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Ausgabe: 27. April 2022

Georg Fraisl

Einst große Liebe, jetzt Scheidung

Meine Liebe – was machst du denn?? Muss das sein??Zugegeben: Mir drückt’s inzwischen die Tränen nicht mehr raus, aus den Schmetterlingen im Bauch sind Darmwinde geworden, aus den Herzerln in den Augen kleine, rote Wut-Adern.

Ja, meine geliebte schwarzgrüne Diva, das war alles einmal anders. Damals Ende der 70er Jahre, als wir uns erstmals gesehen haben. Heimlich, ohne dass die Eltern es wussten. Du am Rasen – ich dort, wo die „Nord“ war. Atemberaubende Nachmittage, irre Abende. Europacup gegen Gladbach. Eine Fan-Fahrt nach Basel. Wahnsinn. Später dann zitternd vor Aufregung vor der Kabinentür für Unterschriften auf einer kleinen, schwarzgrünen Fahne. Das Heiligtum, behütet.

Der Job hat unsere Beziehung verändert, keine Frage. Die Flitterwochen waren vorbei. Die ersten Fragen tauchten auf, die erste Distanz. Selbst wenn das Herz immer noch jubilierte. Etwa als Hansi Müller kam. Und Ernst Happel. Und Bruno Pezzey, das größte aller Idole. Mit ihnen Titel, Tore, Triumphe.
Dann wurde es zäher, meine Liebe. Duuu wurdest seltsam. Duuu hast dich mit Klaus Mair dem ersten Finanzjongleur an den Hals geworfen. Ach.
Dann kam das rauschende Fest mit Kurt Jara (und später Jogi Löw) als Trainer. Was für eine Party – und was für ein Kopfweh am Tag nach dem großen Konkurs.

Damit ... ja, damit war’s eigentlich vorbei. Aus der glänzenden Diva ist eine zickige Furie geworden, die viel zu viel Geld braucht. Und eine alte Schachtel, die sich nichts sagen lässt.
Die Zeit war schön, mein Herz, aber wir haben uns auseinander gelebt. Tut leid.