Impressum

Ausgabe: 04. Mai 2022

Florian Madl

Was Fans lernen mussten

Es gab einmal eine Zeit, da erlebten Pyramidenspiele Hochkonjunktur. Auf Basis des Schneeballsystems wurde ein Produkt beworben und hoher Gewinn in Aussicht gestellt, sollte man nach Investition eines Geldbetrags seinerseits Mitglieder für die Idee gewinnen. Lange Zeit perlte Kritik an den Protagonisten des windigen Geschäftsmodells ab wie Regen an der Öljacke eines Hochseefischers – bis sich eines Tages die Justiz mit den Geschädigten befassen musste.

Lange Zeit wollten auch die Verantwortlichen des FC Wacker nicht zur Kenntnis nehmen, dass ein „Investorenmodell“ eben nur dann zum Ziel führt, wenn Geldgeber und Vereinsführung die gleiche Sprache sprechen. Nach mittlerweile drei Versuchen steht ein Konkurs und die Haftung ehemaliger und aktuell eingesetzter Geschäftsführer im Raum. Schwarz-Grün gilt als Synonym für fehlende Lernfähigkeit nach dem Konkurs 2002. Was Wacker-Fans mittlerweile wissen:

Geld muss selbst dann nicht am Konto sein, wenn es am Vortag vom Präsidenten selbstbewusst angekündigt wurde.

Öffentlich geäußerte Kosenamen für Investoren – Stichwort „Thommi“ (Kienle) – verheißen in der Regel nichts Gutes.

Ein Investor, der aus Liebe zum schönen Land Tirol Geld springen lässt, muss von Haus aus suspekt sein.

Sozialabgaben sind selbst dann bis zum 15. jedes Monats zu leisten, wenn man als Traditionsverein einen Bonus zu haben glaubt.

Profi-Fußballer und Mitarbeiter sind auf Gehälter angewiesen, auch wenn sie den Verein im Herzen tragen.

Eine „Due-Diligence-Prüfung“ (Evaluierung des Unternehmens) bedeutet nichts, wenn Laien am Ruder sind, die sich später für ihre Naivität entschuldigen.

Irgendwie spielt man im Konzert der Großen dennoch mit, denn selbst die WM in Katar – siehe Artikel oben – färbt auf den FC Wacker ab.