präsidenten, ein gutes Dutzend sportlicher Leiter, Manager oder Direktoren sowie drei Investoren später – schlägt dem Traditionsclub neuerlich die Stunde: Es riecht nach Amateurfußball, nicht nach Europacup.

Dem neuen Mann an der Spitze, Kevin Radi, ist das nur bedingt anzulasten. Der 33-jährige Innsbrucker agierte blauäugig, enthusiastisch und unerfahren, in seiner persönlichen Unternehmer-Laufbahn blieb er den Beweis des Troubleshooters schuldig. Und nun ignorieren auch Politik und Landesunternehmen, die schon oft als Retter fungierten, den Hilferuf aus der schwarz-grünen Geschäftsstelle. Die Landtagswahl steht an und Aktiengesellschaften können sich nicht mehr dem Diktat der stillen Verpflichtung unterordnen.

Eine sinnvoll erscheinende Zusammenarbeit mit dem FC Wacker schließt WSG-Präsidentin Diana Langes aus, der Stachel sitzt nach Momenten der Undankbarkeit gegenüber ihrem Vater und FC-Tirol-Mäzen Gernot Langes zu tief. Und beim FC Wacker lässt es das Selbstverständnis nicht zu, ein gemeinsames Stufen-Modell zu paktieren.

Die bescheidene Anlage der Tiroler Fußball-Akademie veranschaulicht, wo der Sport im Bundesländer-Vergleich wirklich steht. Vergessen wir also die glorreichen 70er- und 80er-Jahre, vergessen wir den aus einem Anflug an Größenwahn geborenen FC Tirol der Jahrtausendwende. Der Profi-Fußball weist irrationales Handeln und fehlenden Realitätsbezug als einziges Kontinuum auf, aber selten klafften Anspruch und Wirklichkeit weiter auseinander.