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Ausgabe: 27. April 2022

Kronen Zeitung

Wackers große Hoffnung ist ein Golden Goal in letzter Sekunde

Fünf Gründe, warum FC Wacker Innsbruck heute vom Protestkomitee der Bundesliga die Zulassung für die zweite Spielklasse doch noch erhalten soll.

TRADITIONSVEREIN: Kein Sportklub in Tirol hat(te) annähernd eine derart große Strahlkraft wie Wacker Innsbruck. Über die Landesgrenzen hinaus – denn selbst die Fan-Klubs von Rapid oder Sturm wünschen sich den Fortbestand des zehnfachen Meisters.
NACHWUCHS: Alleine für den sollte sich ein „Golden Goal“ auftun – in elf Mannschaften (von Kindergarten bis Juniors) üben 203 Kinder und Jugendliche ihren Sport mit viel Begeisterung aus. Sie würden über Nacht ihren Klub verlieren.
WIRTSCHAFTSFAKTOR: Auch wenn dieser in den vergangenen Jahren doch abgenommen hat – es hängen einige Arbeitsplätze daran. Abgesehen vom Profi-Team mit Trainern und Betreuer-Stab (wie Physios oder Masseure) gehen sechs Vollzeitangestellte (plus drei Vorstände) ihrem Job nach, dazu drei Teilzeitbeschäftigte. An einem Spieltag an die 30 Ordner, zehn Sanitäter, zehn Polizisten, das Catering, Putzdienst, etc.
SPRUNGBRETT: Für viele Profis war Innsbruck der optimale Verein, um auf sich aufmerksam zu machen – in jüngster Zeit ein Albert Vallci, der Meister mit Salzburg wurde sowie ein Andreas Kuen, der mit Sturm den Vize-Titel holen wird.
EMOTION: Wenn der Großvater seinem Enkerl das Abo übergibt; wenn am Stammtisch nur schwarzgrüne Themen besprochen werden. Wacker polarisiert, lässt keinen Sportbegeisterten kalt. Gernot Gsellmann

Fünf Gründe, warum es wohl besser ist, dass der schwarzgrüne Klub nach jahrelangem Wurschteln nun doch über die Finanz-Klinge springen muss.

ÜBERSCHULDUNG: Mit Ende Juni wird der Schuldenstand der Wacker GesmbH 1,912 Millionen Euro betragen. Und den Verein selbst werden 970.000 Euro Miese quälen. Macht in Summe fast drei Millionen Euro. Arg.
ZUSCHAUERZAHLEN: Als das neue Tivolistadion eröffnet wurde, war die Arena in jedem Spiel so gut wie ausverkauft (15.000). Inzwischen sind die Zuschauerzahlen auf 1632 geschrumpft – das war der Besuch letzten Freitag.
FEHLENDE RETTER: So gut wie jedes Tiroler Unternehmen wurde in den 20 Jahren seit dem Konkurs um Hilfe angefleht. Kaum jemand sprang auf. Nur die öffentliche Hand pulverte Millionen in den Klub.
FEHLENDER ERFOLG: In den Konkurs-Wirren des Jahres 2002 feierte Innsbruck seinen 10. Meistertitel. Seither hängen die Fußball-Trauben hoch, zu hoch. In den vergangenen 20 Jahren war Schwarzgrün nur neun Jahre in der obersten Spielklasse, das letzte Europacup-Match eines Tiroler Klubs gab’s am 1. November 2001 – Aus mit einem 2:2 gegen Fiorentina.
INVESTOREN: Sie sollten das Glück bringen – und haben nur Probleme verursacht. Der Hamburger Matthias „Siemsalabim“ Siems, der Russe Michail Ponomarew und der Stuttgarter Thomas Kienle. Es macht keinen Sinn, dass der Fußball-Verein ein Spielfeld für mehr oder minder dubiose Geldgeber ist. Georg Fraisl