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Ausgabe: 15. April 2022

pn, floh

Nur noch ein Millionentransfer hilft

Wacker Innsbruck steht vor dem Endspiel: Spieler setzten gestern Verein Zahlungsfrist, Präsident Radi zeigt Verständnis für diesen Schritt. Investor Kienle verspricht zeitgerechte Punktlandung in der nächsten Woche.

Innsbruck – Keine Lizenz, kein Geld und ein Zwölf-Tage-Ultimatum der Spieler über die Fußball-Gewerkschaft an den Verein, ausständige Zahlungen (März-Gehälter, Forderung von Ärzten) zu begleichen: Der Fußballclub Wacker Innsbruck ist dem Konkurs näher als einer möglichen Rettung.

Altlasten als Hemmschuh: Zwischenzeitlich soll es ein konkretes Angebot von einer Gruppe um den Sohn von Franz Beckenbauer, Thomas Beckenbauer, geben, Wacker Innsbruck künftig finanziell unter die Arme zu greifen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass keine Verpflichtungen aus der Vergangenheit übernommen werden. Eingefädelt hat das Ex-Skispringer Gregor Schlierenzauer. Beckenbauer, der teilweise in Kitzbühel lebt, ist Vermögensberater. Es gab auch einen Termin bei Sportreferent LHStv. Josef Geisler.

Investor Thomas Kienle: Am 14. Jänner besiegelte der Stuttgarter Unternehmer den Investorenvertrag für Wacker Innsbruck über Kevin Radis Firma BlockRock. An der wollte sich Kienle mit 50 Prozent beteiligen. Innerhalb von einem Monat sollten drei Millionen Euro für die laufende Saison fließen. Gegenüber der TT legte Kienle im März Wert darauf, dass er sein Investment „als Privatperson“ tätige. Seither herrscht Funkstille. Verfügt er überhaupt über so viel Geld, stehen etwa finanzielle Verpflichtungen in Stuttgart dem Sponsoring entgegen? Zwar soll er mit seinem aktuellen Unternehmen für medizinische Schutzprodukte (Masken etc.) gut verdienen, bei Kienles ehemaligen Firmen sieht es aber nicht besonders rosig aus. Von Krediten werde abgeraten, eine Geschäftsverbindung gelte als riskant, schuldnerregisterliche Eintragungen würden vorliegen, heißt es etwa in Wirtschaftsregisterauszügen vom Februar. Die Frage, ob es möglicherweise deshalb Probleme bei der „Überweisung“ der drei Millionen Euro nach Innsbruck gebe, wollte Kienle am Freitag nicht beantworten und spricht von „befremdlichen Fragen“.

Kienles Optimismus: Gegenüber der TT verweist Kienle vielmehr darauf, dass die „Altlasten“ des Vereins alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellen würden. „Aber das werden wir regeln, um die Zukunft für den gesamten Verein zu gewährleisten.“ Bezüglich des generellen Investments sei man in der finalen Abwicklung. Kienle: „Wir werden es rechtzeitig realisiert haben, auch wenn es eine ,Punktlandung‘ wird.“

Die Frist der Spieler: Die Wacker-Spieler haben gestern dem Verein die angekündigte Zahlungsfrist von zwölf Tagen übermittelt. Sie wollen die Saison zu Ende spielen, kommt Wacker ihren Forderungen nicht nach, wären sie ablösefrei. Ihre Vorgangsweise ist ein Akt des Selbstschutzes. Präsident Kevin Radi hat Verständnis für diesen Schritt, wie er gegenüber der TT sagt.

Radis Hoffnung: Die schwindet langsam. „Wir haben noch eine Woche Zeit, um notwendige Unterlagen nachzureichen“, betont Radi. Mit Kienle sei er täglich im Kontakt, aber alles sehr kompliziert. Ob er nicht langsam an dem Investor selbst zweifle und an rechtliche Schritte denke? Für Radi stellen sich „diese Fragen derzeit nicht. Es geht darum, dass die zugesagten Gelder noch rechtzeitig eintreffen.“

Endspiel am 21. April: Die Zeit drängt, das Endspiel findet am Donnerstag nach Ostern statt: Bis dahin kann beim Protestkomitee der Bundesliga Protest erhoben und die notwendigen Unterlagen zu Finanzen und Infrastruktur können nachgereicht werden. Wenn das nicht gelingt, ist es mit der Lizenz vorbei und ein Ende des Profifußballs wohl unausweichlich.