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Ausgabe: 03. Mai 2022

Alex Gruber

Eine äußerst sensible Angelegenheit

Bei einem sport-politischen Krisengipfel wird heute über die weitere Zukunft des FC Wacker Innsbruck gesprochen. Ein Rettungsschirm der öffentlichen Hand könnte zumindest den Amateurbetrieb sichern.

Innsbruck – Quo vadis, FCW? Darüber werden heute Landeshauptmannstellvertreter und Sportreferent Josef Geisler, Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi und Tirols Fußballverbandspräsident Josef Geisler beraten. Im Wissen, mit einer äußerst sensiblen Angelegenheit konfrontiert zu sein, die landauf und landab für große Emotionen sorgt. Und in der Hoffnung, dass FCW-Präsident Kevin Radi alle Zahlen korrekt auf dem Tisch präsentiert.

Das Tiroler Fußballvolk sagt dem Traditionsclub nach, in den vergangenen Jahren weit über die Verhältnisse gelebt zu haben. „Dann hätte es aber keine Lizenzen gegeben“, merkt Ex-Präsident und Ex-Obmann Gerhard Stocker an: „Richtig ins Hintertreffen ist der Club erst unter der Führung von Radi geraten“, notiert jener Mann, der dem Verein in den letzten Jahrzehnten immer wieder unter die Arme gegriffen hat. Dass seinem Club ein Schicksal wie einst dem GAK – bei einem Konkurs über den Verein wird der FCW bei Fortbestand in die 2. Klasse durchgereicht – droht, sorgt für seelische Schmerzen. „Sollte es so weit kommen, wird der Insolvenzverwalter Verträge exekutieren müssen“, spielt Stocker auf verbriefte Vereinbarungen mit den drei Investoren/Kreditgebern (Siems, Ponomarev, Kienle) an, die die finanziellen Sorgen beiseiteräumen könnten. Dieses Kapital – Siems und Ponomarev fordern ihrerseits auch Geld vom FC Wacker – würde aber zu spät fließen. Eines merkt Stocker an: „Wenn Tirol zusammenstehen würde, wäre das Problem nicht so groß.“

Dass Geld vorgeschossen wird und man auch über die GmbH (knapp zwei Millionen an Außenständen) des Profibetriebs keine Insolvenz anmelden muss, ist auszuschließen. Über die Rettung des Amateur-Vereins (ca. 900.000 Euro an Verbindlichkeiten) mit der großen Nachwuchsabteilung wird (zu Recht) diskutiert.

„Die GmbH und der Verein sind zwei verschiedene Rechtspersönlichkeiten, daraus folgt, dass beide oder auch nur eine zahlungsunfähig werden können. Wenn die GmbH gegenüber dem Verein Forderungen hätte, die der Verein nicht erfüllen kann, wird die Rettung schwierig“, erläutert Ex-Richter Geisler, der als TFV-Präsident betont: „Ich habe die Pflicht, alle Vereine gemäß der Durchführungsbestimmungen und Satzungen des Verbandes gleich zu behandeln. Das heißt, dass bei einem Konkurs der Abstieg in die 2. Klasse erfolgen muss.“ Der FCW habe blauäugig über die Verhältnisse gelebt und als Wirtschaftsunternehmen „die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns“ außer Acht gelassen.

Eine Meinung, die man im Tiroler Vereinsfußball großteils teilt. „Es ist traurig für den Tiroler Fußball, was augenblicklich beim FC Wacker passiert. Da hängen Mitarbeiter, Spieler und Nachwuchstrainer mit viel Herzblut dran“, merkt Stefan Köck, Sportmanager von Tirols Bundesligist WSG Tirol, an. Aber: „Es gibt klare Statuten und ich bin kein Freund davon, etwas künstlich am Leben zu halten. Es wäre auch ein falsches Zeichen an alle anderen Clubs.“ Guter Rat ist hier wirklich teuer.